Spiel- und Drogensucht soll zwei Gastwirte aus MV getrieben haben : Brüder beim 19. Überfall geschnappt

<strong>Die Türen</strong> <strong>des Landgasthofs in Carwitz</strong> sind verschlossen. <foto>Marlies Steffen </foto>
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Die Türen des Landgasthofs in Carwitz sind verschlossen. Marlies Steffen

Tagsüber Gaststättenbetreiber in Mecklenburg-Vorpommern, abends Bankräuber in Berlin und Brandenburg: 18 Überfälle gehen auf das Konto zweier Brüder. Die Polizei hat sie nun erwischt und festgenommen.

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05. März 2013, 08:25 Uhr

Carwitz/Berlin | Tagsüber Gaststättenbetreiber in MV, abends Bankräuber in Berlin und Brandenburg: 18 Überfälle gehen auf das Konto zweier Brüder. Die Polizei hat sie nun erwischt und festgenommen. Die Türen des Landgasthofs in Carwitz bei Feldberg (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) sind verschlossen, der Aushang für die Speisekarte leer - womöglich für immer. In dem beschaulichen Dorf führten die beiden Inhaber, Frank (52) und Ralf L. (49), ein braves Wirts-Leben. Tatsächlich überfielen sie jahrelang Banken in Berlin und Brandenburg. Das Motiv: Spiel- und Drogensucht.

Erst der 19. Überfall am vergangenen Freitag ging schief. Eine Filiale in Niederschönhausen wurde den zwei Brüdern zum Verhängnis. Die Polizei war nach intensiven Ermittlungen den gebürtigen Berlinern auf die Spur gekommen. Sie wurden von Zivilpolizisten observiert. Gegen 18.45 Uhr überwältigten SEK-Polizisten einen Täter vor der Postbank. Sein Bruder wurde in einem nahe gelegenen Park gestellt.

"Wir haben sie auf frischer Tat geschnappt", sagte Berlins Oberstaatsanwalt, Martin Steltner. Nun ist Schluss mit dem Doppelleben. Sie seien geständig. Gegenwärtig prüft das Landeskriminalamt MV, ob es Übereinstimmungen mit Fällen auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt. "Noch haben wir keinen Treffer", sagte LKA-Sprecher Michael Schuldt. Man kontrolliere aber alle Fälle.

18 Mal zog das Duo seit 2006 los, bedrohte Bank-Angestellte mit Messer und Pistole, sagte ein Sprecher der Polizei gestern. Immer waren es Postbankfilialen. Inzwischen sind Haftbefehle ergangen. Damit ist die größte Bankraubserie der vergangenen 20 Jahre in der Region zu Ende.

Die Überfälle - 15 in Berlin und drei in Brandenburg - geschahen immer nach derselben Masche: Mal als Handwerker, mal als Reinigungskraft verkleidet, ließen sie sich die Türen öffnen, bestätigte die Staatsanwaltschaft. In einem Fall hätten die Männer sogar eine Bankfassade in Neukölln mit einem Graffiti beschmiert, um am nächsten Tag als Reinigungsfirma zu erscheinen. Die Mitarbeiter der Bank wurden nicht stutzig und ließen die beiden putzen. Allein bei dem Überfall erbeuteten die Brüder 100 000 Euro. Bei anderen Überfällen rückten die Täter kurz vor der Öffnung oder zum Feierabend an, bedrohten und fesselten die Angestellten. Anschließend ließen sie sich dann das Geld aushändigen. Die Beute: zusammen eine Million Euro, so Steltner. Vom Diebesgut soll so gut wie nichts mehr da sein - alles verspielt.

Im Dorf waren die beiden eher unauffällig. Nicht protzig. Doch so mancher dachte sich schon, dass die beiden keine unbeschriebenen Blätter waren. Doch diese Dimensionen hatte keiner erahnt. So war von einem Berlin-Verbot schon zu DDR-Zeiten die Rede, deshalb seien sie einst auch in die Region gekommen. Aufgewachsen sind die Brüder im Stadtteil Prenzlauer Berg. Frank L. hat einen Sohn und lebt in Berlin. Bruder Ralf ist verheiratet und Vater von fünf Kinder. Er hat ein Haus bei Carwitz. Kontakte zur Dorfgemeinschaft habe es eher selten gegeben.

Der Landgasthof selbst sei häufig geschlossen und meist nur am Sonnabend zur Disko offen gewesen. Mehr als 40 Gäste habe man da aber meistens nicht gesehen. Mancher habe sich schon die Frage gestellt, wovon die denn überhaupt leben, hieß es. Jetzt sitzen die Brüder in der JVA Moabit und warten auf ihre Verhandlung.

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