zur Navigation springen

Kritik an Bildungsminister : Brodkorb lobt Nazi-Künstler

vom

Nachdem Mathias Brodkorb die NS-Künstler Riefenstahl und

Breker als „groß" bezeichnet hat, ernet er hämischen Applaus aus der rechtsextremen Szene. Eine für einen Sozialdemokraten erstaunliche Erkenntnis.

svz.de von
erstellt am 30.Dez.2011 | 06:00 Uhr

Schwerin | Ausgerechnet der Storch-Heinar-Miterfinder und frischgebackene Bildungsminister: Nachdem Mathias Brodkorb (SPD) in einem Radio-Interview Leni Riefenstahl und Arno Breker als "große Künstler" bezeichnet hat, erhält er derzeit hämischen Applaus aus der rechtsextremen Ecke. "Nicht auszudenken, wenn eine derartige Aussage dem Munde eines NPD-Funktionärs entsprungen wäre. Politik und Medien würden sich überschlagen in ihren Forderungen nach einem Verbot der nationalen Oppositionskraft. Nichtsdestotrotz ist Brodkorbs Aussage eine für einen Sozialdemokraten erstaunliche Erkenntnis. Brodkorbs Beliebtheit in antifaschistischen Kreisen dürfte durch die Aussage nicht gestiegen sein", wird auf einschlägigen Internetseiten beispielsweise der Abgeordnete der rechtsextremen NPD im Landtag, David Petereit, zitiert. Die Filmemacherin Riefenstahl und der Bildhauer Breker gelten als Hitlers Lieblingskünstler und haben sich durch einen mit viel Pathos aufgeladenen Herrenmenschen- und Führerkult in Szene gesetzt.

"Das macht ihn nicht zum Nicht-Künstler"

Schon 2003 hatte Brodkorb Kritik einstecken müssen, als er in Prora aus Hitlers "Mein Kampf" las und mit Jugendlichen diskutierte. Darüber hinaus hatte Brodkorb mit einem Zitat für viel Ärger gesorgt: "In manchen Fällen verfügen sogar Delphine oder Schweine über höhere Erkenntnisfähigkeiten als stark behinderte Menschen", sagte er seinerzeit. Später distanzierte er sich aber deutlich.

Im Fall Breker und Riefenstahl allerdings nicht. "Wenn man die Werke gezielt ansieht, erkennt man eine relativ stark ausgearbeitete Ausdrucksfähigkeit der Auseinandersetzung des Menschen mit der Welt", begründete Brodkorb gestern auf Nachfrage unserer Redaktion seine Haltung. Zugleich fügte der Minister hinzu, dass die Tatsache, dass sich ein Künstler für eine menschenverachtende Ideologie missbrauchen lasse und sich vielleicht auch "missbrauchen" lassen wollte, ihn nicht zum Nicht-Künstler, sondern zu einer problematischen, kritikwürdigen politischen Gestalt mache.

"Wer ernsthaft in Frage stellen will, dass es unter den Nazis auch kluge Leute sowie große Künstler gegeben hat, trägt zur Verharmlosung des Nationalsozialismus bei", hält der Minister potenziellen Kritikern entgegen. Wenn es so einfach wäre, dass es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Rechtsextremismus und mangelnder Intelligenz oder Begabung gäbe, "wären unsere politischen Probleme im Umgang mit menschenverachtenden Positionen weitaus kleiner", so Brodkorb. Die Wahrheit sehe anders aus: "Ich selbst hatte einmal das ,Vergnügen, mich mit einer sechzehnjährigen Rechtsextremistin aus Rostock zwei Stunden lang zu unterhalten, die die beste Schülerin ihrer Klasse war. Notendurchschnitt von 1,2. Solche jungen Menschen kann man nicht für die Demokratie wiedergewinnen, indem man sie überheblich und arrogant für dumm erklärt. Zumal man sich in einem solchen Fall damit auch lächerlich machte."

Nicht übers Stöckchen springen

Auch den Einwand, möglicherweise Rechtsextremen in die Hände zu spielen, lässt der Minister nicht gelten: "Die NPD hätte in der Tat viel erreicht, wenn wir Demokraten dazu übergehen würden, die Frage, ob wir die Wahrheit sagen oder nicht, davon abhängig zu machen, was die NPD wohl dazu sagt oder nicht. Ich jedenfalls lasse mir auch und gerade von Nazis weder den Mund verbieten noch das Stöckchen hinhalten." Die Demokratie funktioniere nur, wenn sie von selbstbewussten Menschen getragen werde, die ihre innere Überzeugung aus sich selbst beziehen und nicht aus einer affektiven, geradezu panischen Verneinung dessen, was Nazis tun. Von ängstlichen Demokraten profitierten am Ende nur die Feinde der Demokratie.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen