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Jagd im Müritz-Nationalpark : Blutiges Gemetzel hat Konsequenzen

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Das Umweltministerium zieht nach dem Fall der umstrittenen Großjagden im Müritz-Nationalpark Konsequenzen: Es laufen jetzt mehrere Verfahren gegen Mitarbeiter des Nationalparkamtes.

svz.de von
erstellt am 13.Feb.2013 | 07:31 Uhr

Schwerin/Neustrelitz | Im Fall der umstrittenen Großjagden im Müritz-Nationalpark sind zwei Ordnungswidrigkeits- und die Prüfung eines Disziplinarverfahrens gegen die Jagdleitung eingeleitet worden. Das teilte gestern Umweltminister Till Backhaus (SPD) mit. Bei den Beschuldigten handelt es sich um einen oder mehrere Mitarbeiter des Nationalparkamtes.

Teilnehmer der Jagden hatten zuvor schwere Vorwürfe erhoben: So sei bei einer der Jagden der Abschussplan für Damwild massiv um 60 Tiere überschritten worden. Zudem seien Muttertiere erlegt und der obligatorischen Suche nach durch Schüsse verletzten Tieren nur gleichgültig nachgegangen worden. Schließlich seien Rehböcke zum Abschuss freigegeben worden, obwohl für diese im Dezember normalerweise die Schonzeit gilt. Das Umweltministerium hatte daraufhin eine Untersuchungskommission eingesetzt. Laut Backhaus liegen nun erste Ergebnisse vor, es gebe aber noch eine Reihe offene Fragen.

Als begründet bewertet wurde demnach die Abschussplanüberschreitung bei Damwild. Was aus den Kälbern der erlegten Tiere geworden ist, ist unklar. Bei der Prüfung sei außerdem festgestellt worden, dass die tatsächlichen Stückzahlen für Rehwild deutlich über dem Abschussplan für die Jagdjahre 2010-2013 liegen. "Der Verdacht des Vorsatzes liegt nahe", so Backhaus. Zu den Tatbeständen werde nun ein gebündeltes Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Geprüft werden müsse noch, ob die Freigabe der Jagd auf Rehböcke rechtens war. Voraussetzung dafür sei, dass der Abschussplan noch nicht erfüllt gewesen ist. Die entsprechenden Protokolle lägen aber bislang nicht vor. Die Prüfung habe zudem ergeben, dass auch einzelgehendes Schwarzwild, beispielsweise Bachen, die von Frischlingen getrennt wurden, geschossen wurde. Dies sei nicht erlaubt und tierschutzwidrig und werde Konsequenzen nach sich ziehen, sagte der Minister.

Einen der schwersten Vorwürfe wies die Kommission allerdings als unbegründet zurück - den der mangelhaften Suche nach angeschossenen, verletzten Tieren. Auf Nachfrage unserer Redaktion musste die Kommission aber einräumen nur eine Seite befragt zu haben - und zwar die Beschuldigten. Nicht angehört habe man den Jagdteilnehmer, der die Vorwürfe erhoben hat. Dies wolle man nun nachholen, wurde versichert. Das Nationalparkamt und ein Schweißhundeführer hätten jedenfalls erklärt, dass alle angezeigten Nach- und Kontrollsuchen durchgeführt worden seien. Insgesamt seien an drei Jagdtagen etwa 380 Stück Schalenwild gestreckt worden. Pro Jagdtag seien dann zehn bis zwölf Nachsuchen angezeigt worden. Der Anteil von rund zehn Prozent Nachsuchen sei in der jagdlichen Praxis üblich, so die Kommission. Zur künftigen revierübergreifenden Jagden im Müritz-Nationalpark mit großer Beteiligung von etwa 150 Jägern sicherte Backhaus eine "gründliche Prüfung aller Maßnahmen" zu, "um Sicherheit, Qualität und Nachhaltigkeit zu gewährleisten."

Beobachter sehen als Hintergrund eine Auseinandersetzung zwischen Waldbesitzern unter den Jägern und anderen Jägern. Die Lobby der Waldbesitzer versuche sich mit solchen Jagdmethoden durchzusetzen, um möglichst viele Bäume vor dem Verbiss durch Wild zu schützen.

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