Schwerin : „Brexit-Konzert“ begeistert Publikum

Brilliant am Flügel: Annika Treutler
Brilliant am Flügel: Annika Treutler

Brite Matthew Halls dirigiert die Mecklenburgische Staatskapelle

svz.de von
25. April 2018, 12:00 Uhr

„Das ist unser Brexit-Konzert!“ Matthew Halls hatte die Lacher auf seiner Seite, als der britische Gastdirigent jüngst die Musiker der Mecklenburgischen Staatskapelle zur ersten Probe für das fünfte Sinfoniekonzert begrüßte. Nun, glücklicherweise werden in der Musik ja auch in Zukunft keine Grenzen neu hochgezogen – was auch schade wäre, denn der 42-Jährige hatte nicht allein in puncto Humor einen guten Draht zum Orchester der Landeshauptstadt, wie er am Montagabend im Staatstheater bewies.

Und das zeigte sich keinesfalls allein im abschließenden Werk seines Landsmannes Edward Elgar: Nein, nicht dessen Proms-Dauerbrenner „Pomp and Circumstances“ stand auf dem Programm, sondern seine erste Sinfonie. Ein Werk, das 1908 bei seiner Uraufführung mit Bruckner und Wagner verglichen wurde – und dennoch hierzulande eher selten zu hören ist. Statt wie mancher Kollege auf überfrachtete Emotionalität zu setzen, ließ Halls die Details der komplexen Partitur ausformulieren und verdeutlichte so die mitreißende Überredungskunst dieser Musik. Mit dem Ergebnis eines deutlich strukturierten Gesamtklanges und einer präzisen dynamischen Differenzierung. Wahrlich hörenswert.

Eingangs in Schumanns „Manfred“-Ouvertüre hatte das klangliche Ergebnis noch nicht durchgehend überzeugt – und das nicht allein ob der Bläser, die sich erst finden mussten. Zweifellos hübsch musiziert, doch es fehlten die geschärften Kontraste zwischen energischem Pathos und genussvollem Selbstmitleid, in dem sich der Titelheld aus Lord Byrons gleichnamigem Versepos ergeht. Angenehm hingegen, dass Halls und das Orchester jegliche romantisierende Willkür vermieden.

Eine echte Entdeckung brachte hernach Mendelssohns g-moll-Klavierkonzert mit sich – mit Annika Treutler saß eine Solistin an den Tasten, der es gelang, auch den scheinbar vordergründig-virtuosen Passagen Hintergrund und Tiefe zu verleihen. Vor allem aber ließ die junge deutsche Pianistin den Flügel wahrlich singen, differenzierte dynamisch sehr fein und brillierte mit Noblesse und Transparenz. Als Zugabe legte die in feuriges Rot gekleidete Künstlerin noch einmal sehr feinfühlig und nach innen horchend Mendelssohn nach mit einem Lied ohne Worte – und ließ ein ebenso still lauschendes wie begeistertes Publikum zurück. Aller Brexit-Tristesse zum Trotz.

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