Gesundheit MV : Brustkrebs: Neue Hürden bei Screening

Mithilfe der Mammografie kann Brustkrebs fürhzeitig erkannt werden.
Mithilfe der Mammografie kann Brustkrebs fürhzeitig erkannt werden.

Frauen müssen ab Juli mit Mehraufwand rechnen

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24. Juni 2016, 12:00 Uhr

Mediziner warnen davor, dass künftig die Teilnahmeraten am – ohnehin nicht unumstrittenen – Mammographie-Screening sinken werden. Anlass dafür sind eine geänderte Rechtslage und die neuen Einladungsschreiben, die seit Montag verschickt werden. Auf zwei Seiten statt bisher einer erfahren Frauen zwischen 50 und 69 Jahren Näheres zur Brustkrebs-Früherkennung und zu Neuregelungen ab 1. Juli.

„An der eigentlichen Untersuchung ändert sich gar nichts“, betont Dr. Birgit Beese, die Programmverantwortliche Ärztin für die Screening-Einheit Schwerin, zu der auch Standorte in Parchim, Ludwigslust und Wismar gehören. „Allerdings ist als Konsequenz aus dem Patientenrechtegesetz künftig ein persönliches Aufklärungsgespräch durch einen Arzt des Mammographie-Programms vorgeschrieben.“ Bislang gebe es solch ein Gespräch nur bei Frauen, bei denen es bereits Hinweise auf krankhafte Veränderungen in der Brust gibt.

Schon im Einladungsschreiben werden Frauen jetzt auf ihr Recht auf persönliche Aufklärung hingewiesen – und darauf, dass sie schriftlich den Verzicht darauf erklären können. „Allerdings ist das neue Einladungsschreiben so formuliert, dass es bei Frauen mehr Fragen offen lässt als beantwortet“, ist sich Beese mit anderen Ärzten im Programm einig.

Wer ein Aufklärungsgespräch wünscht, muss sich an die beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung angesiedelte Zentrale Stelle wenden, die die Einladungen zum Screening verschickt und die Termine koordiniert. „Die Frauen bekommen dann von uns einen gesonderten Termin fürs Aufklärungsgespräch“, erläutert Sigried Gierich, die Leiterin der für ganz MV zuständigen Zentralen Stelle in Schwerin. Welcher Aufwand allerdings auf ihr Team zukommt, weiß sie noch nicht abzuschätzen. Im Jahr 2015 habe die Zentrale Stelle landesweit ca. 121 500 Einladungen versandt. „Daraufhin erhielten wir 53 011 Anrufe, davon 37 986 wegen Terminverschiebungen“, so Gierich.

Birgit Beese fürchtet, dass viele Frauen künftig wegen des doppelten Aufwandes sowohl auf die Aufklärung als auch auf die Vorsorgeuntersuchung verzichten werden. Dazu kommt, dass in den Praxen, die mit dem Screening-Programm kooperieren, nur begrenzt Zeit für die zusätzlichen Aufklärungsgespräche frei ist. Denn die beteiligten Mediziner bieten die Vorsorgeuntersuchungen nur stunden- oder tageweise an, ansonsten führen sie normale Praxen oder sind als angestellte Klinikärzte tätig.
Bisher nutzen im Bereich der Screening-Einheit Schwerin 65 Prozent der eingeladenen Frauen die Vorsorgeuntersuchung. „Damit liegen wir deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 54 Prozent“, so Birgit Beese. „Künftig könnte sich diese Zahl deutlich verringern“, fürchtet sie.

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