Stechmücken : Blutsaugern auf der Spur

Stefanie Becker leitet  das Institut für Infektionsmedizin auf  Riems.
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Stefanie Becker leitet das Institut für Infektionsmedizin auf Riems.

Wie gefährlich sind nach Deutschland eingewanderte Moskitos? Das erforschen Experten des Bundesforschungsinstituts in einem neuen Sicherheitslabor.

svz.de von
18. Juli 2014, 11:30 Uhr

Die in Deutschland beheimatete Gemeine Hausmücke Culex pipiens hat Konkurrenz aus Asien bekommen. „Die Asiatische Buschmücke hat sich inzwischen in Deutschland etabliert. Wir sind uns sicher, dass sie hier überwintert“, bilanziert der Insektenforscher Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Ostseeinsel Riems. Erstmals war die Asiatische Buschmücke 2008 in Süddeutschland entdeckt worden, später vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Auch in diesem Jahr konnten die FLI-Wissenschaftler das Insekt in Nordrhein-Westfalen nachweisen. Unter den 50 heimischen Arten wurde sie als erste einst exotische Stechmückenart in den Katalog der in Deutschland lebenden Mücken aufgenommen. „Die Bekämpfung der Buschmücke hat keinen Sinn mehr, sie hat sich zu weit in Deutschland ausgebreitet“, sagt Kampen.

In einem neuen Sicherheitslabor nehmen die FLI-Wissenschaftler die Asiatische Buschmücke wie auch heimische Mückenarten jetzt genauer ins Visier. Im Frühjahr starteten die Entomologen erste Zuchtversuche des Exoten. In gazebespannten Boxen und bei Idealbedingungen sollen sich männliche und weibliche Buschmücken zunächst zur Befruchtung treffen. Gelingt die Zucht, sollen Ende 2014 Infektionsversuche starten, um das Übertragungspotenzial zu erforschen.

„Nach der Ausrottung der Malaria in Deutschland verschwand auch das Interesse an der Mückenforschung – bis 2006 an der Blauzungenkrankheit tausende Rinder und Schafe starben“, sagt der Leiter des Bundesforschungsinstituts, Thomas C. Mettenleiter. Der durch die Seuche verursachte volkswirtschaftliche Schaden wird allein in Deutschland auf 200 Millionen Euro geschätzt.

Für die Tierseuchenforscher auf der Insel Riems rücken vor allem solche exotischen, von Mücken übertragbare Erreger in den Blick, die neben dem Menschen auch Nutztieren wie Rinder, Schafe, Pferde oder Geflügel gefährlich werden können. Dazu zählen das Rifttal-Fieber-Virus oder das Japanische Enzephalitis-Virus. Das in Afrika beheimatete Rifttal-Fieber-Virus kann von verschiedenen Stechmückenarten übertragen werden und ist von Kenia inzwischen bis auf die arabische Halbinsel vorgedrungen.

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