zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 13:30 Uhr

Breite Arme für junge Frauen

vom

svz.de von
erstellt am 07.Feb.2013 | 10:40 Uhr

Schwerin | Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) will Mecklenburg-Vorpommern zu dem Bundesland entwickeln, in dem Frauen und Männer gleich bezahlt werden: "In den neunziger Jahren haben viele junge Menschen das Land verlassen, um sich in den westdeutschen Ländern eine berufliche Zukunft aufzubauen. Das waren überwiegend junge Frauen. Das ist eine sehr große Zahl potenzieller Rückkehrerinnen. Wir müssen da breite Arme machen", sagte er gestern mit Blick auf den wachsenden Wettbewerb um qualifizierte Fach- und Führungskräfte nach einem Treffen der Bundesagentur für Arbeit mit Wirtschaftsvertretern und Politikern in Schwerin. Laut Staatskanzlei erhalten bei einer gleichen Tätigkeit Frauen in MV derzeit durchschnittlich 93 Prozent des Lohnes, den ein Mann einstreicht. Und: "Als ich mich gestern mit den Spitzen der Unternehmerverbände getroffen habe, war keine einzige Frau dabei", so Sellering.

Der Ministerpräsident betonte, dass in Mecklenburg-Vorpommern Familie und Beruf besser miteinander zu vereinbaren seien als in anderen Bundesländern. Damit könne das Land werben. "97 Prozent der 3- bis 6-Jährigen haben bei uns einen Kita-Platz, auch beim Angebot an Krippenplätzen stehen wir in Deutschland mit an der Spitze." Mehrfach unterstrich der Sozialdemokrat, dass vor allem die Unternehmen in der Pflicht seien. Die Verhältnisse im Nordosten hätten sich mittlerweile grundlegend geändert. "Sie müssen sehr viel mehr tun, um ihren Bedarf zu decken, sie werden um jeden einzelnen werben müssen."

Auch die Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann, stieß ins gleiche Horn. "Die Unternehmen können nicht nur auf die öffentliche Hand warten. Da muss man beispielsweise auch mal Kita-Plätze anmieten und bezahlen, wenn man Fachkräfte will." Möglich sei auch, eine Stelle auf drei Personen aufzuteilen, um qualifizierte, aber arbeitslose Frauen wieder in den Job zu bringen. Haupt-Koopmann nannte als Beispiel dafür eine Altenpflegerin mit sieben Kindern aus Schwerin, die trotz Nachfrage nach diesem Beruf keinen Job finde, weil die Zahl der Kinder Arbeitgeber abschrecke. Mit einer Splittung einer Arbeitsstelle könne dem begegnet werden.

Laut der Regionalchefin haben von aktuell 8260 alleinerziehenden Arbeitslosen in Mecklenburg-Vorpommern - 7540 davon sind Frauen - 70 Prozent einen Berufsabschluss. "Dieses Potenzial müssen wir nutzen. Dafür ist es jedoch unabdingbar, dass wir die Rahmenbedingungen für alleinerziehende Arbeitslose verbessern", sagte sie. Viele von ihnen bräuchten unterstützende, auf ihre Situation hin zugeschnittene Angebote, um den Weg zurück in die Arbeitswelt zu meistern. Dabei seien von passenden Weiterbildungsangeboten bis hin zu den Arbeitszeitregelungen der Betriebe alle Arbeitsmarktpartner gefragt. Nach Angaben Haupt-Koopmanns stehen in diesem Jahr für berufliche Qualifizierung in Mecklenburg-Vorpommern 60 Millionen Euro zur Verfügung, ebenso viel wie schon 2102. Allerdings: Im vergangenen Jahr wurden die Mittel nicht ausgeschöpft. Auch Arbeitnehmer seien da mit der Bereitschaft zur Qualifizierung gefragt, so die Regionalleiterin.

Einig waren sich die meisten Teilnehmer schließlich, dass Mecklenburg-Vorpommern vom Image des Billiglohnlandes wegkommen müsse. "Ich habe den Unternehmen eine gerechte Bezahlung empfohlen", meinte Ministerpräsident Sellering. Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Linksfraktion, Henning Foerster, nahm seinerseits das Land in die Pflicht: "Während es für die Zielgruppen der jüngeren Arbeitslosen und der allein erziehenden Frauen bereits erfolgreiche Projekte zur Integration in den ersten Arbeitsmarkt gibt, ist öffentlich geförderte Beschäftigung in MV leider kein Thema für die Landesregierung."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen