Zappanale : Bobby Brown am Pferdezaun

Gitarrist und Sänger Adrian Belew wurde nach seiner Zeit bei Zappa insbesondere als Gitarrist von King Crimson berühmt und wird zur 25. Zappanale mit einem King Crimson Nachfolgeprojekt auftreten.
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Gitarrist und Sänger Adrian Belew wurde nach seiner Zeit bei Zappa insbesondere als Gitarrist von King Crimson berühmt und wird zur 25. Zappanale mit einem King Crimson Nachfolgeprojekt auftreten.

Auf der Galopprennbahn in Bad Doberan huldigen am Wochenende Bands und Fans aus aller Welt dem Rockrebellen Frank Zappa – inzwischen zum 25. Mal

svz.de von
17. Juli 2014, 11:50 Uhr

Am Rande des Doberaner Alexandrinenplatzes steht eine kleine Büste. Ein Mann mit markanter Hakennase im hageren Gesicht. Mit wirren, zum Pferdeschwanz gebundenen Haaren. Mit ironischem Lächeln um den vom Zwirbelbart gerahmten Mund. Manchmal stecken ihm Witzbolde eine brennende Zigarette zwischen die Lippen. Das hätte ihm gefallen – er hat zeitlebens geraucht wie ein Schlot.

Für viele ist der US-amerikanische Musiker und Komponist Frank Zappa (1940-1993) das größte Genie der Rock-Geschichte. Charismatisch. Begnadet. Durchgeknallt. Autor grotesker Rocksongs und wüster Underground-Oratorien. Gitarrengott und Anarcho-Cowboy, Bürgerschreck und Provokateur. Doch wie zum Teufel kommt ein Denkmal für diesen Mann ausgerechnet in einen Ort an der Ostsee, das vom Rock-Olymp so weit weg ist wie Florian Silbereisen von Jimi Hendrix?

Wolfhard Kutz heißt der Mann, dem Bad Doberan nicht nur den Bronzekopf des frechen Frank verdankt, sondern sogar ein Festival zu seinen Ehren. 1971 beginnt diese Geschichte. Kutz ist damals 16 und erwirbt für 120 Ostmark seine erste Zappa-Platte auf dem Schwarzmarkt. Ist ob des Gehörten komplett von den Socken und kreist seither unbeirrt auf seiner zappatriotischen Umlaufbahn. Weil der Staat Zappa für „systemgefährdend“ hält, gerät Kutz als „Verderber der Jugend“ auch ins Fadenkreuz der Stasi.

Mit der Freiheit der Wende beschließt Kutz als Häuptling eines kleinen Haufens ähnlich Besessener, ein Festival ins Leben zu rufen, bei dem ausschließlich Live-Musik aus der Feder Zappas oder angelehnt an seine musikalischen Wurzeln zu hören sein soll. Auf einem Treckeranhänger und vor 50 Fans steigt 1990 die Zappanale-Premiere. Richtig in Fahrt kommt der Zappanale-Zug ab 1993, als die Arf-Society gegründet wird, der weltweit erste organisierte Zappa-Fanclub.

2002 folgt dann der ganz große Coup: Kutz gelingt es mit norddeutscher Sturheit und unermüdlichem Engagement, ein Frank-Zappa-Denkmal mitten in Doberans Zentrum zu installieren. 15 000 Euro kostet die bronzene Büste, zu deren angemessen flippiger Einweihung auch elf Ex-„Mothers of Invention“-Musiker, also Mitglieder der Zappa-Band, anreisen sowie Zappas Geschwister Candy und Bob.

Seither sorgt die musikalische Creme de la Creme des Zappa-Universums für kons-tante Glücksgefühle unter den Zappatrioten aus aller Herren Länder. Mal bringen die Teufels-Teens der Paul Green School of Rock das Publikum zum Toben.

Dann wieder brillieren die hinreißenden Sex without nails Bros. aus Österreich mit der Weltpremiere von Zappas Musical „Joe’s Garage“. Und immer wieder kommen Legenden wie Keyboard-Kobold Don Preston, der inzwischen verstorbene Trommler Jimmy Carl Black oder Bassist Roy Estrada, die ab 1965 in Zappas schriller Band „Mothers of Invention“ als „musikalische Müll-Skulpturen“ schockierten, seit vielen Jahren als „Grandmothers of Invention“ erfolgreich durch die Welt touren und auf der Zappanale immer wieder Konzerte der Extraklasse hinlegen, die selbst hartgesottenen Fans Tränen der Rührung in die ergrauten Zottelbärte treiben.

