Landwirtschaft : Boden in MV besteht Stresstest

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Flächen im Nordosten „grundsätzlich in Ordnung“, Defizite im Elbvorland. BUND mahnt standortbezogene Gegenmaßnahmen an

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30. Januar 2018, 21:00 Uhr

Stresstest für Böden: Monokulturen, Arzneimittelreste, Klärschlämme, Ackerchemie, tonnenschwere Landmaschinen, Dünger sowie die wachsende Produktion nachwachsender Rohstoffe und erneuerbarer Energie belastet die Landflächen in Mecklenburg-Vorpommern. So seien Flächen im Elbvorland die Nutzung eingeschränkt, da noch immer Dioxine und Schwermetalle im Boden zu finden seien, sagte Agrarminister Till Backhaus (SPD) gestern bei der Vorlage eines Bodenschutzprogramms in Schwerin: „Ein Relikt der letzten Jahrzehnte.“ Die Stoffe würden über die Elbe aus Tschechien angeschwemmt. Auf einigen sandigen Böden seien Nährstoffprobleme zu beoachten, auf schweren Böden gebe es Defizite in der Humusversorgung. Allerdings: Der Zustand der Böden in MV sei „grundsätzlich in Ordnung“, heißt es in dem 345-seitigen Bericht. „Es gibt keinen Anlass zur Besorgnis“, sagte Backhaus. Im Landesschnitt würden die bundesweit geltenden Vorsorgewerte unterschritten. Auch die Humusversorgung falle „überwiegend positiv aus“. Dennoch offenbart der Bericht Defizite: Von der 2,3 Millionen Hektar großen Gesamtfläche würden 1,4 Millionen Hektar für die Landwirtschaft genutzt. Zu oft bestimmten Monokulturen das Bild. „So können wir nicht weiterwirtschaften“, meinte Backhaus und mahnte ein neues Bodenbewusstsein an. Boden sei die Grundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen, forderte er von allen in der Gesellschaft einen sensibleren Umgang mit dem Boden. „Einmal zerstörte Böden sind nicht mehr zu reparieren.“

Umweltschützer sehen den Boden indes im kritischen Zustand: Der Bericht habe den Schadensumfang bestätigt, meinte Burkhard Roloff, Agrarexperte des Bundes für Umwelt und Natur (BUND). Mehr als die Hälfte der Flächen weise starke bis mittelstarke Schäden durch Verdichtungen auf und sei durch Wasser- und Bodenerosion gefährdet. Jetzt müssten standortbezogene Gegenmaßnahmen festgelegt und eine flächendeckende Bodenschutzberatung eingeführt werden. Der Bauernverband wies die Kritik zurück: Die Produktivität eines Bodens sei ein guter Indikator für die Gesundheit der Böden, sagte Bauernpräsident Detlef Kurreck. Und die Erträge hätten sich je nach Fruchtart um bis zu 73 Prozent erhöht.

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