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384 Millionen Euro für MV : Brüssel sichert Agrar-Riesen Millioneneinnahmen

vom

Die Landwirte in MV können weiter mit jährlich hunderten Millionen Euro Einnahmen aus der EU-Kasse rechnen. Die EU-Staaten und das Europaparlament einigten sich auf die Verteilung der Agrarsubventionen.

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erstellt am 25.Sep.2013 | 07:32 Uhr

Schwerin | Klingelnde Kassen auf dem Bauernhof: Die Landwirte in MV können weiter mit jährlich hunderten Millionen Euro Einnahmen aus der EU-Kasse rechnen. Die EU-Staaten und das Europaparlament haben sich nach monatelangem Gezerre um die EU-Agrarreform in der Nacht zum Mittwoch auf die Verteilung der Agrarsubventionen in den kommenden Jahren geeinigt. Danach können die Bauern in MV künftig voraussichtlich mit 384 Millionen Euro an Betriebsprämien rechnen - etwa 16 Millionen Euro weniger als bisher. Die Brüsseler Einigung sieht zwar vor, dass große Höfe künftig weniger Geld bekommen sollen. Großbetriebe müssen mit Kürzungen von mindestens fünf Prozent bei Direktzahlungen von mehr als 150 000 Euro oder mehr pro Jahr rechnen - aber nicht in Deutschland. Berlin hat für die Landwirte zwischen Rügen und Bodensee ein Extramodell durchgesetzt. Statt bei den Großen zu kürzen, sollen alle Höfe für die ersten 46 Hektar eine Zusatzförderung von 40 Euro je Hektar erhalten. Damit bekommen die Bauern in MV weitere 4,5 Millionen Euro überwiesen.

Ein tragbarer Kompromiss, hieß es gestern in Schwerin. "Das bedeutet für Mecklenburg-Vorpommern zwar einen Nettoverlust von 16 Millionen Euro pro Jahr, die zur Stärkung kleinerer Betriebe in die west- und süddeutschen Länder fließen", erklärte Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Damit werde aber die Degression von Direktzahlungen über 150 000 Euro verhindert. Davon wären in MV 968 Betriebe betroffen gewesen. "Damit müssen wir leben", meinte Bauernpräsident Rainer Tietböhl gestern. Schlimmeres sei verhindert worden.

Die von Brüssel gewährten Direktzahlungen sind für die Bauern eine wichtige Einnahmequelle. In einigen Betrieben machen sie die Hälfte der Einnahmen aus. In MV erhielten 2012 allein acht Betriebe mehr als eine Million Euro aus den Agrarförderfonds der EU, geht aus der Subventionsliste der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hervor. In einem Fall flossen sogar 2,35 Millionen Euro - an die Agrar Produkte Genossenschaft in Spornitz. Damit wirtschaften fast zehn Prozent aller Beihilfe-Millionäre in Deutschland im Nordosten. Während sich die großen Agrarbetriebe auf Druck der Bauernlobby diese Millionen-Einnahmen gesichert haben, löste die Einigung bei den kleineren Agrarbetrieben Frust aus. "Die, die viel besitzen, bekommen auch weiter viel", kritisierte Helmut Brecht, Landessprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Kleinere Bauernhöfe hätten erneut das Nachsehen. Stattdessen sichere die Bundesregierung "Bodenspekulanten und industriellen Kapitalanlegern Steuergelder in Millionenhöhe, und zwar ohne jegliche Begrenzung nach oben", hatte AbL-Vorsitzender Bernd Voß die Beihilfe-Pläne bereits im Vorfeld abgelehnt.

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