Historie : Braucht Neustrelitz sein Schloss wieder?

Henry Tesch am Zaun der abgesperrten Schlosskellerruine
Henry Tesch am Zaun der abgesperrten Schlosskellerruine

Das Land will den Keller des 1945 zerstörten Herrschaftsgebäudes auffüllen, doch dagegen regt sich Widerstand

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28. Januar 2018, 05:00 Uhr

Ein altes Streitthema mit der Landesregierung kommt an diesem Montag in Neustrelitz wieder auf den Tisch. Die Stiftung Mecklenburg hat zum „Gedankenaustausch“ über das Areal des 1945 abgebrannten Schlosses am restaurierten Park geladen, wie der Vorsitzende des Stiftungsrates, Henry Tesch (CDU), sagte.

Er war längere Zeit Kultusminister in Schwerin. Unterstützung komme dabei aus der Hauptstadt. Ein Redner werde der Geschäftsführer vom Förderverein Berliner Schloss, Wilhelm von Boddien, sein. Er soll von seinen Erfahrungen beim Bau des Humboldtforums berichten, das an das Berliner Stadtschloss erinnert. „Verrückte Ideen sind durchsetzbar – oder wie man Freunde dafür gewinnt“, heißt sein Thema.

Tesch, jetzt Leiter am Gymnasium Carolinum, gehört zu einer Gruppe von Politikern, die sich auch für Neustrelitz einen ähnlichen Schloss-Wiederaufbau wünschen. „Der Stadt fehlt seit Jahrzehnten der Kopf“ verdeutlicht Stadtpräsident Christoph Poland. Auch Historiker sehen die Bedeutung des einstigen barocken Schlosses auf einer Stufe mit den großherzoglichen Schlössern im früheren Mecklenburg-Schwerin.

Nur Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) ist anderer Auffassung und das ist das Problem. Das Land ist Rechtsnachfolger für die vielen Adelsimmobilien und Eigentümer. Nach Ansicht seines Hauses „sind alle Argumente ausgetauscht.“ Nach jahrelanger Planung soll der Landesbetrieb für Bau und Liegenschaften (BBL) den fast zugewachsenen Schlosskeller ab März auffüllen. Das soll rund 1,2 Millionen Euro kosten und wird „Konservierung“ genannt. „Das Kellergelände wird beräumt, vorsichtig untersucht, gesichert und soll dann mit einem speziellen Fließsand verfüllt werden“, beschreibt es BBL-Sprecher Christian Hoffmann. So könnten spätere Generationen den Sand herausholen, falls sie einen Wiederaufbau oder anderes planten.

Einen „Schildbürgerstreich“ nennen das die Schloss-Befürworter. „Im Westen Mecklenburgs fließt Geld nach Ludwigslust, Bothmer, Güstrow und Schwerin und in Vorpommern bald nach Ludwigsburg“, erklärt Poland. Da falle die Region Mecklenburg-Strelitz als ein wichtiger Teil des Landes anscheinend „hinten runter.“ Das könne man nicht hinnehmen.

Das Finanzministerium verweist immer wieder darauf, dass Millionengelder des Landes in die Residenzstadt geflossen seien. Dem Land gehören unter anderem der die Orangerie, das Theater, mehrere weitere denkmalgeschützte Gebäude und der komplette Schlosspark Das lässt der Stadtpräsident nicht gelten. Brodkorb habe schon die „unsägliche Theaterreform“ eingeleitet, die vor allem Neustrelitz geschadet hätte. Sie ist derzeit auf Eis gelegt, man verhandelt ein Kooperationsmodell.

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