zur Navigation springen

Impftests an Fohlen : Boden könnte verseucht sein

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Impfung von Fohlen mit lebenden genveränderten Bakterien hatte im Vorjahr in Grabow Angst vor Gesundheitsrisiken für Menschen ausgelöst. Der Versuch wurde abgebrochen. Jetzt stellt sich heraus, dass Sicherheitsvorkehrungen nicht eingehalten wurden.

Umweltschützer haben nach dem umstrittenen Impfversuch an Fohlen im südwestmecklenburgischen Grabow Bodenuntersuchungen im Gestüt des Ex-Springreiters Paul Schockemöhle gefordert. 2013 war dort erstmals in Deutschland Fohlen ein Impfstoff mit genveränderten lebenden Bakterien gegen Lungenentzündung  injiziert worden. Wie die Umweltorganisation BUND und das Umweltinstitut München am Mittwoch mitteilten, ist nicht auszuschließen, dass sich der Impfstoff verbreitet hat und der Gesundheit von Menschen schaden könnte. Bei den Testimpfungen wurde nach Ansicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz gegen Sicherheits- und Aufsichtspflichten verstoßen.

Ein Risiko des Versuchs des holländischen Herstellers Intervet besteht in der Ausbreitung der gentechnisch veränderten Bakterien über den Kot der Fohlen, wie der BUND-Gentechnik-Experte Burkhard Roloff sagte. Laut Zwischenbericht der Aufsichtsbehörde übersah die Firma Intervet, dass sie nach den Tests 2013 in der Umgebung des Stalles hätte Bodenproben entnehmen müssen, um eine Verbreitung zu überprüfen. Melanie Eben vom Umweltinstitut München sagte, die „nachlässige Einhaltung“ der Sicherheitsbestimmungen lasse den Impfversuch zu einem Langzeitexperiment mit der Gesundheit der Anwohner von Grabow werden. Eine Probe sei erst 2014 erfolgt.  

Zudem sollten die Fohlen aus dem halboffenen Versuchsstall erst nach sechs Wochen in das Hauptgestüt zurückkehren, wenn sie keine Bakterien mehr ausscheiden. Der Zwischenbericht macht Roloff zufolge widersprüchliche Angaben dazu. Demnach könnten die meisten Fohlen aber schon nach drei Wochen zurückgekehrt sein.

Der Impfversuch wurde im März 2014 abgebrochen, weil die Schutzwirkung nicht erreicht wurde, wie Intervet damals mitteilte.

Der Test war vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) genehmigt worden. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hatte dagegen Bedenken geäußert. Grabower Bürger wehrten sich mit Demonstrationen, eine Anwohnerin klagte. Mehr als 30 000 Bürger protestierten nach BUND-Angaben per E-Mail an das Bundesgesundheitsministerium gegen den Versuch.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen