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Lehrer-Debatte : Brodkorb sucht Lehrer, Referendare blitzen ab

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Bildungsminister Brodkorb will an Berufsschulen auch Unternehmer und Facharbeiter für den Unterricht einspannen. Referendare werden allerdings mit rechtlich fragwürdigen Begründungen abgelehnt.

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erstellt am 19.Jun.2013 | 10:21 Uhr

Schwerin | Noch nie gab es einen so großen Neueinstellungsbedarf an Lehrern wie für das kommende Schuljahr. Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) will wegen des Lehrermangels an Berufsschulen auch Unternehmer und Facharbeiter für den Unterricht einspannen. Kurz vor Ferienbeginn legte der Minister ein neues Vertretungslehrer-Programm auf - 33 Stellen. "Ich möchte erreichen, dass noch weniger Unterricht an den Schulen ausfällt", sagt Brodkorb. Dennoch erhalten auch in diesem Jahr massenweise ausgebildete Lehrer mit dem 1. Staatsexamen eine Ablehnung, den zweiten Teil ihrer Ausbildung als Referendar an einer Schule zu absolvieren.

"Schon im Januar erhielt ich vom Ministerium eine Absage mit der Begründung des Kapazitätsmangels, und dass Französisch und Philosophie keine Bedarfsfächer wären", schreibt uns eine Referendarin enttäuscht. Damals blieben aber landesweit 100 Stellen von 250 Ausschreibungen unbesetzt. Das Arbeitsamt empfahl ihr, in einem Call-Center zu jobben, bis etwas frei ist. Dennoch suchte sich die junge Frau eine Schule, in der sie als Vertretungslehrerin anfangen konnte. Das war nicht schwer. Französischlehrer werden überall im Land gesucht. "Nun arbeite ich seit Februar als Vertretungslehrerin und unterrichte insgesamt 120 Schüler. Bei meiner neuen Bewerbung erhielt ich vor wenigen Tagen erneut eine Absage für den Vorbereitungsdienst ab August. Ich hatte so fest mit einer Zusage gerechnet", erzählt sie. Denn auch ihr Schulleiter hatte sich für die Absolventin eingesetzt. Zwecklos. "Ich konnte neue Methoden einführen, um Freude im Umgang mit der Fremdsprache zu entwickeln. Ich möchte diese Schule nicht verlassen und in ein anderes Bundesland gehen!", klagt die junge Frau.

Simone Oldenburg, selbst Schulleiterin und inzwischen Landtagsabgeordnete der Linkspartei, kennt diese Fälle: "Ständig wirbt der Minister um Seiteneinsteiger, aber bereits ausgebildete Lehrer werden abgelehnt. Das hat doch keinen Sinn. Das Land braucht Lehrer. Und die, die es haben kann, will es nicht." Dabei hätten diese schon eine pädagogische Ausbildung, die bei den meisten Seiteneinsteigern erst noch geschult werden muss.

Aber selbst die Ablehnung der Referendarin ist nicht gerichtsfest. Seit Jahren wird als Grund der Nichtanstellung in den Vorbereitungsdienst eine imaginäre "Kapazitätsobergrenze" angeführt. So ist es auch in dem Ablehnungsschreiben formuliert, das die junge Frau erhielt. Im Lehrerbildungsgesetz ist aber eine Kapazitätsobergrenze gar nicht vorgesehen. Das Ministerium begründet auf Anfrage, dass sich die Kapazitätsobergrenze aus der Zahl der Referendarstellen im Haushalt des Ministeriums ergibt. Im letzten Jahr haben sich jedoch vier abgelehnte Bewerber aufgrund des Rechtsfehlers eingeklagt. Simone Oldenburg schätzt, dass es auf die 65 Referendarstellen für das nächste Schuljahr gut 150 Bewerbungen gab. Wenn die abgelehnten Bewerber ihren Anspruch jetzt gerichtlich durchsetzen, müssten sie angestellt werden. Und sie würden ganz sicher gebraucht, davon ist die Politikerin überzeugt.

Dem Bildungsministerium ist die Gesetzeslücke offenbar bewusst. Deshalb wird derzeit eine Novelle vorbereitet. In der heißt es: "Auf Grund einer Gesetzeslücke im Lehrerbildungsgesetz sind die Kapazitätsgrenzen für die ausgeschriebenen Stellen des Vorbereitungsdienstes nicht gerichtsfest... Diese Lücke soll... geschlossen werden." Dennoch wird die alte Praxis der Ablehnungsbegründung beibehalten. Oldenburg: "Eigentlich müsste man abgelehnte Bewerber aufrufen, sich jetzt einzuklagen." Einen Monat vor Schuljahresbeginn gibt es offene Stellen in den Schulämtern Schwerin und Neubrandenburg.

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