Kriminalität : Busbrände: Urteil am Freitag erwartet

Aufmerksam verfolgen die Verteidiger Tobias Schiener, Benjamin Riechert und Dr. Peter-Michael Diestel (v. l.) das Plädoyer der Staatsanwaltschaft.Michael-Günther Bölsche
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Aufmerksam verfolgen die Verteidiger Tobias Schiener, Benjamin Riechert und Dr. Peter-Michael Diestel (v. l.) das Plädoyer der Staatsanwaltschaft.Michael-Günther Bölsche

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21. Mai 2013, 07:43 Uhr

Plau Am See/Schwerin | Am 32. Prozesstag in Sachen Busbrände am Schweriner Landgericht am gestrigen Dienstag hielten Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers. Die Staatsanwaltschaft forderte für den Hauptangeklagten Michael M. wegen mehrfacher Brandstiftung und Steuerhinterziehung zehn Jahre und sechs Monate Freiheitsentzug und für den Mitangeklagten Daniel S. wegen Brandstiftung fünf Jahre und drei Monate. Die Verteidigung dagegen forderte in den Fällen der Brandstiftung für beide Angeklagten Freispruch und im Falle der Steuerhinterziehung soll die zu erwartende Freiheitsstrafe für Michael M. zur Bewährung ausgesetzt und die Zeit der Untersuchungshaft angerechnet werden.

"Das ist ein unverschämter Antrag der Staatsanwaltschaft angesichts der Indizienlage. Ich hoffe, dass der wahre Brandstifter zeitnah ermittelt wird", so die erste Reaktion des Angeklagten Daniel S. Seine Eltern schließen sich dem an. "Als Mutter bin ich doch geschockt angesichts des hohen Strafmaßes. Wir gehen nach wie vor von der Unschuld unseres Sohnes aus. Mögliche Entlastungsmomente wurden wenig bis gar nicht beachtet", so Karin S., die an allen 32 Prozesstagen im Saal weilte. Ihr Rechtsanwalt Tobias Schiener wirft den Ermittlungsbehörden insbesondere vor, einseitig ermittelt zu haben. "Da wurden beispielsweise keine Geruchsproben genommen und Anregungen der Verteidigung wurde nicht nachgegangen. Die Tatsachenlage beurteilen wir völlig anders", so der Anwalt von Daniel S. Auch Manfred M., Vater des Angeklagten Michael M., kann den Antrag nicht nachvollziehen. "Das ist lachhaft! Man brauchte einen Sündenbock und präsentiert unglaubwürdige Zeugen", so seine Reaktion.

Nach Ansicht der Verteidiger von Michael M., Dr. Peter-Michael Diestel und Benjamin Riechert sollen die Brandstifter auch hohe Strafen bekommen. "Doch die sitzen hier nicht auf der Anklagebank. Hier sitzen die falschen", so die Verteidiger. Für sie komme dagegen ein Zeuge in Betracht, der über Täterwissen verfüge und unter dem Feuerwehrmannsyndrom leide. In Sachen Ermittlungsarbeit werfen die Verteidiger der Staatsanwaltschaft und den Kriminalisten einseitige Arbeit vor, ebenso dem Brandsachverständigen. "Die Branduntersuchungen entsprechen nicht dem Stand des 21. Jahrhunderts", so Dr. Diestel. Nach Ansicht seines Kollegen Benjamin Riechert fehlen Bodenproben, Materialtests und somit seien handwerkliche Fehler gemacht worden. Auch für ihn kommen andere Täter in Betracht und auch er fragte, warum ein in Plau bekannter Feuerwehrkamerad nicht im Focus der Ermittlungen stand.

Staatsanwalt Thomas Bardenhagen dagegen hat bislang keine Ermittlungsansätze gegen mögliche andere Täter und nach seinen Worten ergeben in der Summe alle Indizien ein Mosaik, dass die Taten doch von den beiden Angeklagten begangen worden seien. Über 90 Zeugen wurden gehört, die die Verteidigung zum großen Teil als unzuverlässig bezeichnete. Für Bardenhagen stehe fest, dass Daniel S. den Brand am 6. Januar 2012 beim Reisedienst in Parchim im Auftrag von Michael M. gelegt habe. An den anderen Bränden in Plauerhagen und Plau sei Michael M. der Brandstiftung bzw. der Anstiftung schuldig. Als mögliches Motiv komme für die Staatsanwaltschaft die schlechte wirtschaftliche Lage der Reisebusfirma in betracht, die sich darin ausdrücke, dass es bereits seit 2010 unregelmäßige Lohnzahlungen, Mahnungen und Rücklastschriften gegeben habe. Durch den Vorsteuerbetrug durch Michael M. sollten eine kurzfristige Liquidation der Firma und damit wirtschaftliche Vorteile erreicht werden. In einem waren sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung einig: Das Verfahren war konstruktiv, sachlich und prozesstreu verlaufen.

Unter den Prozessbeobachtern waren stets auch Kriminalbeamte. "Wir verfolgen die Verhandlung und werten die Ergebnisse aus, um auch unsere Arbeit zu verbessern und beweissicher zu arbeiten", so Tom Sperling, Leiter des Kriminalkommissariats Ludwigslust.

Für das Gericht unter Vorsitz von Uwe Fiddeke wird es objektiv betrachtet keine leichte Entscheidung werden. Das Urteil wird am Freitag um 13 Uhr im Saal 18 des Schweriner Landgerichts erwartet.

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