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Mecklenburg-Vorpommern

18. August 2017 | 20:28 Uhr

Bombenbergung bleibt Herkulesaufgabe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Rund 72 Tonnen Kampfmittel wurden 2012 planmäßig unschädlich gemacht

Die Hinterlassenschaften der Weltkriege beschäftigen weiter den Munitionsbergungsdienst in Mecklenburg-Vorpommern. 2012 machten die Spezialisten im Land rund 72 Tonnen Kampfmittel unschädlich, das Gros davon wurde bei planmäßigen Sondierungen von alten Militärgeländen oder neuen Baugebieten aufgespürt, wie eine Sprecherin des Innenministeriums mitteilte. Für das Jahr 2013 lägen noch keine Zahlen vor. Es sei aber von einem ähnlichen Bergungsvolumen auszugehen, erklärte die Sprecherin. Auch Zufallsfunde erfordern immer wieder den Einsatz der Kampfmittelräumer: Erst kurz vor Silvester zog ein Angler eine russische Übungsgranate zur Panzerabwehr aus dem Runden See bei Teterow.

Im Jahr 2012 wurden etwas mehr als fünf Tonnen Bomben, Munition und Fragmente von Kampfmitteln nach zufälligen Funden bei 445 Soforteinsätzen der Experten des Munitionsbergungsdienstes abtransportiert und vernichtet. Das waren weniger als in den Jahren davor. 2011 umfassten die Soforteinsätze rund zwölf Tonnen, 2010 knapp neun Tonnen Kampfmittel.

In MV stehen drei Einsatzteams rund um die Uhr für das Bergen von Munition bereit. Es gibt zwei Zerlegebetriebe, einen in Jessenitz bei Lübtheen und einen weiteren in Mellenthin auf der Insel Usedom. Nach früheren Einschätzungen des Munitionsbergungsdienstes braucht es noch mindestens hundert Jahre, bis alle akut verseuchten Flächen im Nordosten von den gefährlichen Hinterlassenschaften geräumt sein werden.

Von etwa 150 000 Hektar ist bekannt, dass diese Flächen mit Kampfmitteln belastet sind, akute Gefahren gehen von etwa einem Drittel dieser Flächen aus. Schwerpunkte von zufälligen Funden bei Bauarbeiten lagen bisher in den Städten Rostock, Wismar und Schwerin sowie auf früheren Truppenübungsplätzen. Doch auch wer anderswo den Boden untersucht, kann auf Sprengkörper stoßen. Im vergangenen September fanden Archäologen bei der Suche nach Siedlungsresten in Penkun nahe Prenzlau eine 50 Kilogramm schwere Bombe, die anschließend gesprengt wurde.

Annähernd 65 000 Hektar belastete Gebiete befinden sich in der Ostsee vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns, wenngleich hier aufgrund der Wassertiefen keine unmittelbare Gefährdung für Menschen besteht, wie Experten glauben. Im Juli 2013 wurden zwei Wasserbomben aus dem Zweiten Weltkrieg in der Ostsee vor MV gesprengt, eine dritte Bombe konnte an Land entschärft werden. Die jeweils 140 Kilogramm schweren Bomben mussten aus der viel befahrenen Kadetrinne gezogen werden.

Die Hinterlassenschaften zweier Weltkriege, der DDR-Volksarmee und der sowjetischen Streitkräfte stellten in ihrer Gesamtheit auch heute noch eine ernst zu nehmende Gefahr dar, hieß es vom Innenministerium. Entspannung sei nicht in Sicht. Wie gefährlich die Altlasten sind, hatte sich erst jüngste Woche in Nordrhein-Westfalen gezeigt. In Euskirchen bei Bonn starb ein Baggerfahrer, als er mit seinem Gefährt auf einen Blindgänger stieß.

Aktuelle Luftbilder bringen laut Ministerium immer neue und genauere Erkenntnisse zu Kampfmitteln im Boden. 2012 wurden zudem mehr als 600 Kriegsluftbilder aus Archiven der Alliierten für die gezielte Suche etwa nach Bombenblindgängern angekauft. Allein 2012 wurden auf Basis solcher Archiv-Luftbilder zwölf neue Belastungsflächen, darunter Areale für die künftige Autobahn 14, in das Kampfmittelkataster des Munitionsbergungsdienstes des Landes übernommen. Aufgrund des gewaltigen Umfangs der Aufgaben würden im Nordosten auch Privatfirmen unter Kontrolle des Landes mit der Munitionsbergung beauftragt, erklärte die Ministeriumssprecherin. Pro Jahr würden insgesamt rund 200 Hektar Flächen im Nordosten abgesucht und beräumt.

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erstellt am 06.Jan.2014 | 00:33 Uhr

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