Gestiegene Arbeitslosenzahlen in MV und Brandenburg : Bremsspuren auf dem Jobmarkt

Mehr Arbeitslose in MV und Brandenburg. Foto: Archiv
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Mehr Arbeitslose in MV und Brandenburg. Foto: Archiv

Wie es mit der kalten Jahreszeit zu erwarten war, sind die Arbeitslosenzahlen im Nordosten der Bundesrepublik gestiegen. In MV und Brandenburg sorgt aber auch die stagnierte Konjunktur für Arbeitsplatzverluste.

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31. Januar 2013, 08:42 Uhr

Schwerin | Stillstand auf dem Arbeitsmarkt im Januar: In Mecklenburg-Vorpommern ist die Zahl der Arbeitslosen zu Jahresbeginn um 14 000 auf 115 500 Frauen und Männer ohne Job gestiegen - eine Quote von 13,6 Prozent nach 14 Prozent im Vorjahreszeitraum. Der Anstieg sei auf jahreszeitliche Gründe zurückzuführen, sagte Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Landesarbeitsagentur Nord, gestern. In allen Wintermonaten wachse die Zahl der Arbeitslosen durch Auftragsrückgänge im Tourismus sowie im Wohnungs-, Straßen- und Gartenbau. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt sei dennoch günstiger als vor einem Jahr - 4300 Arbeitslose weniger als im Januar 2012. "Der Anstieg fällt geringer aus als im Durchschnitt der letzten drei Jahre."

Allerdings: Die konjunkturelle Eintrübung erreicht immer stärker den Arbeitsmarkt. "Ich sehe erste Bremsspuren", sagte Haupt-Koopmann. Erstmals stagniere der Jobaufbau. "Die Betriebe sind bei Einstellungen vorsichtiger geworden." Das trifft vor allem die Generation ab 50 Jahre. 37 Prozent aller Arbeitslosen seien 50 und älter. Trotz des Fachkräftebedarfs sei es für diese Altersgruppe "schwer, wieder in Beschäftigung zu kommen", sagte Haupt-Koopmann. Der Arbeitsmarkt sei aber insgesamt robuster als in den Jahren davor. In den vergangenen zwölf Monaten seien 10 500 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden. 3500 neuen Jobs im Handel, 1900 im verarbeitenden Gewerbe und 1500 in der Gesundheitsbranche stehe ein Abbau von 1000 Jobs in Zeitarbeitsfirmen und 1100 im Bereich Erziehung gegenüber. Haupt-Koopmann rechnet damit, dass 2013 die Arbeitslosigkeit auf dem Vorjahresniveau stagnieren werde - 100 000 Erwerbslose im Jahresdurchschnitt. So sollen vor allem Langzeitarbeitslose, Alleinerziehenden und ältere Arbeitslose unterstützt werden, kündigte Arbeitsministerin Manuela Schwesig (SPD) an. "Das Land befindet sich weiter auf einem guten Weg."

Das sieht die Opposition anders: "Eine Arbeitslosenquote von 13,6 Prozent ist kein Ruhmesblatt für die Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik unseres Landes", kritisierte Silke Gajek, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. "Es ist Zeit zum Umdenken." Die Linke forderte indes, die Auszahlung von Arbeitslosengeld zu vereinfachen. Anstieg der Arbeitslosenzahlen zeige die große saisonale Abhängigkeit des Arbeitsmarktes in MV, erklärte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Linksfraktion, Henning Foerster. Nach der geltenden Regelung müssten Arbeitnehmer innerhalb von zwei Jahren zwölf Monate sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein, um Arbeitslosengeld zu erhalten und nicht in Hartz IV zu fallen. Viele Beschäftigte im Hotel- und Gaststättengewerbe, am Bau, in der Landwirtschaft und bei Zeitarbeitsfirmen kämen aber nicht auf die erforderlichen Beschäftigungsmonate und landeten trotz monatelanger Arbeit wieder in der Armutsfalle. "Der Anspruch auf Arbeitslosengeld I muss bereits nach sechs Monaten gelten und der Zeitraum, in dem die Beschäftigungsmonate liegen, muss auf drei Jahre ausgeweitet werden", forderte Foerster.

Die Zahl der Arbeitslosen in Brandenburg ist zu Jahresbeginn deutlich angestiegen. 147 233 Menschen ohne Job waren registriert, wie die Arbeitsagentur gestern mitteilte. Das waren 15 184 mehr als im Dezember. Auch die Arbeitslosenquote machte einen vergleichsweise großen Sprung – von 9,9 auf nun 11 Prozent.

Der Chef der regionalen Arbeitsagentur, Dieter Wagon, sprach von einer saisontypischen Entwicklung. Ein starker Anstieg im Januar sei üblich, da in vielen Berufen – zum Beispiel in der Baubranche – angesichts der Witterung nicht voll gearbeitet werde. Außerdem liefen zum Jahresende stets viele Arbeitsverträge aus. Im Vergleich zum Januar 2012 steht Brandenburg immer noch gut da. Damals lag die Arbeitslosenquote bei 11,4 Prozent, und es waren gut 4700 Arbeitslose mehr registriert als jetzt.

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