Wirtschaft : Boom der Luft- und Raumfahrtbranche im Norden verhaltener

Ingenieure arbeiten am Deutschen Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR) an einem Forschungssatelliten.

Ingenieure arbeiten am Deutschen Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR) an einem Forschungssatelliten.

Die Luft- und Raumfahrtindustrie kann derzeit nicht über mangelnde Aufträge klagen. An den norddeutschen Standorten machen sich die Betriebsräte dennoch Sorgen, weil zwei Großprojekte nicht rundlaufen. Für viele Beschäftigte sind höhere Löhne nicht das wichtigste Ziel.

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14. November 2018, 15:42 Uhr

Die boomende Luft- und Raumfahrtindustrie ist nach Angaben von Betriebsräten im Norden nicht ganz so optimistisch wie im übrigen Deutschland. „Während im Süden fast die Hälfte der Betriebe weitere Arbeitsplätze schaffen will, plant das im Norden nur ein Viertel“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken, am Mittwoch in Hamburg. Einer Umfrage zufolge gehen knapp 28 Prozent der befragten Betriebsräte in Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern davon aus, dass sich die Auftragslage verbessern wird. Im Süden und der Mitte Deutschlands hätten 37 Prozent der Betriebe diese Erwartung.

Im Auftrag der Gewerkschaft befragte die Agentur für Struktur- und Personalentwicklung bundesweit 62 Betriebe mit rund 74 000 Beschäftigten, aus dem Norden stammten 21 Unternehmen mit gut 30 000 Mitarbeitern. Die etwas weniger optimistische Lage in Norddeutschland erklärte der Forschungsleiter der Agentur, Thorsten Ludwig, mit der breiteren Struktur der Branche in dieser Region mit dem Militärflugzeugbau und der Raumfahrt. Die unsichere Auftragslage beim Militärtransporter A400M, aber auch beim Großraumflugzeug A380 setze Zulieferer unter Druck. Gleiches gelte für die Raumfahrtindustrie, bei der die Kommerzialisierung in den USA für Unsicherheiten sorge.

Im zivilen Flugzeugbau, der eigentlich besonders stark zum Wachstum beiträgt, gibt es für die Gewerkschaft einen Problemfall in Hamburg.

Der Flugzeugtoiletten-Hersteller Diehl Aviation wolle seine komplette Serienproduktion nach Ungarn verlegen und an seinem Standort neben Airbus in Finkenwerder mehr als 500 Arbeitsplätze abbauen. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft kritisieren das. Die Löhne machten weniger als 30 Prozent der Produktionskosten aus, sagte der Betriebsratsvorsitzende Ulrich Orth. Es gebe andere Möglichkeiten, die Produktivität am Standort Hamburg zu steigern.

Firmen hätten auch einen politischen Auftrag, ergänzte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Airbus Operations, Jan-Marcus Hinz.„Wenn man sich überlegt, wo Produktionen hingegeben werden, dann muss man sich auch das Umfeld in diesen Ländern angucken.“ Dabei seien demokratische Grundstrukturen und die Mitbestimmung der Arbeitnehmer sehr wichtig. Der Diehl-Konzern verfügt in Ungarn bereits über einen Standort.

Grundsätzlich ist in der Branche aber nicht der Wegfall von Jobs das Problem, sondern der Mangel an Fachkräften. Derzeit sind fast zwei Drittel der Betriebe zu 100 Prozent oder mehr ausgelastet. Viele Beschäftigte verzichteten lieber auf Lohn als auf Freizeit. So sei ein geplantes Sechs-Tage-Modell in einer Abteilung von Airbus auf Ablehnung gestoßen. Die Bereitschaft zum Gehaltsverzicht habe auch ihn überrascht, sagte Geiken.

Scharf kritisierte der Gewerkschafter die Ausbildungsquote der Unternehmen, die im Norden bei 3,8 Prozent der Beschäftigten liegt.

Das sei ein unhaltbarer Zustand und reiche nicht mal, um die Altersabgänge aufzufangen, sagte Geiken. Nicht gern sieht die IG Metall auch den Anteil der Leiharbeiter im Norden von 14,5 Prozent.

Immerhin machten die Leiharbeiter aber auch mehr als die Hälfte bei den Neueinstellungen aus, würden also häufig in die feste Belegschaft übernommen.

Geiken forderte auch die Einstellung von mehr Frauen und deren stärkere Einbindung in die Führungsebene. Derzeit beträgt der Frauenanteil in der Branche deutschlandweit nur 15,5 Prozent. Bei den Neueinstellungen machen Frauen der Studie zufolge zurzeit 20,9 Prozent aus.

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