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Minister schließt Berufsschule Schwerin : Brodkorb beendet Gastro-Ausbildung

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Die Ausbildung zu Köchen, Restaurant- und Hotelfachleuten in der Landeshauptstadt ist erneut Geschichte. Das Bildungsministerium hat den Schulbetrieb an der privaten Ecolea in Lankow verboten.

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erstellt am 06.Aug.2013 | 06:58 Uhr

Schwerin | Die Ausbildung zu Köchen, Restaurant- und Hotelfachleuten in der Landeshauptstadt ist erneut Geschichte. Das Bildungsministerium hat den Schulbetrieb an der privaten Ecolea in Lankow verboten. Betroffen sind 24 Auszubildende. Sie müssen jetzt nach Wismar oder Parchim an die staatliche Berufsschule wechseln.

Was ist passiert? 2011 war die Berufliche Schule der Stadt Schwerin für die Gastro-Bereiche gegen erheblichen Protest der Eltern, Ausbildungsbetriebe und des Regionalverbandes des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) zugunsten von Wismar und Parchim geschlossen worden. Für drei Schulen hatten die Schülerzahlen nicht ausgereicht. Im Gegenzug wurden die Berufsbereiche Bau-, Elektro- und Metalltechnik sowie Wirtschaft und Verwaltung in Schwerin konzentriert. Es sei die falsche Entscheidung, die für das Tourismusland MV wichtige Gastro-Ausbildung weg von den Oberzentren zu nehmen, hatte damals Schwerins Schuldezernent Dieter Niesen (SPD) argumentiert. Viele Jugendliche würden sich statt nach Parchim oder Wismar nun nach Hamburg oder Berlin orientieren. "Sie gehen Mecklenburg-Vorpommern verloren", so Niesen.

Gemeinsam entwickelten daraufhin die Seminarcenter-Gruppe und die Dehoga die Idee der "Ausbildungsinitiative Hotellerie und Gastronomie in Westmecklenburg". Unter dem Label Ecolea eröffnete zum Schuljahresbeginn 2012 in Schwerin die Beruflichen Schule für Gastronomie und Hotellerie in enger Kooperation mit dem Dehoga-Regionalverband, dessen Mitgliedern und der Industrie- und Handelskammer (IHK). Als Ausbildungsberufe wurden Koch, Restaurantfachmann, Hotelfachmann und Fachkraft im Gastgewerbe angeboten. "Die Genehmigung der Schule ist vor der Eröffnung mündlich erteilt worden", sagt Ecolea-Träger Sven T. Olsen. Diese sei aber vom Bildungsminister ohne jede Anhörung zurückgezogen worden. Die schriftliche Untersagung des Schulbetriebes folgte, ein Rechtsstreit darüber ist noch ohne Ergebnis.

Fakt ist: Bildungsminister Mathias Brodkorb kann eine Privatschule genehmigen. Er kann es aber auch ablehnen, wenn es dafür "ein öffentliches Interesse" gibt. Fakt ist auch: Die Ecolea hat die Gastro-Ausbildung begonnen, ohne vom Bildungsministerium die offizielle Genehmigung zu haben. Leidtragende sind die Azubis, die kurze Wege nach Schwerin hatten, aber auch die Ausbildungsbetriebe. Denn in Schwerin war der Schulbetrieb im März beendet. Als die Touristen kamen, standen die Azubis für den Praxisteil in Gastronomie und Hotellerie zur Verfügung. Anders bei den jetzigen Alternativen: "In Parchim setzt man eine Rasterbrille auf und plant nach Schema F", beklagt Dehoga-Regionalchefin Jana Maiwirth. Wenn Azubis in den Betrieben gebraucht werden, gäbe es "eine Turnusverdichtung im Blockmodus", also Unterricht.

Dennoch: Bildungsminister Brodkorb sieht den Bestand der staatlichen Gastro-Schulen in Wismar und Parchim durch das private Angebot in Schwerin gefährdet. Bereits jetzt lägen dort die Schülerzahlen unter den künftig geforderten Mindestanforderungen. "Die Genehmigung der Ersatzschule ist daher zu versagen, wenn sich aufgrund der Errichtung dieser Schule ein ausreichendes Angebot an staatlichen Schulen nicht mehr verwirklichen lässt", heißt es im Schreiben des Ministers.

Der Erfolg der Schweriner Gastro-Schule dürfe nicht als Misserfolg der Beruflichen Schule Parchim fehlgedeutet werden, betont Dehoga-Chefin Maiwirth. "Vielmehr ist er ein Zeugnis für eine im Vorfeld verfehlte und am tatsächlichen Bedarf vorbei organisierte Standortpolitik der staatlichen Schulträger", sagte die Hotelchefin.

Ecolea-Träger Sven T. Olsen fordert von Bildungsminister Brodkorb den Verzicht auf den sofortigen Vollzug der Anordnung. Dann könnte der Schulbetrieb am 26. August wieder starten. Dem schließt sich die Dehoga in einem Schreiben an den Minister an.

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