Bruchmann: Sperrung geht an Existenz

<fettakgl>Reinhard Bruchmann, Betreiber</fettakgl> des Kanuferien-Camps in Weitendorf, gibt Thomas, Susanne und Isabell Kienast letzte Tipps für die Tour von Weitendorf nach Zaschendorf mit auf den Weg. Foto: Roswitha Spöhr
Reinhard Bruchmann, Betreiber des Kanuferien-Camps in Weitendorf, gibt Thomas, Susanne und Isabell Kienast letzte Tipps für die Tour von Weitendorf nach Zaschendorf mit auf den Weg. Foto: Roswitha Spöhr

svz.de von
27. Juli 2012, 10:27 Uhr

Weitendorf | "Der Weg ist das Ziel", gibt Reinhard Bruchmann vom Kanu ferien-Camp Weitendorf Familie Kienast noch einen letzten Tipp, bevor er die Wasserwanderer auf ihre Fahrt nach Zaschendorf entlässt. Ratschläge zum Verhalten auf dem Wasser und im Kanu gab es zuvor und für die erst achtjährige Isabell natürlich auch eine Schwimmweste. "Den ganzen Tag nur in der Sonne sitzen, macht auch keinen Spaß", sagt ihre Mutter Susanne Kienast. Die Kanutour wollen die Retgendorfer wegen der Tochter unternehmen und haben deshalb auch bewusst eine kürzere Strecke ausgewählt.

Einen so kurzen Abschnitt auf der Warnow zu fahren wie gestern Familie Kienast, ist eher die Ausnahme. "Die Leute kommen wegen des Warnowdurchbruchtals. Und das ist jetzt auch noch gesperrt worden. Ich habe bereits erste Stornierungen von Wasserwanderern vom Darß und aus Kühlungsborn", sagt Reinhard Bruchmann. Er habe im vergangenen Jahr auch die freiwillige Vereinbarung zum Kanutourismus unterschrieben, weil er den Schutz der gefährdeten Bachmuschel unterstützen wolle, sagt Bruchmann. "Aber der Kanutourismus ist auch ein Wirtschaftsfaktor. Wenn keine Boote fahren, gibt es kein Geld. Ich habe viel investiert", sagt er und fragt, warum nicht mit Bojen gekennzeichnet werden könne, wo sich die gefährdete Bachmuschel befinde oder aber eine Fahrrinne gebaut werde. "Wir würden uns auch beteiligen", meint er.

Reinhard Bruchmann benennt ein weiteres Problem: die zum Teil maroden und gefährlichen Kanueinsetzstellen. Der Steg in Zaschendorf sei beispielsweise von Wasser unterspült, der an der Sagsdorfer Brücke kaputt. Erst jüngst habe es zwei schwere Unfälle mit Wasserwanderern an den Einsatzstellen in Eickhoff und in Görnow gegeben, weiß er. "Es gibt eigentlich nur in Weitendorf zwei vernünftige Einsatzstellen. Da hat die Gemeinde vor Jahren viel investiert", lobt Bruchmann.

Dass nun auch der Warnowabschnitt zwischen Groß Görnow und Eickhof im Bereich des Naturschutzgebietes "Durchbruchstal der Warnow und Mildenitz" gesperrt ist, hatte das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg (StALU) am Mittwoch auf seiner Internetseite bekannt gegeben. Aktuelle Messungen weisen eine Wassertiefe von 27 Zentimetern aus, Tendenz fallend, da in den nächsten Tagen nicht mit größeren Regenmengen zu rechnen ist.

Befahrbar sind zurzeit mit einem Kanu die Warnowabschnitte zwischen Zaschendorf und Groß Görnow sowie unterhalb von Eickhof Richtung Börzow-Rostock.

Nils Meyer vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg hat Verständnis für die Sorgen der Wassertouristik-Anbieter. Er selbst sei Kanuwanderer, sagt er. "Aber der Naturschutz hat Vorrang. Wir befinden uns hier in einem Naturschutzgebiet und in einem FFH-Gebiet", macht er deutlich. Eine Fahrrinne wäre zwar technisch lösbar, aber ein baulicher Eingriff in das Gewässer.

"Wir werden zum Ende der Saison wieder eine gemeinsame Auswertung vornehmen, wie in den Vorjahren auch. Aber in diesem Jahr ist das wohl besonders wichtig", sagt Meyer. In den letzten Jahren sei die Wassermenge immer rückläufiger gewesen bei immer mehr Wassersportlern. Eine Empfehlung an die Kanuanbieter sei deshalb auch gewesen, vielleicht zusätzlich einen Shuttle-Service mit aufzunehmen, so Nils Meyer.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen