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Mecklenburg-Vorpommern

13. Dezember 2017 | 02:41 Uhr

Blut an den Händen

vom

svz.de von
erstellt am 10.Aug.2010 | 06:59 Uhr

Schwerin | Sergej A. kam vor sieben Jahren nach Deutschland, um hier sein Glück zu finden. Das hat offensichtlich nicht geklappt. Der 55-jährige Familienvater soll im Januar eine Bekannte getötet haben, die wie er aus Odessa stammte. Seit Februar sitzt er deshalb in Untersuchungshaft. Nun im Prozess vor dem Schweriner Landgericht wird ihm Totschlag vorgeworfen.

Die Anklage geht davon aus, dass Sergej A. mit Natascha M. eine Affäre hatte. Die 70-Jährige wurde zu Jahresbeginn tot in ihrer Wohnung im Schweriner Plattenbaugebiet Großer Dreesch gefunden. Der Angeklagte soll sie geschlagen, in den "Schwitzkasten" genommen und erdrosselt haben.

Sergej A. räumte gestern ein, die Frau getötet zu haben. Allerdings habe er zunächst geglaubt, "die kommt schon wieder zu sich", als sie am Boden lag und er die Wohnung verließ. Er bestritt, jemals eine Liebesbeziehung zu der älteren Frau gehabt zu haben.

Das Gericht will herausfinden, was genau den Mann mit dem Opfer verband. Sie sei eher eine Bekannte seiner Frau gewesen und eifersüchtig auf seine Familie. "Nichts Schlechtes über Tote", sagt der gebürtige Ukrainer und dann: "Sie war geschwätzig, trank viel und wollte unbedingt einen Mann". Sie habe einen 20 Jahre jüngeren Liebhaber gehabt, doch der hatte im Vorjahr mit ihr Schluss gemacht.

Der Vorsitzende Richter fragt feinfühlig weiter. Doch Sergej A. umkreist die Antworten, die ihn selbst betreffen, weicht aus auf Neben-Episoden. Der Richter erkennt, dass er so nicht weiter kommt. Er versucht es mit anderen Worten. Worten, die vielleicht der Angeklagte wählen würde. "Dann muss ich eben direkt fragen: War die Alte scharf auf Sie?" Keine Ahnung, was die Dolmetscherin übersetzt. Aber Sergej A. bejaht nun die Frage. "Darüber zu reden, ist mir peinlich", erklärt er sein Zögern. Bei einer zufälligen Begegnung im Januar habe Frau M. ihn plötzlich gestreichelt. "Aber Natascha", habe er zu ihr gesagt, "in deinem Alter! Da kümmert man sich um seine Enkelkinder!"

Doch sie habe unbeirrt weiter ihr Ziel verfolgt. "Mich ins Bett zu bekommen. Meine Leben kaputt zu machen. Am Ende machst du doch, was ich will", habe sie ihm gesagt und es habe wie eine Drohung geklungen.

Am 30. Januar sei er abends auf dem Weg zum Sportplatz gewesen. Eine Bande von Jugendlichen habe ihn angegriffen, aber ziehen lassen, als er blutete. Er sei zu Natascha gegangen, um die blutenden Wunden an den Händen zu stillen. In der Wohnung habe es verheerend ausgesehen mit offenen Schrankwandtüren und verstreuten Sachen auf dem Boden. Das Chaos habe gerade ein anderer Mann verursacht, habe sie erklärt. Und ihm gleich erneut Avancen gemacht. Als er sie wieder abwies, habe sie ihn erpresst. Natascha M. wusste offenbar, dass Sergej A. tatsächlich ein außereheliches Verhältnis mit einer jüngeren Frau hatte. "Ich erzähle deiner Frau, dass sie ein Kind von dir bekommt". Da seien ihm die Sicherungen durchgebrannt. Er habe ihr eine Flasche auf den Kopf geschlagen. Sie habe ihn festgehalten, er wollte sie loswerden, habe sie an den Hals gefasst und von sich geschoben. Als sie auf die Knie fiel und nach vorn sackte, ging er. Bekannte von ihr haben später die Polizei gerufen. Die na

hm zunächst Nataschas früheren Liebhaber fest. Auf Sergej A. fiel der Verdacht erst Tage später. Das Gericht wird vermutlich Ende August das Urteil sprechen.

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