zur Navigation springen

Ackerland im Nordosten 23 Prozent teurer : Bodenpreise steigen auf Rekordhöhe

vom

Preisrallye auf dem Acker: Die Preise für die vom Bund privatisierten Agrarflächen in MV waren noch nie so hoch wie im vergangenen Jahr. Knapp 15 000 Euro mussten Bauern für einen Hektar im vergangenen Jahr ausgeben.

svz.de von
erstellt am 02.Feb.2012 | 08:32 Uhr

Schwerin | Preisrallye auf dem Acker: Die Preise für die vom Bund privatisierten Agrarflächen in MV waren noch nie so hoch wie im vergangenen Jahr. Knapp 15 000 Euro mussten Bauern für einen Hektar im vergangenen Jahr ausgeben - 23 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und doppelt so viel wie vor fünf Jahren, teilte die Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) gestern in Schwerin mit. Die Preise kennen kaum noch Grenzen: In der Spitze seien sogar 30 000 Euro für einen Hektar bezahlt worden, erklärte der Schweriner BVVG-Niederlassungschef Johann Jacob Nagel. Mancherorts hätten die Preise für die Betriebe die Grenze der Wirtschaftlichkeit erreicht. Nach Sachsen-Anhalt werden damit in MV inzwischen die zweithöchsten Ackerpreise gezahlt - nur 3700 Euro weniger als in den alten Bundesländern.

Der Bund macht Kasse: Die starke Nachfrage habe zu "einem unerwartet hohen Anstieg" der Preise geführt, sagte Neubrandenburgs BVVG-Niederlassungschef Rosemarie Hildebrandt. Auch der Pachtzins sei um 23 Prozent auf 248 Euro je Hektar geklettert.

Den Bauern kommt die Privatisierung teuer zu stehen: Rund eine Milliarde Euro kassiert der Bund in den vergangenen fünf Jahren nur in MV - allein 274 Millionen Euro im vergangenen Jahr - Rekord.

Schluss mit der Preistreiberei durch die BVVG, forderte Prof. Fritz Tack, agrarpolitischer Sprecher der Linken-Landtagsfraktion gestern. Dies diene nur Bodenspekulanten. Viele Landwirte seien gezwungen, bei den viel zu hohen Preisen mitzubieten, um den Boden als Produktionsgrundlage für sich zu erhalten. Allerdings fehle dann das Geld für Investitionen, meinte Tack und forderte, das Land müsse die verbliebenen BVVG-Flächen übernehmen und an einheimische Bauern verpachten.

Die BVVG verteidigte die Praxis: Die Privatisierung erfolge nach den von Bund und Ländern festgelegten Grundsätzen und müsse mit EU-Recht vereinbar sein. Ein Verkauf unterhalb der Gebotshöhe käme einer unerlaubten Beihilfe gleich, so Nagel. Zudem: Der hohe Kaufdruck der Pächter sorge für die hohen Preise, sagte Hildebrandt.

Für die Landwirte wird im größten Bodengeschäft in der Nachkriegszeit der Acker langsam knapp: Die bundeseigenen Privatisierer haben im vergangenen Jahr 22 000 Hektar an neue Eigentümer gegeben. In diesem Jahr solle das letzte Viertel der Acker-Privatisierung in MV beginnen, erklärte Niederlassungschef Nagel. 107 000 Hektar von einst mehr als 400 000 Hektar stehen in den nächsten Jahren noch zur Privatisierung an. Vorrang habe in diesem Jahr der verbilligte Bodenverkauf an Alteigentümer. Bis Ende September 2011 seien 842 entsprechende Kaufanträge gestellt worden - rund 18 000 Hektar sollen zum Verkehrswert von 2004 abzüglich 35 Prozent verkauft werden - ein Unterschied von 10 000 Euro je Hektar zu den derzeitigen Preisen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen