Power for Kids Schwerin : Brandstifter zu Haftstrafe verurteilt

Geschlossen: „Power for Kids“
Geschlossen: „Power for Kids“

Ehemaliger Vorsitzender eines Schweriner Jugendtreffs erhält zwei Jahre und sechs Monate Gefängnis

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29. November 2017, 20:45 Uhr

Der Verteidiger hatte noch versucht Zweifel zu säen, aber die Richter ließen sich nicht beirrren. Wegen schwerer Brandstiftung verurteilte das Amtsgericht Schwerin heute einen ehemaligen Vorsitzenden des umstrittenen Jugendtreffpunkts „Power for Kids“ zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis. Die Richter waren davon überzeugt, dass er Anfang April 2016 in der Wohnung eines Bekannten im Schweriner Stadtteil Mueßer Holz Feuer legte. Der 36-jährige sei der Einzige, der für die Tat infrage kommt, sagte der Vorsitzende Richter. Das Motiv des Brandstifters bleibe allerdings „schwer zu erkennen“.

Die Strafe fiel so hoch wie von der Staatsanwaltschaft gefordert aus. Angesichts der vielen ahnungslosen Bewohner des Hauses, die nur durch Glück mit dem Schrecken davonkamen, sei sie angemessen. Der Verteidiger des gelernten Kaufmanns forderte einen Freispruch, weil der Fall zu viele Widersprüche aufweise. Er warf der Staatsanwaltschaft vor, sie habe sich zu schnell auf den Angeklagten als Täter festgelegt und andere Verdächtige bei den Ermittlungen ausgeschlossen. Es sei durchaus denkbar, dass jemand anderes das Feuer legte. Er will das Urteil anfechten und hofft in einer Berufungsverhandlung auf ein besseres Ergebnis für seinen Mandanten.

Der Angeklagte wurde Vorsitzender des umstrittenen Vereins „Power for Kids“, nachdem sein Amtsvorgänger wegen vielfachen Kindesmissbrauchs wenige Monate zuvor zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden war. Dem Verein gehört ein Wohnblock, in dem auch der Angeklagte eine Wohnung hat. Am Tattag besuchte er einen Bekannten drei Etagen tiefer. Der bat darum, mit seinem kranken Kind ins Krankenhaus gefahren zu werden. Während der Bekannte den kleinen Sohn im Auto festschnallte, ging der Angeklagte noch einmal zurück ins Haus, „um Zigaretten zu holen“, wie er behauptete. Nach Ansicht des Gerichts nutzte er seinen Generalschlüssel, den er als Vereinschef hatte, um zurück in die Wohnung des Bekannten zu gelangen, und zündete mit Hilfe von Feuerzeuggas das Sofa an. Bereits zehn Minuten später schlugen die Rauchmelder in der Wohnung an. In diesem „engen Zeitfenster“ kommt laut Gericht nur der Angeklagte als Täter in Betracht.

Ursprünglich wurden dem Angeklagten sechs weitere Brandstifungen im Kelleraufgang des selben Wohnblocks zur Last gelegt. Vom Landgericht Schwerin war es abgelehnt worden, deswegen einen Prozess zu führen, allzu dünn war die Beweislage. Zudem unterlief den Ermittlern ein unnötiger Fehler. Wegen der vielen Brände installierten sie heimlich eine Kamera im Hausflur. Aus den Aufnahmen ergaben sich vermutlich auch Hinweise, wer die Wohnung anzündete. Da die Ermittler sich die Kamera nicht – wie vorgeschrieben – von einem Richter genehmigen ließen, durften die Video- und Tonaufnahmen im Prozess nicht benutzt werden.

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