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Landesverband zieht in Parchim die Notbremse : Böses Foul: Fußballschule macht dicht

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Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: In der Landesfußballschule in Parchim gehen am 31. Dezember die Lichter aus. Auch Uwe Kanter, der die Sportschule seit fast zwei Jahrzehnten leitet, kann es noch nicht fassen.

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erstellt am 11.Okt.2012 | 08:15 Uhr

Parchim | Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: In der Landesfußballschule am Parchimer Wockersee gehen am 31. Dezember die Lichter aus. Auch Uwe Kanter, der die Sportschule seit fast zwei Jahrzehnten leitet, kann es noch nicht fassen. "Täglich rufen Sportfreunde an, die seit Jahren mit ihrem Nachwuchs bei uns trainieren und nun verunsichert sind. Es fällt schwer, aber ich muss alle Reservierungen absagen", so der 55-Jährige. Wie es weitergeht, kann er nicht sagen. "Noch hält mein Team zur Stange. Gekündigt wurde auch noch niemand, aber wir haben nur wenig Hoffnung." Neben Uwe Kanter, der hier vor 26 Jahren als Platzwart begann, sind auch seine Frau Heike im Service und zwei weitere Mitarbeiter vor Ort beschäftigt.

Als Anfang September der Präsident des Landesfußballverbandes Joachim Masuch in die Eldestadt kam, um die Hiobsbotschaft persönlich zu überbringen, blieb am Ende nur Ratlosigkeit. Für Masuch ist die Sache klar: Die Einnahmen der Sportschule decken nicht die Kosten und das schon seit Jahren. "Wir haben versucht, die Verluste zu kompensieren oder die Sportschule in Trägerschaft des Landes zu überführen. Doch die umfangreichen Verhandlungen, bei denen auch das Innen- und Sportministerium, der Landessportbund und die Stadt Parchim einbezogen waren, blieben bislang ergebnislos", so der Fußballpräsident.

Bürgermeister Bernd Rolly (SPD) und sein zuständiger Fachbereichsleiter Dirk Johannisson sind "stocksauer". "Was hat der Landesfußballverband nicht alles versprochen. Da sollte umfangreich saniert, eine Sporthalle gebaut und Kunstrasen verlegt werden. Passiert ist nichts", resümiert Johannisson. Anfang der 90er Jahre kam das Angebot, die Sportanlagen am See an den Landesfußballverband abzugeben, gerade recht. In der Stadt gab es schließlich mit dem Jahnsportplatz und den Anlagen am Gymnasium zwei weitere sanierungsbedürftige Einrichtungen, die vor allem für den Schulsport unverzichtbar waren. Alle Beteiligten, darunter auch der Landkreis, haben ihre Verpflichtungen längst erfüllt, nur die Plätze am Wockersee dümpelten vor sich hin. 1994 hatten die Parchimer Stadtvertreter nicht lange gezögert und die Grundstücke zweckgebunden und kostenlos an den Landesfußballverband übertragen. "Wir haben uns verpflichtet, bei Nichtbetrieb der Landesfußballschule der Stadt die Grundstücke unverzüglich zurück zu übertragen. Insoweit wird die Stadt ab 1.1.2013 wieder Eigentümer sein und selbst entscheiden, welche Nachnutzung hier erfolgen soll", betont Joachim Masuch.

"So einfach wird die Sache nicht", meint der Erste Stadtrat Detlev Hestermann, zugleich Rechtsexperte: "Über eine Rücknahme entscheiden die Stadtvertreter". Hinter den Kulissen laufen weiterhin Gespräche. "Der Stadt fehlt bekanntlich das Geld, um eine weitere Sporteinrichtung zu unterhalten. Priorität hat für uns, dass die neue Situation nicht zu Lasten des Kinder- und Jugendsports gehen darf. Wir suchen nach einem Kompromiss, bei dem auch das Land, der Landkreis und die betroffenen Sportvereine ihren Beitrag leisten müssen", stellt Dirk Johannisson klar.

"Kalt erwischt" hat das Aus der Fußballschule vor allem den Parchimer Fußballclub (PFC). Die 250 Mitglieder sind unmittelbar betroffen, weil sie mit den Plätzen am See ihre Basis verlieren könnten. Die Stadt hat nach Bekanntwerden der Schließungsabsicht den Landesfußballverband dringend aufgefordert, sich dafür einzusetzen, den Trainings- und Wettkampfbetrieb sicherzustellen. "Uns wird die Zeit knapp. Ich befürchte, dass es schwierig wird, kurzfristig Finanzierungsalternativen zu finden", so PFC-Vorstand Thomas Wien. "Das könnte für den Landesfußballverband ein Eigentor werden. Wenn es keine Lösung gibt, steigen wir ihnen aufs Dach", kündigt Thomas Wien bereits Proteste an.

Die Kreisstadt verliert nicht ihre erste überregional bedeutende Einrichtung: Nach dem Landesamt für Landwirtschaft, der Polizeiinspektion und dem Finanzamt sollen das Amtsgericht, das Bundessortenamt und nun die Landesfußballschule dicht machen. Auch das Landestheater ist längst nicht aus dem Schneider.

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