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Ribnitz-Damgarten : Böller-Attacke auf Rettungskräfte

vom
Aus der Onlineredaktion

Sanitäter und Feuerwehrmänner werden immer wieder zur Zielscheibe

svz.de von
erstellt am 06.Feb.2017 | 20:30 Uhr

Sie kamen , um zu helfen und gerieten selber in Gefahr: Rettungssanitäter und ein Notarzt sind bei einem Einsatz in Ribnitz-Damgarten von einem Unbekannten mit Feuerwerkskörpern beworfen worden. Der Rettungswagen war am Sonntagabend zu einem Patienten gerufen worden. Am Einsatzort flogen nach Angaben der Polizei aus dem dritten Stock eines Hauses plötzlich Böller auf die Helfer. Nur ein Baum verhinderte, dass die Sanitäter und der Arzt getroffen wurden.

„Dass Schaulustige die Arbeit von Rettungskräften behindern, kommt immer wieder vor, aber eine Böllerattacke ist völlig neu“, teilte eine Polizeisprecherin zu dem Vorfall mit. Die Beamten ermittelten nun wegen versuchter Körperverletzung und Widerstand gegen Rettungskräfte im Einsatz. Ein Tatverdächtiger war bis Montagnachmittag noch nicht ermittelt. Dass Sanitäter, Notärzte und Feuerwehrleute im Einsatz zur Zielscheibe werden , passiert auch in Mecklenburg-Vorpommern immer wieder. „Beleidigungen und Pöbeleien gehören zur Tagesordnung“, sagt der Leiter der Schweriner Feuerwehr, Stephan Jakobi. Es gebe aber auch immer öfter tätliche Angriffe. „Kollegen werden bespuckt, im Einsatz bedrängt und bedroht“, schildert der Feuerwehrchef. Auf den Rettungswagen der Schweriner Feuerwehr würde bereits seit Jahren immer mindestens ein Mann mitfahren.

Das Landeskriminalamt hat im vergangenen Jahr rund 20 Übergriffe auf Feuerwehrmänner und Mitarbeiter im Rettungsdienst gezählt. „Das ist nur die Spitze des Eisberges“, weiß der Notfallmediziner und Vize-Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Notärzte in MV, Dr. Jens-Peter Keil. Nicht jeder Zwischenfall werde angezeigt. „Bei psychisch auffälligen Patienten macht das oft keinen Sinn“, erklärt Keil. Seiner Einschätzung nach habe der Respekt und die Wertschätzung gegenüber Rettungskräften spürbar abgenommen. „Eine Eskalation ist jederzeit möglich, vor allem wenn Alkohol im Spiel ist oder bei Auseinandersetzungen die Atmosphäre aufgeheizt ist.“ Keil kennt Fälle, in denen Einsatzkräfte sogar mit Messern und abgebrochenen Flaschen attackiert wurden.

Von einer zusätzlichen Ausrüstung für Helfer wie etwa Schutzwesten halten der Mediziner und der Feuerwehrchef aktuell nichts. Die Notärzte setzen stattdessen auf Deeskalations-Training. „Im Ernstfall rufen wir die Polizei“, sagt Keil. Ähnlich geht die Feuerwehr in Schwerin vor. „Bei kritischen Einsätzen wird die Polizei über die Leitstelle gleich mit alarmiert“, erklärt Stephan Jakobi.

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