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Asbestschlamm nach Selmsdorf : Bürger sind wütend auf Regierung

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Ab nächster Woche sollen von Hannover-Wunstorf aus täglich bis zu 40 Lkw mit Asbestmüll nach Selmsdorf rollen. Es ist der größte Sondermülltransport, den es je in Deutschland gegeben hat. Bürger protestieren.

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erstellt am 02.Nov.2011 | 10:41 Uhr

Selmsdorf | Mitglieder der Bürgerinitiative "Stoppt die Deponie Schönberg" und des BUND wollen am Freitag ab 15 Uhr vor der Staatskanzlei in Schwerin demonstrieren. Grund sind die geplanten Asbesttransporte von Niedersachsen auf die größte Sondermülldeponie Europas nach Selmsdorf. Die Vorsitzende des BUND im Land, Corinna Cwielag, hält die Transporte für zu gefährlich. Sie fordert von der Landesregierung Aufklärung. So lange es nicht genügend Informationen über die Gesundheitsgefahren gebe, dürften keine Asbesttransporte stattfinden, so Cwielag. Sie warf der Deponieleitung und der Landesregierung vor, ihre Verantwortung für die Gesundheit der Anwohner in Selmsdorf und Schönberg nicht wahrzunehmen.

Haat-Hedlef Uildercks von der Bürgerinitiative sagte, es gebe mehrere Experten, die darauf verwiesen, dass die Transporte mit Asbestschlamm zu gefährlich seien, weil dabei Asbestfasern freigesetzt werden könnten. Einer von ihnen ist der Kieler Toxikologe Dr. Hermann Kruse. Er hatte bei einer Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative am Dienstag vor möglichen Gesundheitsgefahren gewarnt. Asbestfasern seien hochgiftig und könnten Tumore an der Lunge und im Rippenfell hervorrufen, und zu Asbestose führen.

Ab nächster Woche sollen von Hannover-Wunstorf aus täglich bis zu 40 Lkw mit Asbestmüll nach Selmsdorf rollen. Es ist der größte Sondermülltransport, den es je in Deutschland gegeben hat. Bürger sind beunruhigt. Experten wie der Kieler Toxikologe Dr. Hermann Kruse fordern eine Umweltverträglichkeitsprüfung. "Sie alle haben ein Anrecht darauf, zu erfahren, wie hoch das Risiko ist, dass sie hinnehmen müssen durch die Asbestfasern", sagte Kruse während einer Infoveranstaltung in Selmsdorf. Bei einer Umweltverträglichkeitsprüfung können Anwohner, Verbände und Bürgerinitiativen die geplanten Transporte durch Spezialisten prüfen lassen. Bislang seien die Betreiber der Deponie allerdings nicht daran interessiert, die Öffentlichkeit zu informieren, kritisierte die Vorsitzende des BUND im Land, Corinna Cwielag.

Deponiechef Berend Krüger reagierte während der Infoveranstaltung und kündigte vor rund 100 Anwesenden an, die Einwohner in zwei Wochen selbst über die geplanten Asbesttransporte zu informieren. Beifall bekam er für diese Aussage nicht. Es gab Zwischenrufe und Kopfschütteln. Bürger beschimpften den Deponiechef, verliehen ihrem Unmut über die geplanten Transporte Ausdruck. Ein Einwohner sagte: "Nach dem, was sie heute von Herrn Dr. Kruse gehört haben, sollten sie die Transporte stoppen. Nur wenn sie das tun, sind sie glaubwürdig."

Haat-Hedlef Uildercks hatte die Informationsveranstaltung moderiert. Er hofft auf die "Vernunft der Politiker in der Landesregierung, dass sie einsehen, dass die Transporte zu gefährlich sind." Uwe Lembcke, der Vorsitzende der Bürgerinitiative, kritisierte vor allem die Preise des Asbesttransportes: "Die Deponie Ihlenberg bietet sich an, biedert sich an für Dumpingpreise, diesen Müll anzunehmen. Für etwa 20 Euro die Tonne. Das ist billiger als zu DDR-Zeiten. Das ist eine Schande. Das ist Verrat." Deponiechef Krüger widersprach Lembcke und sagte: "20 Euro pro Tonne ist dummes Zeug."

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