Prozessauftakt in Rostock : Blutiger Streit im Heim

Prozess wegen versuchten Totschlags in Rostocker Asylunterkunft begonnen

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04. April 2017, 21:00 Uhr

Nach einem blutigen Streit muss sich ein Asylbewerber aus Ägypten wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Rostock verantworten. Der 38-Jährige soll Ende Oktober vergangenen Jahres in einem Rostocker Flüchtlingsheim mit einem langen Küchenmesser auf einen Mitbewohner losgegangen sein. Das 25 Jahre alte Opfer konnte den ersten Stich abwehren. Der zweite traf ihn im Bein. Der dritte verletzte seine rechte Herzkammer. Nur durch eine Notoperation überlebte der junge Mann.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ägypter vor, nach einer aus banalem Anlass entstandenen verbalen Auseinandersetzung aus seinem Zimmer das Messer geholt und auf den Syrer losgegangen zu sein. Der Angeklagte präsentierte gestern vor Gericht eine andere Version. Er habe sich nur verzweifelt gegen eine Gruppe von Angreifern gewehrt.

Es war kein Streit, der sich aus den unterschiedlichen Nationalitäten ergab. Er ergab sich aus dem beengten Leben in einer Flüchtlingsunterkunft. Der Angeklagte und ein syrischer Mitbewohner gerieten wegen der Nutzung des Gemeinschaftsbads aneinander. Während der eine duschen wollte, wollte der andere einen Wischmob ausspülen. Es wurden Türen geknallt und abgeschlossen.

Der Ägypter fühlte sich provoziert. Da er schon einmal in einem anderen Flüchtlingsheim Mitbewohner bei der Polizei wegen Drogenhandels angezeigt habe, galt er als unbeliebter Polizei-Spitzel, so der gut ausgebildet wirkende Angeklagte, der sich detailliert auf die Aussage vorbereitet hatte. Darum seien dem Syrer wohl mehrere Landsleute zur Hilfe gekommen, darunter auch das spätere Opfer. Sie hätten ihn geschlagen und getreten und in seinem Zimmer zu Boden gedrückt. Er habe Halt an einem Regal gesucht, wodurch von diesem Regal mehrere Gegenstände herunter fielen – auch ein Messer. Das habe er irgendwie in die Hand bekommen und damit nach hinten „geschlagen“. Dass er dabei jemanden verletzt haben könnte, will er nicht bemerkt haben. Auch später will er am Messer kein Blut gesehen haben, wie der Angeklagte sagte.

Der Vorsitzende Richter machte durch seine Nachfragen deutlich, dass er an dieser Darstellung so manche Zweifel hegt. Bei ersten Vernehmungen nach der Verhaftung hatte der Ägypter manche Details anders berichtet. Das könnte teilweise an einer falschen Übersetzung durch einen schlechten Dolmetscher liegen, machte er gestern geltend. Der Angeklagte war 2014 nach Rostock gekommen. 2015 wurde er zurück nach Italien abgeschoben. Ende 2015 kehrte er nach Deutschland zurück und stellte einen weiteren Asylantrag. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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