Das Festival ist so bunt wie der Kosmos des anarchischen Frank, der mit hässlichen Akkorden und obszönen Texten brave Bürger bis ins Mark schockte. Aus stapelweise Bewerbungs-Videos mixt das Auswahl-Komitee jedes Mal einen sorgsam ausbalancierten Programm-Cocktail mit Bands, die Zappa-Songs mal original covern, mal höchst eigenständig interpretieren oder neu arrangieren. „Auf der anderen Flanke haben wir Gruppen, deren Sound und Show so originell und verrückt sind, dass sie prima ins zappaeske Raster passen“, so Wolfhard Kutz.

So geben sich auf der Zappanale mal abgedrehte Franzosen die Ehre, mal schräge Schweden, psychedelische Japaner und esoterische Russen, feinsinnige Italiener und undergroundige Polen – um nur einige zu nennen.

Auch die deutsche Fraktion schlägt sich jedes Mal wacker; innovative und kreative junge Bands gibt es hierzulande scheinbar zuhauf. Die Begeisterung der Musiker für das Festival jedenfalls ist so groß, dass manche Bands sogar ohne Honorar spielen.

Die Mammut-Party ist inzwischen so populär, dass Bad Doberan zum Mekka der weltweiten Zappa-Gemeinde avancierte; nirgendwo sonst wird Zappas reichhaltiges Erbe intensiver gepflegt als auf und mit diesem dreitägigen Musik-Marathon mit umfangreichem Rahmenprogramm.

Auf dieser besten Gedenkfeier, die sich ein intelligenter Musiker nur wünschen kann und die zudem annähernd kommerzfrei von Fans für Fans organisiert wird, geht es friedlich zu und familiär. Mit Kind und mitunter auch Kegel. Bei Bier und Extrembratwurst. Das Publikum, darunter etliche Zappa-Doppelgänger und Zappa-Tattoo-Träger, besteht zu 70 Prozent aus Stammgästen und ist ungemein sachkundig: „Hier kannst du dir keinen Fehler erlauben“, grinst Zappanale-Dauerbrenner Napoleon Murphy Brock, der als Sänger und Saxofonist an mehreren Zappa-Tourneen und -Platten beteiligt war: „Die Fans kennen jeden Ton, jeden Takt und jede Liedzeile ganz genau. Das ist unglaublich.“

So darf man vom 17. bis 20. Juli wieder erhebende Konzert-Momente erwarten auf der idyllisch zwischen Bad Doberan und Heiligendamm gelegenen Pferderennbahn. Mehr als 25 Gruppen aus Europa und Amerika werden den Geist von Frank Zappa erneut heraufbeschwören mit vielen seiner rhythmisch vertrackten, komplexen und komplizierten Nummern, deren unfallfreie Beherrschung als musikalischer Ritterschlag gilt.


ZUR PERSON:
Frank Zappa


Der US-Ausnahmemusiker Frank Zappa (1940-1993) wird zuweilen auch „Beethoven des Rock“ genannt. Er veröffentlichte mehr als 60 Alben und beeinflusste die Rockmusik erheblich, sowohl durch seine von Stilanleihen und rhythmischer Vielfalt geprägten Kompositionen als auch durch seine Texte. Diese nahmen Bezug auf Popkultur und Zeitgeschehen und waren oft satirisch-absurd. Er wurde in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen und erhielt zwei Grammys. Einer seiner größten Hits war „Bobby Brown Goes Down“. Er hat eine weltweite Fangemeinde.
 

SERVICE:

25. Zappanale
17. bis  20. Juli 2014
 Bad Doberan, Galopprennbahn
Festival-Ticket: 190 €; Tages-Ticket: 79 €;
Kosten für Parken und Camping inklusive, ermäßigte Preise siehe  www.zappanale.de;
Tel: 04 51/8 00 00 69

 

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