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Verkehrskontrollen : „Blitz-Marathon“: Vier Prozent der Kraftfahrer zu schnell

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auch echte Raser gestoppt. So fiel ein Autofahrer auf der B191 mit 154 bei 100 erlaubten Stundenkilometern auf.

svz.de von
erstellt am 20.Sep.2014 | 08:45 Uhr

Beim „Blitz-Marathon“ in Mecklenburg-Vorpommern sind die Autofahrer mit Vorsicht unterwegs gewesen. Nur 4,1 Prozent der Fahrer habe die Messstellen mit überhöhter Geschwindigkeit passiert. Das sei weniger als bei herkömmlichen Geschwindigkeitskontrollen, bei denen dieser Anteil im Schnitt bei 11 Prozent liege, teilte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) in Schwerin mit.

Während des 24-stündigen „Blitz-Marathons“ von Donnerstag- bis Freitagfrüh kontrollierten 323 Beamte an 172 Orten im Land. Dabei wurden 45 374 Fahrzeuge gemessen und 1854 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt.

Die meisten Geschwindigkeitsüberschreitungen seien gering gewesen, hieß es weiter. Allerdings wurden auch echte Raser gestoppt. So fiel im Bereich der Polizeiinspektion Ludwigslust ein Autofahrer auf der Bundesstraße 191 mit 154 bei 100 erlaubten Stundenkilometern auf.

Hintergrund der Aktion ist die bundes- wie auch landesweit wieder steigende Zahl tödlicher Verkehrsunfälle. Oft ist viel zu schnelles Fahren die Ursache.

Die Zahl der Verkehrstoten in Mecklenburg-Vorpommern ist im ersten Halbjahr 2014 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast auf das Anderthalbfache gestiegen. 43 Menschen starben von Januar bis Juni bei einem Verkehrsunfall. Bezogen auf die Einwohnerzahl waren dies deutschlandweit die meisten Verkehrstoten.Caffier wandte sich gegen eine mögliche weitere Verkleinerung der Polizei im Land aus Spargründen. „Wir brauchen für die Sicherheit auf den Straßen eine personell gut aufgestellte Landespolizei“, sagte er. „Eine Reduzierung der Stärke der Landespolizei würde die Wirksamkeit von Geschwindigkeitskontrollen deutlich einschränken.

Bundesweit wurde an fast 7500 Stellen geblitzt und gelasert. Mehr als 13 000 Polizisten waren im Einsatz. Von rund drei Millionen kontrollierten Autofahrern sind 93 000 zu schnell gewesen.

In Nordrhein-Westfalen durften dieses Mal Kinder die Messstellen vorschlagen. Fast 18 000 Kinder und Jugendliche hätten sich beteiligt und mehr als 3000 Stellen angeregt. Sie verteilten selbst gebastelte „Denkzettel“ an die Autofahrer. In Essen geriet am Morgen eine Autofahrerin prompt in Anwesenheit des Ministers mit Tempo 59 statt 30 in die Tempofalle. Weil Kinder das Messgerät bedienten, kam sie um 120 Euro Bußgeld herum, aber nicht um eine eindringliche Ermahnung.

Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, verteidigte den Blitz-Marathon: „Die Wahrheit ist: Wenn die Polizei nicht blitzt, sterben mehr Menschen!“ Kritik am Blitz-Marathon kam von der Gewerkschaft der Polizei: Deren Bundesvorsitzender Oliver Malchow sprach von „einer PR-Aktion ohne nachhaltigen Effekt auf die Verkehrssicherheit“. Der „Passauer Neuen Presse“ sagte Malchow: „Es reicht eben nicht, Blitzer aufzustellen.“ Der größte Lerneffekt für Autofahrer bestehe in der direkten Konfrontation mit einem Polizisten nach dem Regelverstoß. Auch Siegfried Brockmann, führender Unfallforscher vom Gesamtverband der Versicherer, zeigte sich skeptisch: Verkehrssünder mit Bleifuß erreiche man nur über dauerhaften Kontrolldruck. Er kritisierte aber, dass Tempokontrollen als „Abzocke“ bezeichnet würden.

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