Brandzeichen sind heißes Eisen für Minister Backhaus

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06. Juni 2012, 07:27 Uhr

Schwerin | Während sich Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) frischverheiratet in den Flitterwochen erholt, brauen sich über seinem Ministerium in Schwerin dunkle Wolken zusammen. Harte politische Auseinandersetzungen drohen ausgerechnet zu seinem Lieblingsthema - der Pferdezucht.

Denn in seiner SPD mehren sich Stimmen, die das umstrittene Brandzeichen bei Pferden verbieten und damit eine Kabinettsentscheidung der schwarz-gelben Bundesregierung in Berlin unterstützen wollen. Doch der Koalitionspartner CDU im Schweriner Landtag und Pferdezüchter sind strikt gegen ein Verbot.

Wie beim Streit um die Massentierhaltung sitzt Pferdefreund Backhaus zwischen allen Stühlen. Aus seinem Ministerium war gestern keine eindeutige Stellungnahme zu bekommen. Der Ministeriumssprecher meinte nur schmall lippig: "Wir sind noch in der Meinungsbildungsphase."

Doch schon in gut drei Wochen am 3. Juli will Ministerpräsidenten Erwin Sellering (SPD) dazu eine Entscheidung im Kabinett, war aus Regierungskreisen zu hören.

Denn die Bundesregierung hatte bereits Ende Mai eine Gesetzesnovelle auf den Weg gebracht, die Brandzeichen auf Pferden und die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung verbietet. Das Gesetz muss allerdings noch im Bundestag und im Bundesrat unter Mitwirkung Mecklenburg-Vorpommerns beschlossen werden.

Die CDU im Nordosten begründet die Ablehnung des Verbotes so: "Brandzeichen auf Zuchtpferden sind Tradition und Markenzeichen für Qualität", sagte die agrarpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Beate Schlupp. Schenkelbrand sei keine gesundheitliche Beeinträchtigung der Pferde - vorausgesetzt, das Zeichen werde professionell eingebrannt. Unterstützung bekommt die Politikerin vom Pferdezuchtverein des Landes. Geschäftsführer Uwe Witt sagte gegenüber unserer Redaktion: "Es gibt Gutachten, die belegen, dass Brandzeichen den Tieren nicht mehr Schmerzen bereiten als das Inplantieren von Mikrochips." Diese zusätzliche Chip-Kennzeichnung ist bereits seit Jahren Vorschrift.

Anders sieht es die SPD. Für die tierschutzpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Katharina Feike reicht "aus Gründen des Tierschutzes die Kennzeichnung mit Chips" völlig aus. Scharfer Wind weht auch aus Richtung Opposition. "Es muss Schluss sein mit der Tierquälerei. Die Kennzeichnung durch Schenkelbrand ist längst überholt", sagte der Fraktionschef der Linken, Helmut Holter.

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