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Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 04:11 Uhr

Blitzbesuch: Joachim Gauck in Plau

vom

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erstellt am 16.Mär.2012 | 07:21 Uhr

Plau am See | Um 10.02 Uhr steht er plötzlich vor ihm: Als Joachim Gauck gestern Ernst Gotzian entgegenlacht und ihm die Hand reicht, kann der Inhaber des Plauer Parkhotels Klüschenberg es kaum fassen. "Er war sehr freundlich und locker", sagt Gotzian. Natürlich habe Gauck zuerst seine Frau Beatrice begrüßt. "Der Mann weiß schließlich, was sich gehört", sagt der Hotel-Chef. Erst am Abend zuvor hatte Gotzian vom hohen Besuch erfahren. "Ruhig schlafen konnte ich trotzdem, denn noch ist Joachim Gauck ja ein fast ganz normaler Bürger", sagt Gotzian und lacht.

Bald wird Joachim Gauck nicht mehr einfach so in ein Hotel spazieren können. Spätestens dann nicht mehr, wenn die Bundesversammlung den Mecklenburger in Berlin zum elften Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt hat. Schon am Sonntag ist es soweit. "Ich habe Gauck allerdings gesagt, dass noch nie ein Bundespräsident bei uns zu Gast war und ihn gefragt, ob er daran nicht etwas ändern könne", sagt der Hotelier. Da habe Gauck gelacht.

Vor seiner Wahl war es dem gebürtigen Rostocker wichtig, noch einmal bei "seiner" Kirche, der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, vorbeizuschauen. Günstig, dass die Synode der Kirche, also eine Versammlung der Kirchenspitzen, aktuell in Plau am See tagt. Schon seit zwölf Jahren treffen sich die Kirchenoberen alle zwei Jahre im Parkhotel. "Es war ein ziemlicher Überraschungsbesuch", sagt Kirchensprecher Christian Meyer. Denn selbst die Synodenbesucher wussten nicht alle vom besonderen Gast.

Erst vormittags wurde bekannt, dass es eine kurzfristige Änderung im Programmablauf geben würde. Als dann der künftige Bundespräsident das Hotel in der Seestadt betrat, rieben sich viele verwundert die Augen. Glauben, den haben bei einer Kirchentagung naturgemäß viele. Aber dieser Besuch war für viele trotzdem nur schwer zu glauben. Applaus brandete auf, als Gauck den Tagungsraum betrat.

In seiner Rede vor der Synode fand Gauck große Worte für Mecklenburg, die Kirche und seinen Glauben: "Ich habe gespürt, dass die Zeit als Pastor in Mecklenburg mich sehr geprägt hat. Als wir Gemeinde gebaut und unseren christlichen Glauben verteidigt haben. Diese Zeit in meinem Leben ist wichtiger, als die Zeit in der ich später bekannt wurde." Er habe eine tiefe innere Verbindung zu seiner Kirche, sagte der Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten. Auch seinen Besuch erklärte Gauck. Er habe "einen persönlichen Kontakt zur mecklenburgischen Kirche und ein Vier-Augen-Gespräch mit Landesbischof Andreas von Maltzahn gewünscht", sagte er. Schließlich könne niemand fortwährend geben, man müsse ebenso empfangen. "Was die Seele ernährt, hängt mit den Wurzeln zusammen, die wir als evangelische Christen vertreten", sagte Gauck. Was er und von Maltzahn sich im Gespräch sagten, das wird wohl nie den Weg an die Öffentlichkeit finden. "Aber ich hatte den Eindruck, dass es durchaus ein seelsorgerliches Gespräch gewesen sein könnte", sagt Meyer.

Sehr offen sprach Gauck in seiner Rede die aktuell "merkwürdige Situation" der Landeskirche an. "Der Übergang in die Nordkirche steht in Beziehung zum Thema Sicherheit und eigene Identität", so der Gast. Zukunftsfragen hingen stets mit Hoffungen und Chancen zusammen und ebenso "mit der Angst aus vertrautem herauszufallen". Vor diesem Hintergrund zollte er den Mecklenburgern hohen Respekt: "In entschlossener Weise geben sie eine uralte Tradition auf und gehen jetzt mit Selbstbewusstsein in eine erweiterte große Kirche." Dabei trage vor allem die Hoffnung des christlichen Glaubens und könne die Furcht nehmen, eigene Identität verlieren zu können. Angst sei zwar menschlich, helfe aber nicht weiter. Gauck wörtlich: "Angst macht kleine Augen und ein enges Herz."

Auch die Synode wählte: Christoph de Boor ist seitdem neuer Präses. Doch im Schatten einer anderen geriete diese Wahl fast zu einer Randnotiz.


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