zur Navigation springen

Öko-Kraftwerke in MV : Bundeswehr legt Windräder unter Beschuss

vom

Die Bundeswehr legt die Energiewende in MV unter Zwischenfeuer: Sie lehnt jeden zweiten Windkraftanlagen-Neubau ab. Der Grund: Die Windräder stören die Radarsysteme der Militärflughäfen in Laage und Trollenhagen.

svz.de von
erstellt am 29.Okt.2012 | 06:40 Uhr

Schwerin | Wirrwarr im Energieressort: Beim Aufbau neuer Windkraftanlagen in Mecklenburg-Vorpommern erfährt ausgerechnet der für die Energiewende zuständige Minister Volker Schlotmann (SPD) Widerstand aus dem eigenen Haus. So haben seine Beamten aus der ebenfalls zum Ressort zählenden Luftfahrtbehörde Einwände gegen den Bau von neun Windkraftanlagen in den zuvor ausgewiesenen Windeignungsgebieten Glasewitz I und II nahe Güstrow erhoben. Sie sahen die Flugsicherheit und Radarbetriebe rund um den nahen Flugplatz Rostock-Laage beeinträchtigt. Dem Bau sei nur unter Auflagen zugestimmt worden, bestätigte ein Ministeriumssprecher. So müssen reflexionsarme Rotorblätter verwendet werden.

Auch Bundeswehr legt die Energiewende in MV unter Zwischenfeuer: So hat die Truppe jetzt den Bau von jeder zweiten der derzeit landesweit geplanten etwa 80 neuen Windkraftanlagen abgelehnt. Der Grund: Die teilweise mehr als 100 Meter hohen Windkraftwerke störten die Radarsysteme der Militärflughäfen in Laage und Trollenhagen bei Neubrandenburg. In aktuell laufenden immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren wurden durch militärische oder zivile Luftfahrtbehörden insgesamt 43 Windenergieanlagen abgelehnt bzw. mit Einschränkungen zugestimmt, teilte das zuständige Wirtschaftministerium gestern mit. Das betrifft Anlagen in insgesamt 9 Windenergie-Eignungsgebieten - in Iven-Spantekow, Kurzen Trechow, Mistorf, Jördensdorf, Breesen/Teetzleben, Groß Miltzow, Siedenbrünzow-Kletzin und Altentreptow Ost. Am stärksten betroffen: ein Windpark in Groß Miltzow östlich von Neubrandenburg. Dort hat die Bundeswehr gleich acht der neun geplanten Windkraftanlagen abgelehnt.

Mit den von den Militärs gestoppten Anlagen gingen dem Land in zuvor ausgewiesenen Eignungsgebieten Anlagen mit einer Leistung von 120 Megawatt verloren - fast ein Zehntel der bisher installierten Leistung von 1700 Megawatt, sagte Johann-Georg Jaeger, energiepolitischer Sprecher der Landtagsfraktion Bündnis 90/Grüne, gestern. Das verwundert: Die Bundeswehr "schießt die Windkraft in Eignungsgebieten raus", in denen von Raumplanern zuvor beispielsweise Naturschutzbelange und Auswirkung auf die Wohnbebauung berücksichtigt worden waren. Die Bundeswehr war gestern zu keiner Stellungsnahme bereit. Das Energieministerium wies alle Kritik zurück. Die Eignungsgebiete seien von den regionalen Planungsverbänden ausgewiesen worden, sagte Ministeriumssprecher Steffen Wehner. Die Auswirkungen auf die Flugsicherheit seien erst Bestandteil des Genehmigungsverfahrens für die einzelnen Anlagen, nicht aber schon der Raumplanung.

Herber Rückschlag: Energieminister Schlotmann hatte erst zu Jahresbeginn angekündigt, die Kriterien für Windeignungsgebiete zu vereinfachen, flexible Abstandsregelungen einzuführen und Mindestgrößen für Windparks abzusenken, um zusätzliche Flächen für Windkraftwerke auszuweisen. In den kommenden Jahren sollen die Flächen für den Bau von Windkraftanlagen verdoppelt werden, von derzeit 0,75 auf 1,5 Prozent der Landesfläche, hatte er erklärt. Bislang sind dafür 13500 Hek tar in MV vorgesehen.

Rückendeckung erhielt Schlotmann aus der eigenen Partei: SPD-Fraktionschef Norbert Nieszery schob die Verantwortung für das Planungsdilemma an die Bundesregierung und sah vor allem in Berlin Regelungsbedarf. Der Einspruch der Wehrbereichsverwaltung Nord zeige exemplarisch, wie notwendig eine bessere Planung und Abstimmung beim Ausbau der erneuerbaren Energien sei, sagte er. "Die angeführten Beeinträchtigungen für den militärischen Flugverkehr durch die Windenergie-Rotoren sind ein in mehreren Bundesländern auftretendes Problem, für das wir eine bundesweite Lösung brauchen. Dafür muss von der Bundesregierung eine grundsätzliche, rechtssichere Regelung erarbeitet werden."

Grünen-Energieexperte Jaeger sah vielmehr Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) in der Pflicht. Er müsse mit der Bundeswehr ins Gespräch kommen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen