Bundesvision Song Contest : "Bringt den Titel nach Hause!"

  Umjubelt: Falk-Arne Goßler (vorn links) und Michél Kroll (r.) von The Love Bülow lassen die Herzen ihrer Fans höher schlagen. Morgen Abend wollen die Indie-Rapper auch Stefan Raab und das Publikum von sich überzeugen. Rocco Horn
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Umjubelt: Falk-Arne Goßler (vorn links) und Michél Kroll (r.) von The Love Bülow lassen die Herzen ihrer Fans höher schlagen. Morgen Abend wollen die Indie-Rapper auch Stefan Raab und das Publikum von sich überzeugen. Rocco Horn

Beim Bundesvision Song Contest am 28. September singt aus jedem Bundesland eine Band. Ausnahme ist Mecklenburg-Vorpommern. Für den Nordosten geht die Berliner Band The Love Bülow ins Rennen. The Love wer?

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19. September 2012, 11:55 Uhr

Rostock/Berlin | "Die Aufregung steigt", sagt Falk-Arne Goßler. "Jetzt, da die meisten der 16 Kandidaten schon auf der TV Total Couch gesessen haben." Morgen Abend nehmen der 24-Jährige und seine Bandkollegen von The Love Bülow auf Stefan Raabs berühmtem Sitzmöbel Platz. Denn die fünf selbst ernannten Erfinder des Indie-Rap gehen am 28. September beim Bundesvision Song Contest (BuViSoCo) von ProSieben für Mecklenburg-Vorpommern an den Start. Falk, Michél Kroll, Jakob Unger, Juri Westermann und Golo Schmiedt treten damit die Nachfolge von Bands wie Jennifer Rostock, Melotron oder Materia beim musikalischen Kräftemessen der Bundesländer an. Morgen ab 23.30 Uhr haben sie deshalb schon einmal "Generalprobe" vor dem TV Total-Publikum und dem Wettbewerb-Erfinder, Stefan Raab. Trotz eines umjubelten Auftritts in der ARD-Sendung "Inas Nacht" dürfte die Teilnahme am BuViSoCo die bisher bedeutendste Chance und zugleich größte Herausforderung für die fünf Herren aus Berlin und MV sein. Sind doch die Millionen Zuschauer unbezahlbare Werbung für aufstrebende Künstler und Raab sowohl als Talent-Entdecker als auch für seine Schlagfertigkeit berühmt-berüchtigt.

Bei Raab auf die große Bühne

Was alles möglich ist, zeigt zum Beispiel der kometenhafte Charterfolg von Vorjahressieger Tim Bendzko, für den der Bundesvision Song Contest der letzte Schubs in die Top Ten war. Nicht nur im Interview mit Raab müssen The Love Bülow daher morgen bestehen, sondern auch auf der Bühne. Dort werden die Newcomer ihren Wettbewerbstitel "Nie mehr" erstmals einem Fernsehpublikum präsentieren. Außerdem feiert ihr Wahlwerbevideo für Mecklenburg-Vorpommern in der morgigen Sendung Premiere. Aufregung geht da voll in Ordnung.

Für den zweiminütigen Clip tourte eine kleine Delegation der Band bestehend aus Rapper Falk, Sänger Michél und Keyboarder Jakob einen Tag im Juli mit Kameramann Rocco Horn durch den Nordosten. 650 Kilometer. Sechs Stopps, an denen die Band die Menschen der Region vor die Kamera holte und sich selbst zur Filmcrew machte. "Wir wollen das Land und seine Leute vorstellen. Als Band sind wir da nicht so wichtig", erklärt Michél die Idee des Clips.

Auf Werbetour durch MV

Der Drehtag Ende Juli ist heiß. Die Sonne scheint. Michél tauscht auf einem Parkplatz lässig Jogginghose gegen Shorts. Organisiert und geplant haben The Love Bülow alles allein - die Route, das Auto, die Protagonisten. Ein "Filmheld" ist Peer Wellendorf, Programmchef bei Antenne MV. "Sag uns mal, warum es für dich etwas Besonderes ist für Mecklenburg-Vorpommern zu senden", schlägt Rapper und Frontmann Falk vor und geht entspannt hinter der Kamera auf und ab. "Weil wir einfach im schönsten Bundesland leben und unsere Hörer die Geilsten sind", sagt Wellendorf im Scheinwerferlicht. Falk schmunzelt. Nach nur wenigen "Klappen" ist die erste Einstellung im Kasten. In der zweiten gilt es, den Satz zu sagen: "Mein Herz schlägt für Mecklenburg-Vorpommern!" Ebenfalls keine Hürde für den Profi am Mikro, dessen Herz nicht nur fürs Land sondern schon aus rein professionellen Gründen auch für die Band schlägt. "Es wird Zeit, dass Mecklenburg-Vorpommern diesen Wettbewerb gewinnt", findet Wellendorf. "The Love Bülow haben das Zeug dazu, ganz oben mitzuspielen. Ihre Songs mit dieser Mischung aus Hip-Hop, Pop und Rock sind frisch, eingängig und radiotauglich. Das hat definitiv Hit-Potenzial." Der Privatsender mit Sitz in Plate unterstütze die Band schließlich nicht als Medien-Partner, damit man den letzten Platz belege. Wie in den Vorjahren auch, wurden die teilnehmenden Bands von einer Jury bestehend aus Experten von Plattenfirmen, der Fernseh-Produktionsfirma und den Radiosendern der Bundesländer ausgewählt. Jetzt hoffe er nur noch, dass die Zuschauer, die den Sieger bestimmen, für den besten Song anrufen und nicht für den größten Star, so der Radiomacher. Schließlich seien mit Xavier Naidoo, Kool Savas oder Cro bekannte Namen im Wettbewerb, Künstler mit einer riesigen Fan-Gemeinde.

