Wütende Bevölkerung : Brahlstorfer kämpfen für ihre Bibliothek

Gerhard Wartmann, Bürgermeister der Gemeinde Brahlstorf
Gerhard Wartmann, Bürgermeister der Gemeinde Brahlstorf

Für einige Gemeindevertreter könnte es auf der Sitzung in Düssin unangenehm werden. Nämlich dann, wenn Bürger in ihrer Fragestunde 350 Unterschriften für den langfristigen Erhalt der Gemeindebibliothek übergeben.

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10. Juni 2012, 07:35 Uhr

Brahlstorf | Für einige Gemeindevertreter könnte es heute Abend auf der Sitzung in Düssin unangenehm werden. Nämlich dann, wenn aufgebrachte Bürger in ihrer Fragestunde mindestens 350 Unterschriften für den langfristigen Erhalt der Gemeindebibliothek übergeben. Inzwischen gibt es sogar eine zweite Unterschriftenliste mit weiteren 268 Meldungen. Eine ganze Region scheint aufgebracht: Denn seit dem 7. Mai ist in Brahlstorf und Umgebung nichts mehr so wie es mal war. Gemeindevertreter Ralf Schulzke (CDU) hat das mit seinem allgemeinen Sparantrag ins Rollen gebracht. Man solle doch prüfen, ob man sich z. B. die Bibliothek künftig überhaupt noch leisten könne, heißt es da. Brahlstorf gibt für seine 1950 von Paul Hotopp gegründete Gemeindebibliothek immerhin 15 000 Euro im Jahr aus. Genauso viel wie im Übrigen für die Straßenbeleuchtung. Weiteres Geld für die Gemeindebibo kommt von der Gemeinde Vellahn. Dafür kann Bibliothekarin Carola Wartmann ihren 400 eingetragenen Nutzern aus der ganzen Region immerhin 10 000 Bücher, CD’s, Spiele und mehr anbieten. Mehr als 7300 Ausleihen pro Jahr zeigen, dass das Angebot angenommen wird. Die Nutzer kommen längst nicht mehr nur aus Brahlstorf oder Düssin. Etliche Nutzer wohnen auch im benachbarten Amt Neuhaus.

Das alles könnte in drei bis vier Jahren, vielleicht auch eher, wegfallen. Aus schlichten Spargründen, wie es scheint. Dabei wissen die Gemeindevertreter aufgrund der Umstellung auf ein neues Haushaltssystem noch gar nicht genau, wie die aktuelle Kassenlage der Gemeinde überhaupt ist.

Dafür wissen die Befürworter der Bibliothek ziemlich genau, was sie verlieren würden. Ziemlich groß ist die Entrüstung auch an der Vellahner Schule, die oft und gern auf das Angebot aus Brahlstorf im Sinne der Kinder und ihrer Lesefähigkeiten zurückgreift. "Wer einmal gesehen hat, wie die Kinder sich freuen, wenn sie ihr erstes Buch im Leben allein gelesen haben, der kann nicht verstehen, wie man auch nur auf den Gedanken kommen kann, eine Bibliothek zu schließen", ist Grundschullehrerin Ellen Wulf empört.

Bürgermeister Gerhard Wartmann muss und will sich in der Bibo-Frage zwar aus persönlichen Gründen zurückhalten, eine klare Meinung hat er dennoch: "Wir müssen uns bei allen Sparzwängen doch fragen, ob wir das letzte bisschen Infrastruktur, das wir noch haben, auch noch kaputt machen wollen. Was soll noch weg nach der Bibo? Das Waldbad? Die Schule? Brahlstorf ist schon auf dem Weg zum Schlafdorf. Das, was wir haben, sollten wir erhalten. Auf der anderen Seite müssen wir uns eben verstärkt nach anderen Einnahmequellen für die Gemeinde deutlich stärker umsehen."

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