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Westmecklenburg : Bürger-Windpark bringt Geld in Dorfkasse

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Land stimmt in Westmecklenburg 15 Anlagen außerhalb von Eignungsgebieten zu

svz.de von
erstellt am 06.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Planungsfortschritt im Windfeld: Der erste Kommunalwindpark mit Bürgerbeteiligung in MV kommt – allerdings kleiner als ursprünglich geplant und mit einem Jahr Verzug. Das Energieministerium hat in einem Zielabweichungs- und einem Raumordnungsverfahren das Windgebiet zwischen Alt Zachun, Bandenitz, Holthusen und Sülstorf in Westmecklenburg bestätigt, teilte Energieminister Christian Pegel (SPD) gestern in Schwerin mit. Damit sei der Planungsraum für 15 statt bis 19 Windrädern außerhalb der bisher dafür vorgesehenen Eignungsgebiete geschaffen. Zusammen mit den umliegenden Gemeinden wollen der Schweriner Windparkentwickler Naturwind und die Wemag-Tochter Mea Energieagentur MV noch in diesem Jahr in einem ersten Bauabschnitt nahe Bandenitz die ersten acht Anlagen errichten, kündigte Naturwind-Chef Bernd Jeske gestern an. In den kommenden Wochen folgten noch weitere Untersuchungen innerhalb der Baugenehmigungs- und Bundesimmissionsschutzverfahren. Durch die umfangreichen Vorplanungen könne aber mit einer zügigen Entscheidung gerechnet werden. Im Dezember könnte die ersten Kraftwerke ans Netz gehen.

Der Windpark ist der erste in MV, an dem sich Gemeinden und Bürger mit bis zu 25 Prozent beteiligen und in den nächsten zwei Jahrzehnten Einnahmen in Millionenhöhe erwarten können. Mit dem Projekt „stellen wir erstmals sicher, das vom Gewinn aus den erneuerbaren Energien ein großer Teil in den Gemeinden bleibt, in deren Gebiet die Windenergieanlagen stehen“, sagte Jeske. Das lässt die Kassen klingeln: Nach den Ertragsrechnungen kann jede der beteiligten Gemeinden in 20 Jahren mit Einnahmen aus der Beteiligung von 1,15 Millionen Euro und weiteren Zahlungen aus Pachten von 600 000 Euro rechnen. Zudem könnten sich Einwohner über die Norddeutsche Energiegemeinschaft (NEG) mit Anteilen zwischen mindestens 500 und höchstens 100 000 Euro beteiligen, erklärte Wemag-Vorstand Thomas Pätzold. Wemag-Kunden solle zudem ein Strompreisvorteil von 80 Euro je Jahr und Haushalt gewährt werden. Interesse scheint es zu geben – am meisten von 50- bis 60Jährigen, die etwas für ihre Altersversorgung tun wollten, so Jeske. Holthusen habe sich bislang zwar gegen eine Beteiligung entschieden. Bis Ende Februar könne die Gemeinde aber entscheiden, ob sie nicht doch mit einsteigen wolle, meinte Jeske.

Trotz der Gewinnaussichten für die Gemeindekasse: Die neuen Windmühlen sind umstritten. 200 Meter hoch, 1000 Meter dicht an den Wohnhäusern – die Beeinträchtigungen seien nicht akzeptabel, wehrte sich die Bürgerinitiative in einem offenen Brief an Energieminister Pegel gegen das Projekt und forderte größere Abstände und angemessene Entschädigungen. Mehr als 100 Einwendungen habe es in den vergangenen Monaten gegeben. Die meisten Anwohner hätten Beeinträchtigungen des Naturschutzes und der Sicht sowie Belästigungen durch blinkende Warnleuchten auf den 140 Meter Windrädern (Nabenhöhe) befürchtet. In einem Gebiet nahe Alt Zachun/Holthusen, in dem der Rotmilan beheimatet ist, sei der Bau von vier Windrädern wegen naturschutzrechtlichen Vorbehalten abgelehnt worden, teilte Pegel mit. Trotz der Einwände bleibe es bei den Mindestabstand von 1000 Metern zwischen Windrad und Wohnbebauung, sagte Jeske.

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