Brandenburg punktet bei der ITB in Berlin

<strong>Großflächig, grün und freundlich</strong> -  so zeigt sich Brandenburg auf der diesjährigen  Internationalen Tourismus-Börse in Berlin.  Als Thema aufgegriffen: Die Landesgartenschau in Prenzlau, die am 13. April  beginnt. <fotos>Sophie Pawelke</fotos>
Großflächig, grün und freundlich - so zeigt sich Brandenburg auf der diesjährigen Internationalen Tourismus-Börse in Berlin. Als Thema aufgegriffen: Die Landesgartenschau in Prenzlau, die am 13. April beginnt. Sophie Pawelke

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08. März 2013, 10:02 Uhr

Berlin | Atmosphärisch und alle Sinne ansprechend - so das Urteil über die Präsenz Brandenburgs auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin. Gefällt hat es der Tourismusexperte Jan Kobernuß. Er war mit uns auf der weltgrößten Reisemesse unterwegs und verglich die Stände der deutschen Bundesländer. "Der Auftritt ist optisch sehr gelungen", so der Tourismusexperte. Das Land ist einer der insgesamt mehr als 10 000 Aussteller.

In Halle zwölf, der Stand mit der Nummer 101: Ein sattes Grün leuchtet dem Besucher schon von Weitem entgegen. Große Fotos ziehen sich durch die Halle, zeigen Seen und Herrenhäuser Brandenburgs. "Szene Marke Brandenburg" - heißt der Slogan, der groß auf den Werbeflächen steht. Insgesamt 77 Aussteller aus ganz Brandenburg verteilen sich auf einer riesigen Fläche, die zusammen mit jener der Bundeshauptstadt eine der größten auf der ganzen Messe bilden. Inseln aus Steinen, Holz, Blumen und Bäumen sind die Haltepunkte in der Halle. "Hier wurde ein Stück aus dem Urlaub direkt auf die Messe gebracht. Alle Sinne werden angesprochen", sagt Kobernuß beim ersten Blick auf den MV-Stand.

Der 50-Jährige ist Geschäftsführer der Freizeit- und Tourismusberatung IFT mit Sitz in Köln und Potsdam. Gemeinsam mit seinen Kollegen entwickelt er Tourismuskonzepte und Marketingprogramme für Kunden deutschlandweit. Seit mehr als 20 Jahren ist Kobernuß Gast der ITB, besucht hier seine Geschäftskunden. Auch für Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin konnte er schon Konzepte entwickeln.

Auffallend sei vor allem die Großzügigkeit, mit der sich Brandenburg in diesem Jahr auf der internationalen Tourismusmesse präsentiert. Das helle Grün, die Landschaft und die Naturmaterialien stehen im Mittelpunkt, die Informationsstände rücken in den Hintergrund. In Wellenformen - passend zu den Blumeninseln - schlängeln sich die Stände am Rande der Ausstellungsfläche entlang. Ein creme-farbener Teppich sorgt zusätzlich für Helligkeit und Wärme. "Die gesamte Präsentation ist sehr kleinteilig. Der Gast weiß sofort, wo er ist, wenn er die Halle betritt."

Weniger Prospekte, mehr Emotionen

Die finanziellen Kosten für einen Auftritt auf einer Messe wie der ITB bewegen sich laut Kobernuß im sechsstelligen Bereich. "Und es steht selten eine eins am Anfang." Umso wichtiger sei es für die Aussteller, bei der Gestaltung genau abzuwägen, was sinnvoll ist und was nicht, denn jeder Quadratmeter kostet Geld. Der Vorteil des offenen Bereichs: Die Besucher haben Platz, werden nicht gedrängt weiterzugehen und haben dank der Inseln die Möglichkeit, sich Pausen zu gönnen.

