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Bunter Endspurt bei Internationaler Gartenschau

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erstellt am 27.Sep.2013 | 03:41 Uhr

HAMBURG | Der 171-Tage-Marathon namens die Internationale Gartenschau (IGS) in Hamburg steht vor seinem Abschluss. 1,075 Millionen Gäste (Stand: 22. September) haben seit der Eröffnung der Ausstellung am 26. April die Elbinsel Wilhelmsburg besucht, sagte Gartenschau-Pressesprecher Michael Langenstein unserer Zeitung. Noch bis zum 13. Oktober bleiben die Pforten des 100 Hektar großen Geländes geöffnet. Unter dem Motto "In 80 Gärten um die Welt" hat die IGS nicht nur die Vielfalt des Blütenreichs, sondern auch über 5000 abwechslungsreiche Kulturveranstaltungen geboten.

Etwas ganz Besonderes findet am 5. Oktober statt: "Die größte königliche Autogrammstunde der Welt". An diesem Tag werden auf der NDR-Bühne der Gartenschau rund 260 Ernte- und Produktköniginnen und -prinzessinnen aus ganz Deutschland präsentiert.

Am letzten IGS-Wochenende erleben die Besucher zwei Highlights: Am 12. Oktober gibt es ein fulminantes Multimedia-Spektakel der "Colors of Nature", und am 13. Oktober wird die Gartenschau sich mit einem Konzert von Stefan Gwildis & Band mit ihrem Programm "Frei händig" von Wilhelmsburg verabschieden.

Hinter der Gartenschau stehen Menschen, die mit hoher Kompetenz jahrelang daran arbeiten, den Besuchern eine gelungene Veranstaltung zu präsentieren. Eine davon ist Anja Borstelmann. Sie kommt aus Salzhausen/Luhmühlen in der Lüneburger Heide. Borstelmann hat schon die Bundesgartenschau 2001 in Potsdam, die Landesgartenschau 2004 in Wolfsburg und die Bundesgartenschau 2009 in Schwerin mitgemacht. Sie hat die Aufgabe, mit den ausführenden Garten- und Landschaftsbaubetrieben sowie Pflanzplanern auf der IGS die Pflege zu überwachen und zu begleiten.

Wissen, warum welche Pflanze an welchem Ort gut kommt, ist das A und O in ihrem Job. Borstelmann ist auf dem Land aufgewachsen, da ergibt sich die Liebe zur Natur. Sie muss Pflanzen in Ausstellungsqualität bekommen und dafür sorgen, dass die dann auch erhalten bleibt. Und wenn jetzt doch etwas ausgetauscht werden müsste? "Dann bräuchte man Pflanzen, die noch ein paar Wochen durchhalten. Wenn am letzten Wochenende jemand Eintritt bezahlt, will der ja auch noch Blumen sehen."

Ein Garten der besonderen Art ist der Hexenkessel. Hier herrscht immer Gedränge. Das liegt auch an Ehler Schümann und Ulrike Rodowski, die den Hexengarten betreuen und auch geplant und angelegt haben. Mit fundiertem Fachwissen, humorigen Anekdoten und Leidenschaft bessern sie das Halbwissen ihres Publikums auf. Der Gartenratgeber aus Quarnstedt, Schümann, ist sozusagen der Vater des Hexenkessels. Für seine Idee konnte er den Apothekerverband Schleswig-Holstein/Hamburg als Partner und Ulrike Rodowski als Mitarbeiterin gewinnen. Gemeinsam gründeten sie bereits 2009 die Arbeitsgemeinschaft Hexenkessel.

Eine Hexe zeigt uns, wo es längs geht in den Arzneimittel- und Giftpflanzengarten. Hier erfahren wir, welches Gift in den Pflanzen steckt und wie es wirkt. Und staunen, wie eng giftig und heilsam beieinander liegen. Das Geheimnis ist die richtige Dosierung und Verarbeitung. Weise Frauen wussten das schon in früheren Jahrhunderten und wurden dafür nicht selten als Hexen verfolgt. Auch heute haben fast Dreiviertel der modernen Arzneimittel pflanzlichen Ursprung. Digitales etwa, der Wirkstoff des hochgiftigen Roten Fingerhuts, hilft bei Herzproblemen. Johanniskraut ist bekannt als Stimmungsaufheller. Da hat Ulrike Rodowski auch gleich noch einen anderen Tipp: "Die frischen Blüten können Sie in Öl einlegen, egal welches. Aber gut muss es sein. Das hilft dann bei Prellungen, Muskelschmerzen und leichten Verbrennungen."

