Broadway No. 207

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10. April 2009, 10:11 Uhr

Im Volkstheater Rostock weht in diesem Jahr ein neuer Wind. Intendant Peter Leonard hat große Visionen. Im Sommer will er in einer alten Werfthalle spielen.Juliane Hinz RostockFür Peter Leonard, Intendant des Volkstheaters, ist die ehemalige Neptun-Werfthalle 207 ein Geschenk. Hier wird deshalb die diesjährige Sommerbespielung offeriert. „In diesem Raum gibt es die beste Akustik nördlich von Berlin“, schwärmt der Musiker. Sogar das Berliner Konzerthaus könne da nicht mithalten. „Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich habe auch dort schon dirigiert.“

Die Halle 207 entdeckte Leonard noch während seiner Zeit als Generalmusikdirektor. Schon damals organisierte er Konzerte auf dem Gelände der ehemaligen Neptun-Werft. Mit der außergewöhnlichen Spielstätte will der Theater-Chef den Sommerfestivitäten in Rostock zu einem eigenen Ambiente verhelfen: „Wir haben kein Schloss als Kulisse, aber wir sind eine Hafenstadt.“

Bühnenbildner Falk von Wangelin sowie Horst Fleischer, Abteilungsleiter für Bühnentechnik und Verantwortlicher für die Halle 207, sollen Leonards Visionen in die Tat umsetzen. „Der Rhythmus der Eisenelemente und die Farbigkeit in der Halle werden beibehalten“, erklärt von Wangelin. Mehr noch: Die Industriearchitektur wird Vorbild für die Dekoration des Raumes sein. „Es wird am Ende so aussehen, als wäre die Halle gerade erst verlassen worden.

Eine Tribüne mit bis zu 700 Plätzen und ein Vordach über die gesamte Breite der Halle mit gastronomischen Einrichtungen darunter sorgen für den Komfort der Gäste – auch bei Regenwetter. Sanitäranlagen sowie die Räumlichkeiten für Maske und Kostüm werden in Containern untergebracht.
„Die Bühne wird 15 Meter breit und 14 Meter tief sein“, so Fleischer. Traversen für die Beleuchtung müssen eingebaut, die Fenster abgedunkelt werden. Darüber hinaus hat von Wangelin eine Zwischenwand entworfen, die vor der Rückfront variabel eingesetzt werden soll: „Sie wird zum Teil aus durchscheinendem Material sein, so dass sich dahinter interessante Effekte erzeugen lassen.“ Ende Mai wollen sie mit dem Aufbau beginnen. Dann bleiben nur wenige Tage bis zum Probenbeginn. Von Ende Juni bis Mitte September soll die Bühne in der Halle 207 beinahe durchgängig bespielt werden. Das Programm ist straff. Nur drei Tage zur Zeit der Hanse Sail gibt es eine Pause.

„Ich bin nicht glücklich mit der Überbetonung des Event-Charakters bei Sommertheatern“, stellt Leonard fest. Ihm sei es wichtig, dass auch die Inszenierungen in der warmen Jahreszeit einen künstlerischen Anspruch erfüllen. Für diese Saison hat er sich deshalb ein großes Vorbild ausgesucht: den Broadway. Damit verbindet der Intendant vor allem die Vielfalt. Dieses Flair will er nach Rostock bringen. Und damit der Kulturlandschaft der Hansestadt seinen Stempel aufdrücken. „Meine Intendanz beginnt eigentlich erst jetzt richtig“, so Leonard. „Die laufende Spielzeit habe ich nicht selbst geplant, nur hier und da eingreifen können.“

Mit der Inszenierung des Tanztheaters und auch der Musical-Revue stellt sich im Sommer auch der neue Ballettdirektor des Volkstheaters, Bronislav Roznos, vor. Zahlreiche Konzerte, die Oper „Carmen“ sowie das Schauspiel „Emil und die Detektive“ für die Kleinen versprechen ein kurzweiliges Theater. Einen Broadway will Leonard so nach Rostock bringen – und damit nicht nur eine Adresse, sonder eine Weltanschauung und Lebenseinstellung.

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