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Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 21:39 Uhr

Blutiges Gemetzel im Nationalpark

vom

svz.de von
erstellt am 08.Feb.2013 | 07:42 Uhr

Neustrelitz/Schwerin | Bei einer Drückjagd im Müritz-Nationalpark ist es offenbar zu einem grausamen Gemetzel gekommen. Dabei sei gegen zahlreiche Vorschriften des Tierschutz- und des Jagdgesetzes verstoßen worden, berichten Teilnehmer gegenüber unserer Redaktion. So sei bei der Jagd am 13. Dezember der Abschussplan für Damwild massiv um 60 Tiere überschritten worden. Zudem seien Muttertiere erlegt und der obligatorischen Suche nach durch Schüsse verletzten Tieren nur gleichgültig nachgegangen worden. Schließlich seien Rehböcke zum Abschuss freigegeben worden, obwohl für diese im Dezember normalerweise die Schonzeit gilt. Das Umweltministerium hat eigens eine Untersuchungskommission eingesetzt.

"Um die Schusshemmung abzubauen, sind die Böcke freigegeben", zitiert Teilnehmer Herbert Eingang die Jagdleitung. Er selber habe ein Damwildkalb mit abgeschossenem Vorderbein erlegt, dass seinen Stand passierte. Hinzu kam ein weiteres angeschossenes Kalb, zwei Kälber, die ohne Mütter umherirrten und ein Alttier mit einem Bauchschuss. Die Nachsuche, so Eingang, sei zumindest mangelhaft gewesen. "Ich bin doch kein Killer, ich habe die moralische Verpflichtung, zu suchen, wenn ich ein Tier verletzt habe." Auch ein anderer nicht genannt sein wollender Teilnehmer berichtet, dass das Motto wohl gewesen sei: "Hauptsache, es fällt möglichst viel um."

Jagdleiter war der Jagddezernent im Nationalparkamt, Jagszent. Das Amt verweigerte gestern eine Stellungnahme unter Verweis auf das Umweltministerium, das die Öffentlichkeitsarbeit übernommen hat.

Insider sehen als Hintergrund solcher Vorgänge eine Auseinandersetzung zwischen Waldbesitzern unter den Jägern und anderen Jägern. Die Lobby der Waldbesitzer setze sich mit solchen Jagdmethoden durch, um möglichst viele Bäume vor dem Verbiss durch Wild zu schützen.

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