Im Hexenkessel wächst auch die Lorbeerkirsche, Giftpflanze des Jahres 2013. Ihr Öl wirkt entkrampfend und die Homöopathie nutzt die Pflanze für Mittel gegen Husten, Heiserkeit und Herzschwäche. Der Star aber ist der Rizinus-Baum, der in unseren Breiten eine einjährige Pflanze ist, es aber in einem Sommer zu beachtlichen Ausmaßen bringt. Bei ihm steckt das Gift in den Samen, die sich in den hübschen Stachelnüssen verstecken. Drei machen Bauchschmerzen, 13 sind tödlich. Erst wenn man den Samen das Eiweiß Rizin entzieht, kann man sie pharmazeutisch nutzen. Es ist schon kurios: Viele Blumen, die wir so lieben, sind giftig. Das Unkraut, das wir so hassen und ausrupfen, ist oft nützlich.

Schöne Landschaften der Gartenschau sind zweifellos attraktiv. Doch muss man ehrlich sein: Nicht viele Jugendliche finden Blumen und Pflanzen besonders spannend. Deswegen steht der jungen Generation auf der Insel Wilhelmsburg die moderne Skaterbahn zur Verfügung - von dem gebürtigen Hamburger Matt Grabowski. Tattoos, Vollbart und Käppi - so stellt man sich eigentlich keinen erfolgreichen Geschäftsmann vor. Tatsächlich aber hat Matt im Jahr 2000 die Zeichen der Zeit erkannt und mit der Gründung von Minus Ramps ein wachsendes Bedürfnis der Skaterfamilie gestillt: die innovativen und verrückten Rampen aus Amerika auch in Deutschland fahren zu können.

Seine Firma ist auf Planung, Design und Durchführung von Rampen und Skateanlagen spezialisiert, verzeichnet jährlich circa fünf große Aufträge aus Deutschland und Europa. "Rampenbauer ist kein klassischer Ausbildungsberuf, das meiste musst du dir echt selbst beibringen", erklärt Grabowski. Wie so oft im Leben ist er eher durch Zufall dort gelandet, wo er heute ist. Mit Minus Ramps hat Matt auf jeden Fall sein Hobby zum Beruf gemacht. "Ich skate seit 1988, bin schon einige Jahre auf dem Brett unterwegs." Über die Frage, ob er auch mal Preise gewonnen hat, lächelt er nur und zuckt mit den Schultern. "Bestimmt." Heute bevorzugt er kleine Sessions mit seinen Freunden oder seinem Team.

"Es ist jahrelang mein größter Wunsch gewesen, aus Beton Rampen zu bauen." Die Skateanlage der IGS ist zwar nicht Matts erste Betonbahn, dafür aber seine innovativste. Er ist richtig stolz auf sein Baby: "Die Architekten wollten eine Landschaft mit Gefälle, wir bauten ihnen die Street - das flache Areal - und die Bowl, die ihren Formursprung in amerikanischen Pools hat." Trotz Auflagen und vielen unterschiedlichen Akteuren verlief die Zusammenarbeit reibungslos und mit nur wenigen Kompromisslösungen. Ein Team aus rund zehn Leuten saß vier Monate an dieser 1700 Quadratmeter großen Skateanlage, die täglich die jüngeren IGS-Besucher begeistert. Da sie so groß und komplex ist, sind alle Schwierigkeitsgrade abgedeckt - während Anfänger ihre ersten Meter rollen, werden Profis bis an ihr Limit getrieben.

Skaten ist mehr als nur Sport. "Eine richtig gute Session erkennst du daran, dass du stundenlang durchgefahren bist, ohne einmal anzuhalten", sagt Matt. Wer aber wirklich viel und abwechslungsreich skaten will, der sollte nach Oregon fliegen: "Der Bundesstaat hat die geilsten Skateanlagen auf kleinstem Raum zusammengepfercht."

Deutschland hat in Sachen Skateboarding zwar noch so einiges nachzuholen, die Skaterbahn der IGS ist aber definitiv ein starker Anfang.

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