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Publikation der Heinrich-Böll-Stiftung : Braune Bio-Bauern in MV

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Sie backen Brot aus eigenem Getreide und tragen selbstgestrickte Schafwollpullover. Seit knapp 20 Jahren siedeln sich Familien mit heimat- und naturverbundener Attitüde in MV an. Doch dahinter verbirgt sich ein brauner Kern.

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erstellt am 11.Jan.2012 | 06:39 Uhr

Schwerin | Auf den ersten Blick wirken sie wie Aussteiger. Sie backen Brot aus eigenem Getreide und tragen selbstgestrickte Schafwollpullover. Seit knapp 20 Jahren siedeln sich Familien mit heimat- und naturverbundener Attitüde in Mecklenburg-Vorpommern an. Doch hinter der ökologischen Schale verbirgt sich ein brauner Kern. "Sie propagieren eine artgerechte, völkische, autoritäre Lebensweise, in der kein Platz für Pluralismus und Demokratie ist", sagt die Politikwisscnschaftlerin Gudrun Heinrich von der Universität Rostock. Gestern stellte sie gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung und den Regionalzentrum für demokratische Kultur das Buch "Braune Ökologen. Strukturen und Hintergründe am Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns."

Die Regionen Güstrow und Teterow gelten als Schwerpunkte. "Ungefähr 60 Erwachsene der sogenannten Siedler plus die dazugehörigen Kinder leben heute hier und ihre Zahl steigt", wird in dem Buch Richard Scherer zitiert, der in der Nachbarschaft wohnt und Mitglied im Kirchengemeinderat Reinshagen (Landkreis Rostock) ist. Inzwischen haben Familien mit völkisch-nationalem Hintergrund ihre Höfe auch in den Landkreis Ludwigslust-Parchim, Ostvorpommern, Nordwestmecklenburg und Rügen.

"Sie kommen ganz geziel hierher, weil sie genau wissen, dass es sich hinsichtlich ökonomischer, kultureller und sozialer Strukturen um einen leeren Raum handelt", berichtet Scherer weiter. Die Siedler würden sich davon geringen Widerstand erhoffen. Zudem könnten sie sehr billig Grund und Boden erwerben. Da sie als Privatleute kommen, könne niemand etwas gegen den Erwerb des Hofes unternehmen.

"Die braune Bio-Szene ist inzwischen gut vernetzt", schreibt der Journalist Andreas Speit in dem Buch. Ein reger Internet-Handel, Seminarangebote oder Ferien auf dem Biohof würden zu den Angeboten gehören.

Etwa ein Dutzent Familien haben als völkische Siedler die "Artamanen-Bewegung" im Orts-Dreieck Krakow am See, Koppelow und Klaber(Landkreis Rostock) zu neuem Leben erweckt. Schon im Dritten Reich hatte es dort die "Artamanensiedlung Koppelow" mit 14 Familien gegeben. Nazigrößen wie der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler waren Artamanen, die sich selbst "Hüter der Scholle" nennen.

Einer der neuen Siedler in Koppelow sorgte im Februar 2007 für Aufsehen, als er als Gründungsmitglieder der Initiative "Gentechnikfreie Region Nebel/ Krakow am See" Mitglieder des Agrarausschusses im Landtag zu einer Podiumsdiskussion eingeladen hatte. Als kurz vor dem Termin seine NPD-Mitgliedschaft bekannt wurde, sagten die Landespolitiker ab.

Der hintere Teil des Buch enthält Strategien und Handlungsmöglichkeiten gegen braune Ökologen vor sowie Adressen für weitere Informationen und Beratungsangebote.


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