Protest gegen NPD-Aufmarsch in Wolgast : Buntes Signal gegen Nazis

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Wolgast wehrt sich: Aus Protest gegen einen NPD-Aufmarsch demonstrierten gestern Abend mehrere hundert Menschen gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Der Lampionumzug, die Mahnwachen:

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09. November 2012, 08:54 Uhr

Wolgast | Die verschlammte Freifläche neben dem Wolgaster Bahnhof hallt wider von Lautsprecherwagen der Neonazis: "Treue und Ehre haben wir uns geschworen, die Flamme des Hasses ist in uns geboren." Daneben liegen die Eisenbahngleise im gelben Licht der Bogenlampen. Es ist der 9. November in Wolgast. Vor 74 Jahren begann mit der Reichspogromnacht die systematische Vernichtung der europäischen Juden. Die rund 100 Neonazis unter Führung der rechtsextremistischen NPD - unter ihnen Landtagsfraktionschef Udo Pastörs und Landtagsabgeordneter Michael Andrejewski - marschieren vorerst nicht los. Die Strecke soll nach dem neuesten Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Greifswald über die Saarstraße Richtung Wolgast-Nord führen. In der Saarstraße aber haben sich rund 150 Gegendemonstranten niedergelassen ...

Mehr als 500 Menschen aus Vorpommern haben gestern in Wolgast gegen Rassismus und Rechtsextremismus demonstriert. Der Präventionsrat der Stadt hatte zu einem Lampionumzug durch die 12 000 Einwohner zählende Stadt aufgerufen. Das Bündnis "Vorpommern-weltoffen-demokratisch-bunt" hat Mahnwachen im Stadtgebiet vorbereitet. Damit sollen die Würde und geschichtliche Bedeutung dieses Tages im Gedenken an die Opfer der Naziherrschaft verteidigt und Neonazismus eine klare Absage erteilt werden, sagte ein Sprecher. "Die Stadt wird heute ein starkes Signal gegen Rechts setzen", sagte der Wolgaster Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos) gestern Nachmittag.

Das Verwaltungsgericht in Greifswald hatte den ursprünglich vom Kreis Vorpommern-Greifswald verbotenen Marsch gegen Auflagen erlaubt. So sollten die Rechten nicht wie ursprünglich geplant Fackeln mit sich führen und sich zudem rund 300 Meter vom Asylbewerberheim entfernt halten. Der Kreis Vorpommern-Greifswald hatte noch am Donnerstag Beschwerde gegen diese Entscheidung eingelegt und wollte weiterhin ein Demonstrationsverbot für den 9. November durchsetzen.

Gestern Mittag dann wies das Oberverwaltungsgericht in Greifswald die Beschwerde des Landkreises zurück. Allerdings veränderte das OVG teilweise die Auflagen, verdoppelte den Abstand zum Asylbewerberheim auf mindestens 600 Meter. Zudem wurde die Aufmarschstrecke der NPD von knapp sechs auf etwa drei Kilometer verkürzt. Auch durfte die NPD ihren Kundgebungsort nicht mehr frei wählen, sondern musste diese am Ernst-Thälmann-Platz abhalten.

Ursprünglich hatte die NPD am Asylbewerberheim eine Kundgebung mit dem NPD-Landeschef Udo Pastörs geplant, um gegen die Asylpolitik zu demonstrieren. Ein Anti-Rassismus-Bündnis hatte zu Sitzblockaden gegen den Marsch der Rechten aufgerufen.

Die Polizei sicherte die Demonstrationen mit einem großen Aufgebot ab. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte im Vorfeld zu einem gewaltfreien Protest ohne Blockaden aufgerufen. Der Kreisgruppenvorsitzende Marco Bialecki sagte, dass die Polizei bei einer Genehmigung die NPD-Veranstaltung absichern müsse. "Sehr schnell wird dann die politische Auseinandersetzung auf dem Rücken der Polizei ausgetragen oder wir werden in die rechte Ecke gestellt", sagte Bialecki.

Seit Wochen macht die NPD Stimmung gegen die Asylbewerber, die seit zwei Monaten in einem Wohnblock eines Plattenbauviertels untergebracht sind. Anfang Oktober flog ein Knallkörper auf einen Balkon des Asylbewerberheimes. Täter wurden bislang nicht gefasst.

In dem Haus wohnen derzeit rund 180 Asylbewerber, unter anderem aus Russland, Ghana, Afghanistan, der Türkei und Syrien. Ein geringer Teil der Asylbewerber habe die Stadt für die Zeit der Demonstrationen verlassen, sagte Heimleiter Jörg Wojciechowski. "Die meisten wissen aber, dass sie bei uns gut behütet sind."

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