Eine wirkliche Kritik hat der Experte für Brandenburg nicht. Die Einbeziehung der Landesgartenschau, welche ab dem 13. April in Prenzlau zu sehen ist, empfindet Kobernuß als guten Kompromiss. Und auch so hätten die Veranstalter vieles richtig gemacht. Die Schriften befinden sich auf Augenhöhe, und die Besucher werden nicht von Informationen und unzeitgemäßen Prospekten erschlagen.

Die demonstrierte Nähe zu Berlin ist laut Kobernuß ebenfalls gut gewählt. "Die Stadt ist extrem wichtig als Tagesausflugsziel für Brandenburg-Touristen." Und auch umgekehrt profitieren beide Domizile voneinander, nämlich dann, wenn Berlin-Touristen einen Ausflug ins Ländliche planen.

Ebenfalls zurückhaltend, aber auf eine andere, weniger emotionalere Weise, präsentiert sich auch Niedersachsen. Gemeinsam mit dem Zusatzstand der Autostadt Wolfsburg ist das Bundesland schon länger Trendsetter im Bereich der Messepräsentation. Interaktive Elemente wie Touchscreens, Lichteffekte, nüchterne Farben und nur sehr wenig Prospekte - die optische Unterscheidung zu anderen Ständen fällt nicht nur dem Experten auf. Das Gegenteil: Mecklenburg-Vorpommern. Zwar sei auch hier der Auftritt gelungen, dennoch gebe es zu viele Prospekte, die den Kunden eher verwirren und vom Wesentlichen ablenken. Doch auch das sei eine Abwägungsfrage, denn viele der Prospekte stammen von Veranstaltern, die dafür zahlen, dass ihre Informationen auf den Messen verteilt werden und damit den Auftritt refinanzieren. Am Ende müsse eine perfekte Balance zwischen Ästhetik und wirtschaftlicher Notwendigkeit entstehen.

Heute kommen die Privatbesucher

Ein weiterer Gewinner in Sachen Präsentation ist nach Meinung des Tourismusexperten in diesem Jahr Sachsen-Anhalt. Mit großflächigen Bildern gotischer Mauern, einer Farbpalette in Sandtönen und edlen Naturmaterialien schafft Sachsen-Anhalt eine besondere Wohlfühl-Atmosphäre. "Der gesamte Auftritt wirkt optisch sehr anspruchsvoll und aufwendig. Man fühlt sich, als stünde man direkt in einer Kirche."

"Seit Jahren wird diskutiert, ob es sinnvoll ist, so viel Geld für Messeauftritte auszugeben", sagt Kobernuß. Bei einer Befragung seines Unternehmens sollte herausgefunden werden, wie sich die potenziellen Urlauber über ihre Reiseziele informieren. Das Ergebnis: Mehr als 40 Prozent nutzen das Internet, weniger als 5 Prozent besorgen sich ihre Informationen auf Messen. Dennoch hätten Veranstaltungen wie die ITB ihre Berechtigung und seien durchaus wichtig für Tourismusanbieter. "Nirgendwo anders ist die Kommunikation so intensiv wie hier. Bedenken können sofort ausgeräumt und Fragen beantwortet werden", so Kobernuß. Bis gestern hatte die ITB nur für Fachbesucher geöffnet. Heute und morgen ist sie für Privatbesucher offen.

Hintergrund:

Die Internationale Tourismus-Börse (ITB) gilt als weltweit wichtigster Treffpunkt der Reisebranche. In den Hallen am Funkturm werden touristische Trends gesetzt und Verträge in Milliardenhöhe geschlossen. Heute und morgen ist die ITB auf dem Messegelände Berlin für Privatbesucher geöffnet.

Von 10 bis 18 Uhr können Gäste in den 25 Hallen auf Entdeckungsreise gehen. Erstmals in diesem Jahr ist es möglich, direkt Reisen zu buchen. Ein Tagesticket kostet 14,50 Euro, für Kinder unter 14 Jahren ist der Besuch kostenlos. Die Messe erwartet bis morgen Abend rund 170 000 Gäste, darunter 110 000 Fachbesucher.

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