Interview-Streit Hiddensee : Bürgermeister soll sich entschuldigen

Sozialministerin Manuela Schwesig und Bürgermeister Thomas Gens
Sozialministerin Manuela Schwesig und Bürgermeister Thomas Gens

Hiddensees Bürgermeister, Thomas Gens, lässt kein Fettnäpfchen aus. In seinem bizarren Streit mit einer 16-jährigen Schülerzeitungsredakteurin hat sich jetzt Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) eingeschaltet.

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10. Januar 2013, 08:30 Uhr

Schwerin/Bergen | Hiddensees Bürgermeister, Thomas Gens, lässt kein Fettnäpfchen aus. In seinem bizarren Streit mit einer 16-jährigen Schülerzeitungsredakteurin hat sich jetzt Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) eingeschaltet. Sie fordert den 42-jährigen Kommunalpolitiker auf, sich bei der Schülerin zu entschuldigen. In einem Brief der Ministerin an Gens, der unserer Redaktion vorliegt, schreibt sie: "Ich bin entsetzt darüber, in welcher Art und Weise sie auf die Schülerredakteurin Druck ausgeübt haben."

Die SPD-Politikerin verweist in dem Schreiben darauf, dass sie als Sozialministerin für die Belange junger Menschen im Land zuständig ist. In dem Brief heißt es weiter: "Ich erwarte von Ihnen als Bürgermeister, dass Sie sich bei der betroffenen Schülerredakteurin entschuldigen und in Zukunft alles tun, dass in der Inselschule Hiddensee ein Klima entstehen kann, dass der freien Entfaltung junger Menschen förderlich ist."

Thomas Gens bezeichnete auf Anfrage unserer Redaktion den Brief der Ministerin als "anmaßend" und als eine "Unverschämtheit". Als Landespolitikerin habe Frau Schwesig sich nicht in kommunale Angelegenheiten einzumischen. Außerdem sei sie Ende des vergangenen Jahres privat auf der Insel Hiddensee gewesen und hätte das Gespräch mit ihm suchen und sich informieren können, so Gens. Zu seinem Streit mit der Schülerredakteurin wollte der Bürgermeister allerdings gegenüber unserer Redaktion nichts sagen: "Kein Kommentar."

Dabei wollte Elisa Skott, die Chefredakteurin der Schülerzeitung "Inselgörn" und Schülerin der 10. Klasse der Inselschule Hiddensee ist, von ihrem Bürgermeister unter anderem nur wissen, was an den Stasivorwürfen gegen ihn dran ist, und warum er einen Brief gegen Rechtsextremismus nicht unterschrieben habe. Im Interview, das eine Stunde dauerte, erzählte Gens auch vom Hubschrauberlandeplatz und anderen Vorhaben auf der Insel. Anschließend tat Elisa das, was andere Journalisten an ihrer Stelle auch getan hätten: Sie wählte die für sie interessantesten Fragen und Antworten aus, und das waren die zu den Themen Stasi und Rechtsextremismus.

Der Bürgermeister kochte nach der Veröffentlichung seines Interviews in den "Inselgörn" (Auflage 50 Stück) vor Wut. Er schrieb einen gepfefferten Brief, der an die Schulleitung und an Elisa adressiert ist. In dem Schreiben, das eine Bürgerinitiative auf Hiddensee inzwischen ins Internet gestellt hat, warf Gens der Schülerin vor, dass sie "Fragen und Antworten eigenmächtig" und ohne Absprache mit ihm ausgewählt habe. Zum Hubschrauberlandeplatz sei nichts veröffentlicht worden. Er drohte im Brief Elisa zudem mit Geldforderungen, weil sie ein Bild von ihm aus dem Internet verwendet hatte.

Gens behauptet im Schreiben weiter, das Interview sei nicht von ihm autorisiert gewesen. Die Schülerin sagt das Gegenteil. Nach dem Brief eskalierte der Streit. Das Elternpaar stellte Strafanzeige gegen den Bürgermeister, der wiederum gegen den Stiefvater. Nach andauernden gegenseitigen Beschimpfungen bekamen die Eltern von bislang Unbekannten schlimme Drohungen am Telefon. Die Gräben, die die Bevölkerung von Hiddensee ohnehin seit Jahren spalten, sind mit der Affäre noch tiefer geworden.

Thomas Gens ist kein unbeschriebenes Blatt. Im September 2011 kandidierte er als Direktkandidat der CDU für den Schweriner Landtag. Dabei kam heraus, dass er zwischen 1998 und 2001 Mitglied der rechtsextremen DVU gewesen war. CDU-Landesvorsitzender und Spitzenkandidat Lorenz Caffier fiel aus allen Wolken. Gens wurde aus der Partei ausgeschlossen.

Darüber hinaus soll er vor der Wahl zum Bürgermeister falsche Angaben über eine mögliche Stasi-Verstrickung gemacht haben. Als 18-Jähriger habe er als IM "Dietmar Lehmann" für den Geheimdienst gearbeitet. Im Interview mit Elisa bestreitet er die Vorwürfe.

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