Band-Optimist Falk-Arne Goßler sieht dem 29. September am Drehtag noch scheinbar gelassen entgegen. "Uns kannte vor dem Wettbewerb kaum jemand und im schlimmsten Fall kennt uns danach immer noch keiner", sagt der Kulturmanagement-Student.

Viele treue Fans im Land

"Bei mehr als einer Million Zuschauer, die der Contest im Durchschnitt hat, können wir nur gewinnen", erklärt der smarte Frontmann. Die meisten der bislang über 6000 Facebook-Fans kämen wie er aus Berlin, aber ganz vorne dabei sind auch die Anhänger aus Rostock und Neubrandenburg. Ob er sich als Hauptstädter mit der Teilnahme der Band für MV identifizieren kann? "Klar! Michél und Golo, unser Schlagzeuger, haben hier ihre Kindheit und Jugend verbracht. Ich mache regelmäßig Urlaub an der Ostsee und wir haben viele treue Fans im Land." Allein für die Möglichkeit, dass es durch den Bundesvision Song Contest und letztlich auch durch das Land, das sie repräsentieren, noch mehr Fans werden können, sind The Love Bülow dankbar. Deshalb auch der Herzschlag für MV in Videoform. Authentisch soll ihr Wahlwerbespot sein, herzlich, echt, wie die Mecklenburger, die sie über die vierjährige Bandgeschichte bei ihren zahlreichen Konzerten im Land kennengelernt haben. Ein scheinbar unproblematisches Vorhaben für die Indie-Rapper, die zwei Herzen im Logo und die Liebe offensichtlich nicht nur im Namen tragen. Wo die Jungs an diesem Juli-Tag auch ankommen, gibt es strahlende Gesichter, Umarmungen und Kuchen für die Künstler. Ob es die 19-jährige FSJ-lerin Lena ist, die sich vor dem Schweriner Schloss für The Love Bülow in ein Blumenbeet setzt oder Luisa vom jungen Rostocker Modelabel "I love MV", die sich nach kurzem Zögern für ihren persönlichen Herzschlag locker vor die Kamera stellt - alle tun es gerne für die Band und das Land, aus dem sie kommen. Auch Fischverkäuferin Bianca, die als Einzige spontan für die Mission des Filmteams gewonnen wird. Nach kurzer Überzeugungsarbeit durch Sänger Michél, den "Mann für den Erstkontakt", verrät die blonde Frohnatur vom Warnemünder Backfischkutter, warum ihr Herz für Mecklenburg-Vorpommern schlägt. "Na, weil der Fisch hier am besten schmeckt und die Brötchen so knusprig sind", sagt die Rostockerin und lacht über das ganze Gesicht. "Mayonnaise, Darling?", hört man Biancas Kollegin eine Kundin fragen. Möwengeschrei begleitet die Szene. Hinter der Kamera leuchtende Augen. "Was sind die alle süß", freut sich Michél. Da schlagen auch die Herzen der restlichen Filmcrew noch lauter für "ihr" Land. "Meine Oma hat viele Jahre hier gewohnt. Wir waren deshalb oft in Warnemünde", erzählt der bislang eher ruhige Keyboarder Jakob und dippt seinen Backfisch in die Cocktailsauce. "Meine Eltern erzählen immer, dass ich in einem Strandkorb in Warnemünde gezeugt wurde", sagt Kameramann Rocco und lacht.

Trotz straffem Zeitplan menschelt es an diesem Tag gewältig, nicht nur an der Küste, sondern auch bei der Freiwilligen Feuerwehr in Penzlin. "Wir sind für alle Schweinereien offen", tönt Uwe Henning schon von weitem. "Aber bevor wir loslegen, spielt mal was vor", sagt der Amtswehrführer scherzend.

