Geheimhaltung : Brodkorb schweigt bei Herzogskunst

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Weil die Familie der ehemaligen Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin ihm keine Erlaubnis erteilt, will Bildungsminister Brodkorb der Öffentlichkeit nicht mitteilen, welche Kunstobjekte die Familie dem Land geliehen hat.

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19. Juni 2012, 08:09 Uhr

Schwerin | Weil die Familie der ehemaligen Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin ihm keine Erlaubnis erteilt, will Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) der Öffentlichkeit nicht mitteilen, welche Kunstobjekte die Familie dem Land offiziell bis 2014 geliehen hat. Ohne die Zustimmung der Herzogs-Familie würde das Ministerium die "sensiblen" Verhandlungen über einen Ankauf der Großherzoglichen Sammlung gefährden, sagte ein Ministeriumssprecher gestern gegenüber dieser Zeitung. Welches Gesetz den Einspruch der Herzogs-Familie höher stellt als das Recht der Öffentlichkeit auf Informationen, konnte der Sprecher nicht sagen.

Selbst beim Koalitionspartner stößt die Geheimhaltung auf Kopfschütteln. "Es ist schwer nachzuvollziehen, dass Dinge, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind und in Museen ausgestellt werden sollen, nicht öffentlich benannt werden können", sagte ein Sprecher der CDU-Fraktion. Schließlich sei Brodkorb nicht nach internen Details der Verkaufs-Verhandlungen gefragt worden.

Auch der Landesdatenschutzbeauftragte Reinhard Dankert wundert sich über Brodkorbs Geheimniskrämerei. Denn nach dem Informationsfreiheitsgesetz dürfte wohl jeder normale Bürger auf Antrag in die Inventarlisten der Sammlung einsehen. Es würden keine personenbezogenen Daten veröffentlicht, kein laufendes Gerichtsverfahren beeinflusst und keinem Konkurrenten ein Betriebsgeheimnis offenbart, so Dankert, der damit kein Hindernis sieht, die Information zu verweigern. Zudem habe die Herzogin mit dem Nießbrauchrecht der öffentlichen Nutzung der Kunstobjekte längst zugestimmt. Doch selbst falls Landtagsabgeordnete Kleine Anfragen von Landtagsabgeordneten zur Großherzoglichen Sammlung stellten, würde das Ministerium nur ungern antworten, deutete der Ministeriumssprecher an.

Es geht um mutmaßlich 240 Kunstgegenstände, die die Herzöge von Mecklenburg über drei Jahrhunderte zusammentrugen - darunter Gemälde, Möbel, Porzellan, Kunsthandwerk und Waffen. Details will Minister Brodkorb nicht preisgeben. Nur vier Bilder hängen derzeit in Schweriner Museen. Der Rest wartet seit Jahren in Kisten verpackt darauf, vor allem in Schloss Ludwigslust ausgestellt zu werden.

Die sowjetische Besatzungsmacht hatte die Gegenstände 1945 enteignet. Nach der Wiedervereinigung bekam Donata Herzogin zu Mecklenburg von Solodkoff den Familienbesitz zurück, überließ ihn 1997 aber bis 2014 dem Staatlichen Museum. Für die Zeit danach wollte das Land die Kulturgüter kaufen. Der Ankauf geriet jedoch vor rund zwei Jahren ins Stocken, weil das Land einen Teil der ausgehandelten Kaufsumme von 7,9 Millionen Euro mit einem Wald begleichen wollte - was auf heftigen Widerstand in Reihen der SPD und der Linkspartei stieß. SPD-Landtagsfraktionschef Norbert Nieszery sprach in diesem Zusammenhang von "Ölschinken", die nicht gegen Landesforst getauscht werden dürfen. Die ehemalige Direktorin der Staatlichen Museen, Kornelia von Berswordt-Wallrabe, nennt die Sammlung hingegen das "Herz der Landesgeschichte".

Die Geheimniskrämerei Brodkorbs verwundert umso mehr, weil er die Großherzogliche Sammlung unter Kulturschutz stellen will. In diesem Fall müssen Details zu allen Objekten sowieso veröffentlicht werden. Kunstgegenstände, die im Verzeichnis der national bedeutsamen Kulturgüter stehen, dürfen nicht ins Ausland verkauft werden. Für die Herzogin könnte dies den Kreis der anderen potenziellen Käufer einschränken und damit den zu erzielenden Preis senken, falls die Verhandlungen mit dem Land scheitern sollten.

Ministerielle Ungereimtheiten kennzeichnen auch dieses Kulturschutz-Verfahren. Bereits die Absicht, ein Kunstobjekt schützen zu wollen, muss das Ministerium offiziell bekanntmachen. Obwohl das Verfahren seit Monaten läuft, bereiten Brodkorbs Mitarbeiter diese gesetzliche Pflicht jetzt erst vor. Bevor Kunstobjekte auf die Liste kommen, müssen sie zudem von fünf Experten begutachtet werden. Nur widerwillig war das Ministerium bereit, die Namen der fünf Sachverständigen herauszurücken. Neben Berswordt-Wallrabe gehören dem Gremium ihr Nachfolger Dirk Blübaum, der Antiquariatsbesitzer Ulrich Rose, die ehemalige Chefin der Rostocker Kunsthalle Katrin Arrieta und die Galeristin Sabine Peters-Barenbrock an.

Nach Angaben des Ministeriums hat das Gremium bereits auf seiner Sitzung am 17. Februar empfohlen, "die Großherzogliche Sammlung als Konvolut" unter Kulturschutz zu stellen. In Kreisen der Kommission sorgte diese Aussage für Verwunderung. Eine Empfehlung über die gesamte Sammlung könne es noch gar nicht gegeben habe, da den Sachverständigen noch nicht zu allen Einzelobjekten detaillierte Angaben vorgelegt worden seien, so ein Mitglied des Gremiums gegenüber dieser Zeitung. Ein anderes bemerkte, die Experten sollten Urteile fällen, obwohl sie die Kunstgegenstände nicht zu Gesicht bekommen hätten. Ende Juni werde die Kommission erneut über die Großherzogliche Sammlung beraten.

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