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Mordprozess in Rostock : Blutbad an Ex-Freundin

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

29-Jähriger räumt ein, die Mutter seiner Tochter getötet zu haben

svz.de von
erstellt am 10.Okt.2014 | 08:00 Uhr

Frank F. hat seine langjährige Freundin getötet. Tini, gerade 23 Jahre alt, verblutete an einem Sonntag Ende April in ihrer Rostocker Wohnung. Vier tiefe Stiche in den Bauch stellen die Gerichtsmediziner fest, fünf in den Rücken. Dazu der Schnitt in den Hals, der Luftröhre und eine Vene durchtrennte. Mit dem Blutbad machte Frank F. seine vierjährige Tochter zur Halbwaise. Der 29-Jährige stellte sich selbst der Polizei. Gestern begann im Landgericht der Hansestadt der Mord-Prozess gegen ihn. Aus gekränkter Eitelkeit und heimtückisch soll er die Frau ums Leben gebracht haben. Sie hatte sich der Anklage zufolge einen Monat zuvor von ihm getrennt und neu verliebt. Bis zum 1. Mai sollte er endgültig aus der Wohnung verschwunden sein. So hatte es die junge Frau gefordert.

F. streitet nicht ab, „Tini“ zunächst gewürgt und dann auf sie eingestochen zu haben. Er nennt sie vor Gericht bei ihrem Kosenamen, so wie er „Zwerg“ sagt, wenn von der kleinen Tochter die Rede ist. Er redet sehr viel, oft mit leicht überheblichem Unterton, auch gereizt, wenn ihm eine Frage missfällt. Und eher in Andeutungen, wenn es um die Tat direkt geht. „…dann gingen meine Hände hoch zu ihrem Hals“, sagt er. Und als dann ihre linke Hand so merkwürdig schlaff runter gefallen sei, erst da sei ihm das Messer wieder eingefallen, das er nur kurz zuvor in der Küche in seine Hosentasche gesteckt habe. Und dann erinnere er sich nur noch daran, wie er das Messer aus ihrem Bauch zog. Und daran, wie es später in ihrem Hals steckte. Dass sie tot ist, habe er bis heute nicht realisiert. „Ich dachte, sie schläft“, sagt er. Einen Kuss habe er ihr gegeben, sie ganz zugedeckt und „tausendmal gesagt, dass ich sie liebe“. Dann wusch er sich das Blut ab, legte seinen Ausweis an den Tatort und ging zur nahen S-Bahn-Station Lichtenhagen, um sich vor den Zug zu werfen, wie er sagt. Das tut er nicht, er geht zur Polizei. Die Tochter, die er an diesem Wochenende beaufsichtigen sollte, hatte er vor der Tat bei der Oma gelassen.

Tini habe sich schon öfter von ihm trennen wollen und es nicht getan, sagt er auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters, Peter Goebel. Es habe sie gestört, dass er keine Lehre aufnahm. Dass er es bei keinem Job aushielt. Dass er seine Zeit am Computer vertrödelte. Doch diesmal war es der jungen Frau offenbar ernst mit der Trennung. Sie wollte mit der Kleinen zum neuen Freund ziehen. Er habe nur noch mal mit Tini reden wollen, beteuert F. Zwei Tage vor der Tat sucht er im Internet nach Seiten zum Thema „Ich habe meine Freundin erstochen“. „Warum?“, fragt der Richter. „Es kam nichts in der Glotze“, weicht F. trotzig aus. Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.

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