Es menschelt gewaltig

"Na, hast du denn den Auftritt der Jungs bei Inas Nacht’ nicht gesehen", empört sich Ortswehrführer Uwe Goldenbaum gut gelaunt und bekräftigt: "Die sind gut!" The Love Bülow haben leichtes Spiel. Trotz starker Hitze werden Einsatzfahrzeuge vorgefahren und Schutzkleidung wird angezogen - inklusive Helm. "Meine ehemalige Kollegin Ines ist Feuerwehrfrau aus Penzlin und hat mir den Tipp gegeben", erklärt Falk den Kontakt zu den aufgeschlossenen Rettern. Dass ihre Herzen für Mecklenburg-Vorpommern schlagen, daran lassen die Damen und Herren in Schwarz-Gelb keinen Zweifel. Vor ihrem Einsatzhaus versammeln sie sich zu einem "Unser Herz schlägt für Mecklenburg-Vorpommern"-Chor. Mit einem herzlichen: "Bringt den Titel mit nach Hause und maximale Erfolge", beendet die Freiwillige Feuerwehr Penzlin ihren Einsatz und schickt The Love Bülow Richtung Neubrandenburg.

"Krass, da werden gerade so viele Erinnerungen wach." Jetzt schlägt Michéls Herz höher. Mit 19 Jahren ging es für den gebürtigen Grevesmühlener zum Musikstudium nach Berlin. Davor hat er zwölf Jahre in der Viertorestadt gelebt. "Dort im Kulturpark war ich immer skaten. Und da, auf dem Wall hat mal meine Freundin mit mir Schluss gemacht." Das ehemalige Schulgebäude der IGS gibt es nicht mehr. "Schon komisch", sagt der 29-Jährige. Was der heutige Pädagoge an einer Musikschule in Neukölln am meisten vermisst? "Die Ruhe", so Michél. Zu Besuch ist er allerdings nur noch selten in MV. Nur noch etwa zweimal im Jahr oder zu Konzerten. Zeit für Erinnerungen bleibt ihm nicht. Die letzte Station des Tages am Friedländer Tor wartet, an dem Michél vor Jahren mit seiner damaligen Band "Out of Cave" mehrmals den Titel der besten Schülerband der Stadt holte.

Insgesamt 60 Fans sind es, die nach Aufrufen im Internet und in der Zeitung gefolgt sind und sich zunächst etwas schüchtern dem Drehort nähern. Doch die Zurückhaltung währt nicht lange. Man kennt sich. Ein Hallo hier, eine Umarmung da. The Love Bülow begeistern mit ihrer Offenheit nicht nur ihre jungen Anhänger. "Ich habe mich damals mit Michél über die Möglichkeiten für eine musikalische Ausbildung unterhalten", erinnert sich Berufsberater Frank Schäfer, der - selbst Hobby-Musiker - seit einiger Zeit die Karriere des Neubrandenburger Sängers verfolgt. "Es ist toll zu sehen, dass er seinen Weg gegangen ist. Ich drücke ihm und seiner Band alle Daumen für den Wettbewerb. Die schaffen das", ist er überzeugt. Neubrandenburg steht hinter The Love Bülow, das machen die Fans lautstark und Fähnchen und Herzen schwingend nicht nur für die Kamera und die Aussicht auf wenige Sekunden Fernsehruhm deutlich. Was da rüberkommt, ist echt. Freude. Stolz. Und vielleicht ein wenig Hoffnung - von beiden Seiten. Noch können The Love Bülow nicht von ihrer Musik leben und müssen den nicht immer leichten Spagat zwischen Beruf, Studium und der Musik meistern. Der Bundesvision Song Contest könnte den Durchbruch bringen.

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Der Bundesvision Song Contest

Der Bundesvision Song Contest (kurz: BuViSoCo) wurde erstmals im Februar 2005 ausgetragen. Er ist ein von Stefan Raab initiierter Wettstreit in Anlehnung an den Eurovision Song Contest. Dabei treten deutsche Interpreten gegeneinander an, die jeweils ein deutsches Bundesland repräsentieren.

Ins Leben gerufen als Konkurrenz zum Eurovision Song Contest, geht es vor allem um die Förderung deutschsprachiger Musik, daher auch die Bedingung, dass mindestens 50 Prozent des Textes deutsch sein muss. Der Sieger wird per Telefon/SMS-Abstimmung von den Zuschauern bestimmt. Die Stimmen werden nach Ländern getrennt gewertet. Unterstützt wird der Fernsehsender ProSieben von lokalen Radiosendern, die an der Auswahl der Kandidaten beteiligt sind. Der Bundesvision Song Contest des folgenden Jahres wird im Gewinnerland ausgetragen.

Die bisherigen Gewinner
2005: Juli für Hessen
2006: Seeed für Berlin
2007: Oomph! mit Marta Jandová für Niedersachsen
2008: Subway to Sally für Brandenburg
2009: Peter Fox für Berlin
2010: Unheilig für Nordrhein-Westfalen
2011: Tim Bendzko für Berlin

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