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Bundesdurchschnitt : Bufdis in MV werden immer älter

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Bundesfreiwilligendienst ist vor allem bei 51- bis 65-Jährigen beliebt. Zwei Mecklenburger teilen ihre Erfahrungen

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erstellt am 20.Jul.2017 | 06:25 Uhr

Sie sind Betreuer, Naturschützer, Kultur-Förderer oder Integrationshelfer – die Liste möglicher Aufgaben für Bundesfreiwilligendienstleister (BFD) ist lang. Nicht nur Jugendliche sollen sich einbringen. Anders als das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) richtet sich der BFD schließlich auch an Interessierte, die älter als 27 Jahre sind. In Mecklenburg-Vorpommern greift das Konzept: Die meisten Bufdis – wie die Freiwilligen auch genannt werden – sind hierzulande laut dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) zwischen 51 und 65 Jahre alt – und sind damit älter als der Bundesdurchschnitt: Deutschlandweit sind es in der Regel Unter-27-Jährige, die den Bundesfreiwilligendienst antreten. Ein Anbieter der begehrten Stellen ist der Paritätische Wohlfahrtsverband MV. „Während Schüler das FSJ vor allem zur beruflichen Orientierung nutzen, um die Wartezeit auf ein Studium sinnvoll zu überbrücken, wird der Bundesfreiwilligendienst dagegen von Älteren bevorzugt, die sich beruflich verändern wollen oder den Weg aus der Arbeitslosigkeit suchen“, weiß Stephanie Böskens vom Paritätischen. Insgesamt 60 Stellen stehen den Bewerbern landesweit bei Mitgliedsorganisationen des Verbandes für einen BFD zur Verfügung, zum Beispiel in Kindertagesstätten, Schulen und Horten oder in Wohnheimen und Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. „Die meisten Einsatzstellen sind im sozialen Bereich“, bestätigt BAFzA-Sprecherin Antje Mäder.

Mecklenburger erzählen von ihren Erfahrungen

Der Bundesfreiwilligendiens gibt Jennifer Langer die Chance, sich beruflich umzuorientieren –  schon jetzt weiß sie, dass sie auch weiter mit Behinderten arbeiten will.

 

Weil die Gesundheit nicht mehr mitspielte, musste Holger Hermann seinen Job aufgeben. Als Bufdi fand er eine neue Aufgabe.

 

Derzeit gibt es in Deutschland mehr als 39 000 Bufdis, von denen knapp 1500 in MV arbeiten. Im September startet der neue Jahrgang. „Die Freiwilligen leisten praktische Hilfstätigkeiten in gemeinnützigen Einsatzstellen und unterstützen mit ihrem Engagement Menschen und Organisationen, die auf Hilfe angewiesen sind.“

Der BFD wurde mit Aussetzen der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes im Juli 2011 unter dem Motto „Nichts erfüllt mehr, als gebraucht zu werden“ eingeführt. Inzwischen dürfen auch Flüchtlinge einen Freiwilligendienst ableisten – auch im Sinne der Integration und der Orientierung von Asylbewerbern und Asylberechtigten in Deutschland. „Die Bundesfreiwilligen profitieren, weil sie einen großen Sprung in ihrer Persönlichkeitsentwicklung machen. Für Ältere ist der BFD eine Möglichkeit, Erfahrungen weiterzugeben und an gesellschaftlichen Entwicklungen teilzunehmen. Die Einsatzstellen profitieren, weil sie tatkräftige freiwillige Unterstützung erhalten und die Helfer gleichzeitig für soziale Berufe gewinnen können“, wirbt Mäder.

Bundesfreiwilligendienst
Jeder, der seine Pflichtschulzeit absolviert hat, kann Bundesfreiwilligendienst (BFD) machen: Junge Menschen nach der Schule, Menschen in mittleren Jahren und Seniorinnen und Senioren. Alter, Geschlecht, Nationalität oder die Art des Schulabschlusses spielen dabei keine Rolle. Die Regeldauer sind 12 Monate. Man kann den Dienst aber auch auf 6 Monate verkürzen oder auf 18 Monate verlängern, maximal möglich sind 24 Monate Dienstdauer. Menschen, die älter als 27 Jahre sind, können auch in Teilzeit (mehr als 20 Stunden pro Woche) tätig werden. Die Einsatzbereiche sind vielfältig: Soziales (Kinder- und Jugendhilfe, Jugendarbeit, Wohlfahrts-, Gesundheits- und Altenpflege, Behindertenhilfe), Umwelt- und Naturschutz, Sport, Integration, Kultur- und Denkmalpflege, Bildung, Zivil- und Katastrophenschutz. Alle Freiwilligen erhalten einen Freiwilligenausweis. Damit soll es ihnen erleichtert werden, ihnen gewährte Vergünstigungen wie ermäßigte Fahrkarten oder Ermäßigungen im Museum auch tatsächlich zu erhalten. Allerdings wird damit kein Anspruch begründet. Eine Fachkraft betreut den Freiwilligen in der Einsatzstelle. Alle Freiwilligen erhalten kostenlose Seminare. Die Einsatzstellen entscheiden, wie hoch das Taschengeld ausfällt. Die Höchstgrenze liegt bei 381,00 Euro. Berufskleidung, Unterkunft und Verpflegung können gestellt oder die Kosten ersetzt werden. Bei den Sozialversicherungen ist der Bundesfreiwilligendienst einem Ausbildungsverhältnis gleichgestellt. Die Beiträge für Renten-, Unfall-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zahlt die Einsatzstelle. Nach Abschluss des BFD erhalten die Freiwilligen ein qualifiziertes Zeugnis.
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