Fortbildung in den Ferien : Büffeln statt bräunen

In der richtigen Dosis ist Lernen während der Ferien sinnvoll.
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In der richtigen Dosis ist Lernen während der Ferien sinnvoll.

Von wegen Sommerzeit ist lernfreie Zeit: Viele Menschen in MV nutzen die Ferien für Nachhilfe und Fortbildung

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11. August 2016, 21:00 Uhr

Urlaubszeit ist lernfreie Zeit? Von wegen. Viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern nutzen ihren Urlaub, um sich fortzubilden. Allen voran Schüler und Studenten, die in ihren Ferien fleißig die Schulbank drücken. Das Angebot ist dabei sehr vielfältig.

Draußen scheint die Sonne, drinnen wird gelernt. Büffeln statt bräunen? Entspricht das dem Sinn von Ferien? Erholung müsste natürlich sein, dennoch empfiehlt der Bundesverband für Nachhilfe- und Nachmittagsschulen (VNN) Schülern die unterrichtsfreie Zeit sinnvoll zu nutzen. Dazu gehöre es, ohne Leistungsdruck Schulstoff zu wiederholen oder Neues zu lernen. „Die Sommerferien sind so lang, da bleibt noch genug Zeit zum Entspannen, auch wenn man mal ein oder zwei Stunden am Tag etwas lernt oder eine Woche lang eine Sommerschule besucht“, meint die Vorsitzende Dr. Cornelia Sussieck.

„Wir haben festgestellt, dass Ferienkurse für Schüler gezielter ausgewählt werden als früher“, so Sussieck. Das sei besonders dann der Fall, wenn ein Schulwechsel bevorstünde, das Kind eine Nachprüfung absolvieren oder durch Krankheit Schulstoff aufholen müsste. „Es ist ein bewussteres Wahrnehmen des Angebots festzustellen“, so Sussieck.

Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage in diesem Jahr, die die Internet-Lernplattform Scoyo in Auftrag gegeben hat, lernen 55 Prozent aller schulpflichtigen Kinder in den Ferien. Das hätte viele Vorteile, meint auch Thomas Momotow vom Studienkreis. Die Schüler könnten so beispielsweise ohne Druck Lücken schließen und nicht Verstandenes erarbeiten. „Wir haben während der großen Ferien geöffnet, weil der Bedarf vorhanden ist“, erklärt er.

Pädagogen würden seit jeher darüber klagen, dass ihre Schüler im Laufe der langen Ferien viele Unterrichtsinhalte vergessen. Studien haben das sogenannte Sommervergessen bestätigt. Wer sich sechs Wochen lang gar nicht mit einem Thema befasst, vergisst vieles wieder. Dies sei besonders in Mathematik stärker als in Sprachen und bei älteren Schülern größer als bei jüngeren.

Doch wer glaubt, nur Schüler würden den Sommer über lernen, der irrt. Auch an den Hochschulen im Land wird in den Semesterferien gepaukt. Die Universität Rostock beispielsweise bietet für neue Studenten einen extra Mathematikkurs an. „Dabei handelt es sich um das Angstfach Nummer eins“, so ein Sprecher. Der Kurs sei immer gut besucht.

Darüber hinaus finden an den Hochschulen im Land viele Workshops statt, die die Studenten teilweise selbst organisieren. So auch in Greifswald. „Natürlich finden sich Studierende auch selbst zusammen, um sich gemeinsam für die anstehenden Prüfungen fit zu machen“, sagt Uni-Sprecher Jan Meßerschmidt. Wichtig sei eine langfristige Vorbereitung auf die Prüfungsphase und den Prüfungsstress, betont Meßerschmidt: „Wer nicht systematisch lernt und Strategien entwickelt, wird es im Eilverfahren dann auch nicht schaffen, sich auf die Prüfung optimal vorzubereiten.“

Man lernt nie aus, ist auch die Devise vieler Lehrer im Land. An der diesjährigen Sommerakademie des Instituts für Qualitätsentwicklung (IQ M-V) Ende Juli nahmen mehr als 700 Pädagogen teil. Unter dem Motto: „Gut gerüstet für das neue Schuljahr“ fanden eine Reihe vom Fortbildungsveranstaltungen statt. Schwerpunkte waren Kommunikation und Interaktion, Unterrichtsgestaltung im inklusiven Schulsystem und Gesundheit im Lehrerberuf.

Doch wie motiviert man sich überhaupt zum Lernen, während die anderen den Sommer genießen. Der VNN empfiehlt, feste Zeiten zum Lernen einzurichten und es nicht zu übertreiben. Der Spaßfaktor sollte beim Lernen in den Ferien nicht zu kurz kommen. Wer in Gruppen lernt, ist außerdem oft motivierter.

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