Bus-Brandstifter schlägt wieder zu

Auch die Bushalle wurde durch die Hitze des Feuers zerstört.
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Auch die Bushalle wurde durch die Hitze des Feuers zerstört.

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27. September 2012, 05:21 Uhr

Parchim | Beim Reisedienst Parchim GmbH, einem kreiseigenen Unternehmen an der Lübzer Chaussee, sind in der Nacht zu gestern acht Busse abgebrannt, die für den morgendlichen Schüler- und Linienverkehr vorgesehen sind. Die Feuerwehren aus Parchim und Lübz sind im stundenlangen Einsatz. Der Schaden geht in die Millionen.

Es ist wenige Minuten vor halb vier in der Nacht zum Freitag. In der privaten Sicherheitsfirma Parchim Wacht geht die Meldung der automatischen Alarmanlage ein: Brand auf dem Gelände der Reisedienst GmbH an der Lübzer Chaussee. Umgehend informiert der Diensthabende Dirk Hinz Feuerwehr und Polizei. Diese rücken um 3.29 Uhr aus. Vor Ort schlagen meterhohe Flammen in den nächtlichen Himmel, keine leichte Aufgabe für die 27 Kameraden, die teilweise nur unter Atemschutz agieren können. Neben dem Flammenmeer weht beißender Rauch über den Platz. Acht Reisebusse, die morgens Schüler und Berufstätige fahren sollten, brennen in einer Unterstellhalle in voller Ausdehnung. Durch die starke Hitzeentwicklung biegt sich das Metalldach schon und droht einzustürzen. Dennoch greift ein Mitarbeiter aus der Kfz-Wäsche, dessen Schicht um diese Zeit beginnt und der als einer der ersten vor Ort ist, zum Fahrzeugschlüssel und fährt einen Bus aus dem Unterstand. "Er wollte noch eine Lücke schaffen, damit die Flammen nicht auf die anderen Busse übergreifen", sagt Andreas Plestinsky, der Geschäftsführer der Reisedienst GmbH. Später klagt der Mitarbeiter über "Unwohlsein" und wird zur Sicherheit in die Asklepios Klinik untersucht.

Der erfahrene Einsatzleiter Bernd Schröder behält die Übersicht, beordert seine Kameraden an ihre entsprechenden Einsatzstellen und fordert weitere Hilfe an. "Wir haben Schaum in Kanistern, aber wir brauchen mehr und die Lübzer verfügen über einen Schaumanhänger", sagt der routinierte Feuerwehrmann. So rücken eine gute halbe Stunde später die 12 Kameraden aus Lübz mit ihrer Technik an und unterstützen die Parchimer bei der Brandbekämpfung. Das Löschwasser kommt aus einem Hydranten an der Lübzer Chaussee. Obwohl alle ihr Möglichstes leisten, können die Einsatzkräfte das komplette Ausbrennen von acht Bussen nicht verhindern.

"Was sind das bloß für Idioten, das ist nicht nur Sachschaden, da hängen auch Arbeitsplätze dran", schimpfen die Busfahrer, die zum Dienst kommen. Unter ihnen auch Uwe Plokarz und Jürgen Weise, die so ein Handeln krimineller Brandstifter nicht verstehen können und hoffen, dass der oder die Täter endlich gefasst und richtig bestraft werden.

Für den Reisedienst heißt es, dass einige Linien am frühen Morgen ausfallen müssen. So zwischen Rom und Parchim, zwischen Siggelkow und Parchim sowie zwischen Neu Ruthenbeck und Domsühl und zwischen Bahlenrade und Passow. "Es ist nicht leicht, acht Busse zu ersetzen, aber durch die Hilfe aus Schwerin von SGS Bus und Reisen GmbH und aus Ludwigslust können wir gegen Mittag wieder alle Strecken befahren", sagt Plestinsky. Auch der Nahverkehrsbetrieb Schwerin hat Unterstützung angeboten. Plestinsky geht davon aus, dass der Sachschaden zwischen 1,6 und zwei Millionen Euro liegt.

Die Kriminalpolizei hat noch in der Nacht die ersten Ermittlungen aufgenommen. Unter anderem wurde auch ein Fährtensuchhund eingesetzt. Dieser soll auch eine Spur aufgenommen haben, Näheres war aber vorerst noch nicht zu erfahren. Da auf dem Gelände auch Videokameras installiert sind, erhoffen sich die Beamten dadurch neue Erkenntnisse.

Die Kripo-Ermittlungsgruppe "Bus" wird nun weiter intensiv nach Spuren suchen, um die Brandserie aufzuklären. Bereits Anfang des vergangenen Jahres brannte es in der Region Plau mehrfach. So wurden vier Busse der Reisedienst GmbH auf einem Hof in Plau am 28. Februar 2011 angesteckt. Das Busunternehmen Maaß in Plauerhagen war bereits am 13. Februar (drei Busse, mehrere Pkw), sowie am 6. März (vier Busse und ein Radlader) und am 8. Juni auch ein Mietshaus, welches der Familie Maaß gehört, betroffen. Am 19. September war der bis dato letzter Brand dieser Art bei der Firma Maaß, an diesem Tage brannten vier Busse.

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