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Interview : Bonnie Tyler in Schwerin: Keine Angst vor Dieter Bohlen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bonnie Tyler singt gern ihre großen Hits, mag aber auch neue Herausforderungen – morgen ist sie live auf der Freilichtbühne in Schwerin

Bonnie Tyler (Jahrgang 1951) gilt heute als Rock-Ikone der 80er-Jahre, hat mit „Holding Out for a Hero“ und „Total Eclipse of the Heart“ zwei der weltweit erfolgreichsten Bombast-Rock-Balladen aller Zeiten eingesungen. Fast vergessen ist dagegen, dass die Sängerin bereits 1975 erste Erfolge als Pop-Sängerin feierte. Wir sprachen mit Bonnie Tyler, die morgen mit ihrer Band auf der Schweriner Freilichtbühne auftreten wird, über den langen Weg zum Erfolg, Höhen und Tiefen ihrer unglaublichen Karriere und neue Pläne.

Frau Tyler, Sie sind in Wales aufgewachsen. Dort wird traditionell viel gesungen. Hat Ihnen das bei Ihrer Karriere geholfen?
Bonnie Tyler (lacht): Sie haben recht. Meine Mutter war ein großer Fan der Oper. Sie hätten sie singen hören sollen. Meine fünf Geschwister liebten Pop-Musik. Das ging von Elvis und Frank Sinatra bis zu den Beatles. Musik war von Kindheit an mein treuer Begleiter. Meinen ersten öffentlichen Auftritt hatte ich in der Kirche. Als ich etwas älter wurde, träumte ich davon, in einer Band zu singen. Am Wochenende Spaß zu haben und zu singen – das war mein Ziel. An eine Karriere im Musik-Geschäft habe ich nicht im Traum gedacht.

Und trotzdem sind Sie genau dort gelandet?
Bonnie Tyler: Ich habe 1969 an einem lokalen Sängerinnen-Wettbewerb teilgenommen, den zweiten Platz belegt. So landete ich in einer Band, die an Wochenenden für die Leute in unserer Region zum Tanz aufspielte. Das ging so einige Jahre,bis mich ein Mitarbeiter der Schallplattenfirma RCA zu Probeaufnahmen nach London einlud. Daraus entwickelte sich ein Schallplattenvertrag. Meine erste Single erschien im Frühjahr 1976, erhielt jedoch kaum Aufmerksamkeit.

Das änderte sich mit dem zweiten Versuch. War das nicht „Lost in France“?
Ja. Dieses Lied brachte mir internationalen Erfolg. In Großbritannien kam es in die Top Ten. Die größten Erfolge feierte der Song in Südafrika und Deutschland. Am Ende gab es Platin. 1978 konnten wir dann mit „It’s a Heartache“ einen echten Welterfolg landen, der auch in den Billboard Charts in den USA erfolgreich war.

Der Song ist eine der meistverkauften britischen Singles aller Zeiten. Im Vergleich zu „Lost in France“ fällt auf, dass sich Ihre Stimme verändert hatte. Was war passiert?
Auf Anraten meiner Ärzte hatte ich mich einer Stimmbandoperation unterzogen. Ich sollte dann sehr lange kein Wort reden, nur schweigen. Das habe ich nicht durchgehalten. So veränderte sich meine Stimme, bevor wir „It’s a Heartache“ aufnahmen. Zuerst war ich über den neuen Klang etwas erschrocken. Aber den Leuten gefiel es.

Sie wurden durch das rauchige Timbre als weiblicher Rod Stewart apostrophiert. Hat Sie das genervt?
Nein. Ganz im Gegenteil. Ich bin ein Fan von Rod Stewart. Er singt großartig, seine Stimme ist nach wie vor unverkennbar.

In den 80er Jahren haben Sie durch Ihre Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Produzenten Jim Steinman Rock-Geschichte geschrieben. Wie kam es dazu?
Ich liebte die Sachen, die Steinman zuvor mit Meat Loaf gemacht hatte. „Bat Out of Hell“ lief bei mir rauf und runter. Ich wusste, genau diese Art von Songs waren maßgeschneidert für meine Stimme. Und so kam es dann auch.

Sie haben trotz Ihrer Riesenerfolge im Rock immer wieder Pop-Alben eingespielt. Anfang der 90er Jahre gab es sogar eine Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen. Hatten Sie keine Angst, dass da die Rock-Fans die Nase rümpfen?
(lacht) Nein. In erster Linie singe ich gern. Ich habe keine Angst vor Dieter Bohlen. Er ist ein netter Kerl, versteht sein Handwerk. Und ein guter Song ist und bleibt ein guter Song. Ob das nun Hard Rock oder Pop ist. Ich habe im Laufe meiner Karriere erfahren, dass es nicht immer nur steil bergauf geht. Es kann auch rückwärts laufen. Dann ist es hilfreich, etwas anderes auszuprobieren.

Veränderung als Erfolgsrezept - gilt das auch heute?
Ich bin kein Mensch, der auf der Stelle tritt. Ich singe gern meine großen Hits, all die Songs, die meine treuen Fans von mir hören möchten. Aber mich interessieren auch neue Herausforderungen. So arbeite ich gerade mit John Carter Cash im Studio seines Vaters Johnny Cash unweit von Nashville an einem Country-Album. Drei Songs sind fertig. Ich bin sehr gespannt, was am Ende dabei herauskommen wird.
 

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