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Schlösser und Gutshäuser : Brände in alten Gemäuern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gut Schwechow beherbergt älteste Obstbrennerei des Landes / Im Hofladen kann man die Produkte kaufen

Dies sind wohl die schönsten und stilvollsten Produktionsgebäude im ganzen Land: errichtet aus rotem Backstein, außen restauriert, innen modern ausgestattet mit großen, glänzenden Kesseln. Darin entstehen Brände, Geister und Liköre aus verschiedenen Früchten, angefangen bei Apfel und Pflaume über Kirsche und Birne bis zu Banane und Ananas. „Das ist die höchste Veredlungsstufe von Obst“, sagt Frank Jehring, Geschäftsführer sowohl der Firma Fruchtquell in Dodow als auch der 1. Mecklenburger Obstbrand GmbH hier in Schwechow bei Hagenow. „Über viele Jahre habe ich das gemeinsam mit Richard Hartinger senior gemacht. Ihm gehört die RiHa-Gruppe, die Säfte produziert, auch bei Fruchtquell. Aber nun, mit 85 Jahren, möchte er sich aus dem Geschäftsleben zurückziehen.“

Hartinger lebt seit 1997 im Gutshaus nebenan. Zu dem ehemaligen Volkseigenen Gut (VEG) gehörten 26 alte Gebäude. Zu DDR-Zeiten befand sich hier eine der größten Ausbildungsstätten für Landwirte mit Abitur, darunter auch Landwirtschaftsminister Till Backhaus. Die Absolventen treffen sich noch heute alle drei Jahre. Im Haupthaus waren der Konsum, die Gemeindebibliothek und ein Kindergarten untergebracht. Nur vier der alten Gebäude blieben erhalten und beherbergen heute die Brennerei. Die Früchte für die edlen Spirituosen kommen zum Teil aus eigener Produktion, manche Sorten werden zugekauft. Der Unterschied zwischen Obstbrand und Obstgeist liegt in der Herstellung. „Für die Brände wird ausschließlich das Jahrgangsobst mit seinem Aroma verwendet“, erklärt Jehring. „Das ist natürlich unterschiedlich – ähnlich wie beim Wein. Kenner schätzen das.“ Viele Kunden des Hofladens kaufen die Flaschen als Geschenk, auch Gastronomen nehmen die exklusiven Spirituosen gern ab. Im Winter bietet das Gut Schwechow den Mitarbeitern von Hotels und Restaurants kostenlose Schulungen an, um sie in die Feinheiten Herstellung einzuweihen.

Und wenn Touristen auch zu Hause die edlen Tropfen genießen wollen, können sie sie über das Internet bestellen. 70  000 Flaschen unterschiedlicher Größen werden jedes Jahr abgefüllt – im Spirituosenregal immer noch ein Nischensegment mit einer Zielgruppe jenseits der 60, weiß Jehring. „Wir wollen diesen Schnitt senken und außerdem den Fokus stärker auf den Genuss lenken.“ Die Marke Schwechower ist auf den Weg gebracht, aber es wird noch etliche Jahre dauern, ehe sie endgültig etabliert ist. Im Hofladen und auch im Internet-Shop gibt es neben den Flaschen auch hofeigene Spezialitäten wie Honig, Marmeladen und Wurst. Ab und zu überraschen die Schwechower ihre Kunden mit Besonderheiten wie zuletzt dem Zigarren-Brand. Das Gutshaus selbst bewohnt Richard Hartinger senior mit seiner Frau. Der Park drumherum dagegen ist für jedermann geöffnet. Reisegruppen können die Brennerei und die angrenzenden Obstplantagen besichtigen. Und direkt neben dem alten Gutsgelände gibt es einen landwirtschaftlichen Betrieb, eine Trocknungs- und eine Biogas-Anlage. „Der Senior wollte immer eine enge Verbindung zwischen dem traditionellen Gutshof und der gewerblichen Nutzung“, sagt Jehring.


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