Großforschungsprojekt Hicare an der Ostseeküste : Bündnis gegen Keime im Krankenhaus

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400.000 bis 600.000 Menschen infizieren sich jährlich mit multiresistenten Erregern, die auf Antibiotika nicht mehr ansprechen. 10.000 bis 15.000 Patiernten sterben daran. Ein Drittel der Infektionen wäre vermeidbar.

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21. Mai 2013, 07:59 Uhr

Schwerin/Rostock | 400 000 bis 600 000 Menschen infizieren sich in Deutschland jährlich mit multiresistenten Erregern, die auf Antibiotika nicht mehr ansprechen. 10 000 bis 15 000 Patiernten sterben sogar daran. Ein Drittel dieser Infektionen wäre vermeidbar. Krankenhäuser entlang der Ostseeküste in MV sagen zusammen mit der Techniker Krankenkasse jetzt den gefährlichen Keimen den Kampf an. Zentrale Ansatzpunkte sind ausreichendes Hygienepersonal und die Finanzierung.

Mehr als 40 Partner - darunter 16 Krankenhäuser und Reha-Kliniken, die Universitätskliniken in Rostock und Greifswald, regionale Ärztenetze sowie Medizintechnikunternehmen - arbeiten in dem epidemiologischen Großforschungsprojekt Hicare daran, die Ausbreitung der gefährlichen Keime zu stoppen. Gelingen soll dies mit effektiven Interventionsstrategien, einheitlichen Hygienestandards sowie durch Produkt- und Prozessinnovationen. Die Techniker Krankenkasse (TK) will jetzt im Rahmen dieses Projekts erstmals einen integrierten Versorgungsvertrag mit einem Krankenhaus abschließen. "Mitte des Jahres soll dieser Vertrag mit der Rostocker Universitätshautklinik in Kraft treten", so TK-Sprecher Kevin Nowotka. Dann wird es in der Klinik eine Aufnahmeuntersuchung für Risikopatienten geben, Infizierte werden isoliert und ihre Behandlung standardisiert. Den damit verbundenen Mehraufwand erstattet die Kasse.

Unbedachter Umgang mit Antibiotika sowie mangelhafte Hygiene fördern die Ausbreitung der gefährlichen Krankenhauskeime. Kampagnen wie die bundesweite "Aktion saubere Hände" sollen zur Vermeidung von Infektionen beitragen. Gegenwärtig nehmen nach TK-Angaben jedoch nur 14 von 39 Krankenhäusern in MV an der Aktion zur konsequenten Einhaltung der Hygienemaßnahmen teil. Zudem fehlt es vielerorts an Anleitung und Kontrollen. "Eine schriftliche Befragung hat ergeben, dass nur in drei der 32 Krankenhäuser im Land, die geantwortet haben, der Bedarf an Hygienefachpersonal gedeckt ist", so TK-Sprecher Nowotka. Zudem liege der Altersdurchschnitt des Hygienepersonals bereits über 50 Jahre.

Ein Problem, das auch der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft des Landes (KGMV), Wolfgang Gagzow, kennt - und das sich noch verschärfen dürfte. Denn "die Bundesregierung hat die rechtlichen Vorgaben in puncto Krankenhaushygiene gerade noch einmal verschärft". Zwar seien Zuschüsse für die Einstellung sowie Aus- und Weiterbildung von Hygienepersonal vorgesehen, "aber es gibt nicht genug Fachkräfte, der Markt ist leer", bedauert Gagzow. Deshalb müssten dringend mehr Hygieneärzte und -fachkräfte ausgebildet werden. Zudem sei es im Kampf gegen die gefährlichen Keime wichtig, dass die Krankenhäuser generell finanziell besser gestellt würden - Einzelverträge wie die der TK seien ein Anfang, aber kein Allheilmittel. Denn "ausgelaugtes, überlastetes Personal kann keine Wunder vollbringen", so Gagzow.

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