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Reaktionen : Brodkorb-Programm sorgt für Aufschrei

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schulschwänzer mit der Polizei zuführen? Bildungsminister erhält Gegenwind

Der Vorstoß von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD), Intensivschwänzer an Schulen künftig von der Polizei zum Unterricht holen zu lassen, sorgt für einen Aufschrei in der Politik und bei der Polizei. Auch Praktiker haben Zweifel.

Simone Oldenburg, selbst Schulleiterin und inzwischen Bildungsexpertin der Links-Fraktion im Landtag, sagt: „Polizei hat nie etwas gebracht.“ Ihr Vorschlag: „Wer schwänzt, hat alle Stunden nachzuholen – ab dem ersten Tag.“ Es müsse vor allem mit den Eltern anders gearbeitet werden als bislang. Auch für Silke Gajek, Landtagsabgeordnete und Spitzenkandidatin der Bündnisgrünen, ist der Brodkorbsche Vorschlag zu kurz gesprungen: „Schulschwänzer wird man nicht von heute auf morgen. Hier ist die Jugendhilfe gefragt, nicht die Polizei.“ Für die Gewerkschaft der Polizei ist das keine gute Idee. „Die Landesregierung sollte wissen, dass wir personell auf dem Zahnfleisch gehen. Für zusätzliche Aufgaben haben wir keine Ressourcen“, sagte Landesvorsitzender Christian Schumacher gegenüber unserer Redaktion.

Claudia Metz, Vorsitzende des Landeselternrates, sieht vor allem die Schulleitungen in der Pflicht: „Schule muss so gestaltet sein, dass Schüler gar nicht auf die Idee kommen, der Schule fernzubleiben. Abholen durch die Polizei löst nicht das Problem des Schülers.“

Heike Walter, Schulleiterin in Satow und Vorsitzende der Schulleitungsvereinigung in MV, fordert eine engere Verzahnung von Schulämtern und Jugendämtern in MV, um dem Problem Schulschwänzen Herr zu werden. „Kinder, die mit Wissen der Eltern schwänzen, holt man schwer aus diesem Teufelskreis“, sagt sie. Heike Walter ist selbst Mitglied in der Arbeitsgruppe, die das Landesprogramm gegen gegen Schulschwänzer aufgelegt hat. Für sie besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen Jugendkriminalität und schulaversivem Verhalten. Deshalb sei die Arbeitsgruppe auch auf Bitte des Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung einberufen worden.

Da setzt der Bildungsminister jetzt an. Brodkorb setzt auf Abschreckung und auf Beratung mit den Eltern. Aber er sieht im Gegensatz zu Claudia Metz die Eltern in der Pflicht. „Der Schulpflicht nachzukommen ist keine Aufgabe der Schule, sondern der Schüler sowie ihrer Eltern. Mit 99 Prozent aller Eltern sowie Schülerinnen und Schüler nimmt eine übergroße Mehrheit diese Pflicht sehr ernst. Mit dem 7-Punkte-Programm wollen wir dennoch erreichen, dass sich die sehr kleine Zahl der Intensivschwänzer deutlich verringert.“

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