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Tag der Landesgeschichte : Brückenzoll für die Festung Dömitz

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Aus der Onlineredaktion

Heute Tag der Landesgeschichte auf der Festung Dömitz. Historischer Bau stark sanierungsbedürftig

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erstellt am 21.Okt.2017 | 05:00 Uhr

„Wer Einlass wünscht, der zahlt Brückenzoll!“ Uwe Busacker und Manfred Seidig geben auf der Festung Dömitz den Ton an. Zumindest am Eingang, an der Zugbrücke, die über den Festungsgraben führt. Das Duo unterstützt mit weiteren ehrenamtlichen Akteuren die kulturhistorische Arbeit auf dem einzigen im norddeutschen Raum erhaltenen Festungsbau der Renaissance. Dabei gehört das Öffnen der Zugbrücke bei den Besuchern zu den Hauptattraktionen.

Allerdings bröckelt in einigen Teilen des Festungsbaus der Putz von den Wänden, muss das Kommandantenhaus geräumt werden. Grund: Starke Risse im Mauerwerk zwingen zum Handeln. „Die dortige Ausstellung befindet sich in Verlegung“, sagt Museumsleiter Jürgen Scharnweber. Folglich sei dieses Gebäude der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Festung als musealer Ort bleibe natürlich geöffnet. Scharnweber weiter: „In wenigen Wochen zeigen wir die Ausstellung im Gebäude der Hauptwache.“

Über die Zukunft des geschichtsträchtigen Bauwerks entscheidet ein in Arbeit befindliches Sanierungskonzept. Nach Angaben von Scharnweber sind Gelder für die Gebäudesicherung vorhanden. Aussagen über Sanierungskosten und Ausstellungsgestaltung werden mit Fertigstellung des Sanierungskonzeptes erwartet.

Sanierungsbedürftig: Das Kommandantenhaus der Festung ist für die Öffentlichkeit gesperrt.
Sanierungsbedürftig: Das Kommandantenhaus der Festung ist für die Öffentlichkeit gesperrt. Foto: Volker Bohlmann
 

Als Eigentümer kann die Stadt Dömitz die Leistung kaum alleine stemmen. Eine Finanzspritze aus dem Landeshaushalt scheint dringend erforderlich. So sieht es zumindest Museumschef Scharnweber: „Wir wünschen uns einen ähnlichen Stellenwert wie Schloss Bothmer und Granitz sie im Land genießen.“ Damit stehen die Akteure auf der Festung Dömitz nicht allein da. Erst am Donnerstag erwarb die Stadt Gadebusch ihr Schloss während einer Zwangsversteigerung. Es gilt als ehemalige Wirkungsstätte der Herzöge im Land.

Ob Schloss oder Festung: Dömitz hat in MV das Prädikat geschichtsträchtiger Ort und rückt nun mit dem heutigen Tag der Landesgeschichte in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit der Universität Rostock. Ein Forum, das sich in diesem Jahr mit dem Buchdruck und Bibliotheken befasst. „Wir befinden uns im Reformationsjahr und da spielt der Buchdruck eine gewichtige Rolle. Dömitz verfügte über eine Buchdruckerei“, sagt Prof. Dr. Ernst Münch von der Universität Rostock. Darüber hinaus gilt die Stadt an der Elbe als Geburtsort von Joachim Slüter (1490-1532), Sohn eines Fährmanns und späteren Reformator Mecklenburgs.

Münch moderiert am Sonnabend den öffentlichen Tag der Landesgeschichte. Experten aus dem Land rücken damit den Bau weiter ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Darauf freut sich Museumsleiter Scharnweber: „Dieser Bau ist einzigartig. Lediglich in Berlin Spandau gibt es ein ähnliches, aber längst nicht so im Detail erhaltenes Festungswerk.“ Ein Renaissancebau aus dem 16. Jahrhundert, der mit seinem italienischen Stil über Landesgrenzen ausstrahlt, wie Prof. Dr. Ernst Münch formuliert: „Die Festung ist ein Tor Mecklenburgs, erbaut von Herzog Albrecht I. von Mecklenburg. Er baute ebenso das Schloss Gadebusch, Schwerin und den Fürstenhof in Wismar.“

Eine Geschichte, auf die auch die Mitglieder der Festungswache mit Uwe Busacker und Manfred Seidig bauen. Sie hoffen u.a. auf eine Sanierung des Kommandantenhauses. Wenn nicht, bleibt der Elbstadt zumindest der Brückenzoll.  
 

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